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Lübeck Der Mann, der den Pop mitbrachte
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13:23 31.01.2019
Dozent Prof. Bernd Ruf in seinem Element – Studenten zu unterrichten, ist für ihn auch eine Passion. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

15 Jahre Popularmusik – Prof. Bernd Ruf, Dirigent, Klarinettist und Dozent, baute den Bereich an der Musikhochschule Lübeck auf. Das Interview:

Vor 15 Jahren wurden Sie auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Popularmusik, Jazz und Weltmusik an der Musikhochschule Lübeck (MHL) berufen. Dies war für die MHL damals eine echte Zäsur, da sie bis zu dem Zeitpunkt nur klassisch ausgebildet hat. Hat Sie diese Herausforderung gereizt?

Prof. Bernd Ruf: Ja, natürlich. Denn das Reizvolle für mich damals wie heute ist das interdisziplinäre Arbeiten an der Schnittstelle klassischer und populärer Musik. Ich habe auch immer in dieser Parallelität gelebt und gearbeitet, wurde auch im Studium sowohl klassisch als auch im Jazz ausgebildet. Allerdings weiß ich noch, wenn man sich in den 1990ern für eine klassische Dirigenten-Stelle beworben hatte, waren Jazz-Pop-Musical Erfahrungen im Lebenslauf ein rotes Tuch. In erster Stelle sprechen wir aber immer über Musik als Ganzes. Es muss immer um die vorurteilsfreie Begegnung gehen.

So kam die Stelle für Sie wie gerufen, oder?

Das kann man so sagen. Ich konnte mich zum ersten Mal gleichwertig mit meinem gesamten Portfolio bewerben. Eine fantastische Möglichkeit, die Sprache beider Genres gleichermaßen zu sprechen und übersetzen zu können.

Und was fanden Sie vor, als Sie vor 15 Jahren an die MHL kamen?

Der Start war schon sehr bemerkenswert. Ich habe mich am ersten Tag beim Kanzler vorgestellt. Seine Antwort war: Wir haben keine Räume für Sie, wir haben keine Instrumente für Sie, und Kollegen für Ihren Bereich sowieso nicht. Aber fangen Sie mal an. Entsprechend startete ich in der damaligen Cambrai-Kaserne am Peenestieg quasi bei Null. Und ging erst mal auf Einkaufstour, also Instrumente und technisches Equipment. Anschließend auf Kollegensuche.

„Ideologische Schranken überwinden“

Und wie war die Resonanz?

Gerade im Schulmusik-Bereich – heute der Bachelor of Arts – stieß ich auf ein großes Interesse. Zukünftige Musiklehrer mit weiteren Inhalten auszustatten, war ja auch die Motivation, diese Professur an der MHL einzurichten. So kann man inzwischen zum Beispiel auch die Hauptfächer Popgesang oder Jazz-Saxofon wählen. Und auch Studierende aus den künstlerischen Studiengängen sollten, gefördert durch dieses integrierte „Lübecker Modell“, die Chance bekommen, Jazz- und Popularmusik als alternatives Modul während ihres Studiums belegen zu können. Die Konzert-Programme verändern sich ja auch stark bei den Sinfonieorchestern.

Sicherlich gab es und gibt es immer noch Vorbehalte der klassischen Kollegen gegenüber der Popularmusik, oder?

Es gibt ja ganz unterschiedliche Haltungen. Damals wurde die Bitte der Landesregierung an die Musikhochschule herangetragen, sich der Popularmusik zu öffnen. Die MHL war eine der letzten Hochschulen bundesweit, die noch kein entsprechendes Angebot hatte. Durch die Integration in Bestehendes konnten wir verhindern, dass ideologische Schranken erst gar nicht aufgebaut wurden und werden. Diese Gefahr ist meines Erachtens wesentlich größer, wenn man einen separaten Studiengang begründet.

Es entsteht immer mal wieder die Frage nach dem künstlerischen Wert populärer Musik. Ist diese Frage zulässig?

