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Nordwestmecklenburg Der Tod als ständiger Begleiter
Lokales Nordwestmecklenburg Der Tod als ständiger Begleiter
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19:09 07.02.2019
Maria Rust (31): „Ich möchte den Sterbenden etwas Gutes tun und ein warmherziges Gefühl mitgeben.“ Quelle: PRIVAT
Grevesmühlen/Wismar

Das Leben ist endlich. Mit dem Tod umgehen aber kann nicht jeder. Mancher verdrängt ihn gar. Für Maria Rust ist das keine Option. Schon ihre vier- und sechsjährigen Kinder konfrontiert die 31-Jährige mit der Tatsache, dass Sterben zum Leben dazugehört. Mitunter ist die Wismarerin sogar dabei. Sie engagiert sich ehrenamtlich als Sterbebegleiterin.

Dazu entschlossen hat sich die Bürokraft vor zwei Jahren. Vorausgegangen waren zwei Schlüsselmomente: Ihre Freundin erlebte eine Totgeburt. „Ich war mit im Krankenhaus und habe die Sternenfotografie gemacht, um in dem schlimmen Moment etwas Gutes zu hinterlassen“, erinnert sie sich. Zehn Monate später starb ihre Oma. „Über Stunden hinweg saß ich am Sterbebett, um in der Phase des Gehens dabei zu sein.“ Von da an war klar: Von ihrer sozialen Ader, ihrer Empathie sollten auch für sie fremde Menschen profitieren. Im Hospiz Schloss Bernstorf stieß sie auf offene Ohren. Ihr Mann hatte Angst, dass sie die ehrenamtliche Arbeit runterziehen würde. „Aber es erfüllt mich. Ich möchte den Sterbenden etwas Gutes tun und ein warmherziges Gefühl mitgeben“, sagt sie. Ihrem Sohn erklärte sie, nachdem er fragte, welche Arbeit ihr mehr Spaß bereiten würde: Die eine mache sie fürs Geld, die andere fürs Herz.

Freuen sich über 500 Euro für die Arbeit des Ökumenischen Hospizdienstes: die ehrenamtliche Sterbebegleiterin Karina Stenker (l.) und Gerda Voss vom Ökumenischen Hospizdienst hier mit dem Leiter des Hagebaumarktes Ulf Weier. Quelle: PRIVAT

Die Ausbildung zur Sterbebegleiterin absolviert Maria Rust beim Ökumenischen Hospizdienst Schwerin-Nordwestmecklenburg. Koordinatorinnen in Wismar sind Gerda Voss und Britta Borgwald. Seit 20 Jahren gibt es den ambulanten Dienst – vorrangig in Schwerin, Wismar und Umgebung. Nun wird er auf Grevesmühlen ausgebaut. Die Koordinatorinnen arbeiten mit Pflegeheimen, Krankenhäusern und dem Hospiz Bernstorf zusammen. Zur Verfügung stehen derzeit 32 Ehrenamtliche, die sterbende und schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen in der Häuslichkeit, in Pflegeeinrichtungen und im Krankenhaus begleiten. „Die Kosten werden nur zum Teil von den Krankenkassen refinanziert“, erklärt Gerda Voss. Daher ist der Hospizdienst – ein Angebot vom Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg, von der Caritas Mecklenburg und der Diakonie Mecklenburg-Vorpommern – für Spenden dankbar. Zuletzt gab es 500 Euro vom Hagebaumarkt in Gägelow. Aus dem Verkauf von Couponkalendern kamen 250 Euro zusammen, Marktleiter Ulf Weier verdoppelte den Betrag.

Der Hospizdienst

Wer den Ökumenischen Hospizdienst in Anspruch nehmen möchte, muss konfessionell nicht gebunden sein. Kosten entstehen nicht.

Zu den Hauptaufgaben der Koordinatoren und der Ehrenamtlichen gehören regelmäßige Hausbesuche, die Entlastung der Angehörigen, den Kontakt zu Therapeuten, Seelsorgern und Verwandten herzustellen, umfassende palliative Beratung und Begleitung in der Trauer.

Hilfe anfordern können der Kranke oder Sterbende selbst, die Angehörigen, Freunde und Trauernden, das betreuende Pflegepersonal, Ärzte und Seelsorger.

Kontakt: Britta Borgwald (59), Koordinatorin für Grevesmühlen und Umgebung, ist unter der Telefonnummer 0152 / 07 53 92 61 zu erreichen; Gerda Voss (53), Koordinatorin für Wismar und Umgebung, unter 03841 / 2 24 04 50.

Sein Büro hat das Duo noch unter dem Dach des Alten- und Pflegeheims St. Martin in Wismar, Papenstraße 2e. In den nächsten Wochen ziehen sie in die ehemalige Physiotherapie-Praxis im Erdgeschoss. Dort finden auch die regelmäßigen Treffen der Ehrenamtlichen statt.

Die Ausbildung zum Sterbebegleiter ist kostenfrei, Fahrten zu den Sterbenden werden ersetzt. „Vor allen Dingen geht es um das Zuhören, um das Dasein. Manchmal singen wir oder lesen vor“, resümiert Gerda Voss. Sie erlebte es aber auch, dass Sterbende eine Kommunikation über WhatsApp bevorzugten. „Wichtig ist, dass sie sich wohlfühlen“, verdeutlicht sie. Die Dauer der Begleitung ist unterschiedlich, reichte von ein paar Stunden bis zu eineinhalb Jahren. „Es ist ein beglückender Moment, zu spüren, dass es gut ist, dass wir da sind“, freut sich Gerda Voss. Wie verarbeiten die Ehrenamtlichen den ständigen Begleiter Tod? „Wir reden darüber. Wichtig ist, sich zu distanzieren, aber nicht abzustumpfen.“

Zurück bleiben traurige Angehörige – aber nicht allein. „Wir machen das Angebot des Trauercafés“, sagt Gerda Voss. Ein solches gibt es in Wismar und Boltenhagen und bald auch in Grevesmühlen. Brigitta Hilscher und Christiane Meier gründeten im April 2017 ein Trauercafé im Ostseebad. Beide haben Schicksalsschläge hinter sich und wissen, was Trauer bedeutet. „Der Schmerz hört nie auf. Er wird anders, und man lernt, damit zu leben“, sagt Brigitta Hilscher. Jeden ersten Samstag im Monat um 15 Uhr ist das Kirchgemeindehaus Treffpunkt. „Allen Beteiligten tun die Treffen gut, auch uns“, fasst sie zusammen. Es wird geweint, gelacht, sich gegenseitig getröstet – und bewusst gemacht: Das Leben ist endlich.

Britta Borgwald, Koordinatorin Ökumenischer Hospizdienst: „Wir arbeiten derzeit mit 32 Ehrenamtlichen zusammen.“ Quelle: JANA FRANKE
Brigitta Hilscher vom Trauercafé in Boltenhagen: „Der Schmerz hört nicht auf. Er wird anders und man lernt, damit zu leben.“ Quelle: JANA FRANKE

Jana Franke

Sören Fenner (51), Schauspieler und Gründer der Internetplattform Theapolis, lebt seit 2013 in Feldhusen. Zur Kommunalwahl tritt er für die Grünen in Dassow an. Fenner möchte Stadtvertreter werden.

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