Popularmusik ist nicht Popularmusik; sie ist nicht reduziert auf die paar Songs, die morgens bis abends im Radio laufen. Das ist so ein großes Feld, und es gibt Kompositionen, die unter das Label fallen, aber gar nicht populär sind, im Bereich Jazz, Weltmusik oder Avantgarde-Pop beispielsweise. Diese sind in ihrem künstlerischen Wert absolut ebenbürtig mit klassischer Musik. Und auch bei klassischer Musik gibt es viel Populäres. Divertimenti sind komponiert, um zu unterhalten.

Helene Fischer wie Caterina Valente

Unterhaltendes ist ja per se nicht schlecht. Ziehen Sie persönlich denn auch ästhetische Grenzen in der „populären“ Popularmusik?

Das ist ein schwieriges Thema. Für mich ist die Professionalität ein sehr starkes Kriterium. Helene Fischer zum Beispiel ist eine der professionellsten Sängerinnen in Deutschland, in ihrer Vielseitigkeit vergleichbar mit Caterina Valente. Wie man jetzt dazu steht, wie sie sich vermarktet, ist eine ganz andere Frage. Doch sie erreicht und berührt viele Menschen, genau wie David Garrett. Er ist ein ganz hervorragender Geiger; allerdings sind mir seine Pop-Rock-Produktionen zu schlicht und kommerziell. Doch ist das natürlich legitim.

Sind denn nicht zum Beispiel David Garrett oder André Rieu Botschafter für klassische Musik?

Durchaus. Schließlich sind sie in einem Publikumsmilieu unterwegs, zu dem ansonsten kaum andere klassische Geiger Zugang finden. Das hat schon viele Kinder motiviert, dieses Instrument zu lernen. Das darf man nicht unterschätzen. Die Aufregung kommt ja meist aus dem klassischen Bürgertum, also aus einem Zielkreis, für den diese Musik gar nicht produziert wurde. Die gleiche Diskussion habe ich bei Oper und Musical erlebt. Deshalb bin ich sehr vorsichtig in der Bewertung.

Sind Sie denn zufrieden mit der Entwicklung der Popularmusik an der MHL?

Obwohl wir inzwischen Einiges auf der Habenseite vorzuweisen haben, unter anderem etwa zwölf Dozierende sowie ein halbes Dutzend starke Ensembles, ist der Bereich nach wie vor ein zartes Pflänzchen mit relativ wenigen Studierenden. Die besonderen Möglichkeiten dieses Lübecker Modells müssten bundesweit einfach bekannter werden.

Mit vier Jubiläumskonzerten feiert die Musikhochschule Lübeck „15 Jahre Popularmusik an der MHL“. Prof. Bernd Ruf hat den Bereich seit 2004 aufgebaut.

Das sind die 4 Jubiläumskonzerte: Die Bigbandnight am Sonntag, 3. Februar, eröffnet im Maritim-Seehotel Timmendorfer Strand die Jubiläumskonzerte. Ab 18 Uhr sind die OGT-Bigband, die MHL-Bigband und die MHL-Vocalband zusammen mit den Jazzmusikern Nils Landgren und Ingolf Burkhardt zu hören. Mit der „Werkstatt Popularmusik“ setzt die MHL am 9. Februar die Reihe fort. Ab 19.30 Uhr präsentieren sich im Großen Saal die MHL-Klezmergroup, die MHL-Percussiongroup, das Ensemble „Brazilian Beatz“, der Pops-Chor, die Funkrock Band und die Neo Soul Band. Zum Konzert „Lübeck Sounds“ lädt die MHL am 10. Februar ab 17 Uhr ein. Die Bigband präsentiert Stücke aus ihrer neuen CD. „Magic Music Monday“ heißt es am 11. Februar, ab 21 Uhr im CVJM (Info: www.mh-luebeck.de).

Michael Hollinde

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