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Nordwestmecklenburg Altstoffhandel in Grevesmühlen
Lokales Nordwestmecklenburg Altstoffhandel in Grevesmühlen
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17:45 16.11.2018
Altstoffhandel in Grevesmühlen, Helgo und Katrin Haas (beide 47) im Grünen Weg 8 Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Für die Klassenkasse oder Hilfsprojekte in Afrika und SüdamerikaAltstoffsammlungen waren in der DDR regelmäßiger Bestandteil der Pioniernachmittage. Mit der Wende endete diese Form des Recyclings, denn 30 Pfennig für jedes Kilogramm Altpapier und 20Pfennige für jede Flasche (Weißglas) waren nur dank kräftiger Subventionen möglich. Seit der Wende sorgt der Grüne Punkt dafür, dass zumindest ein kleiner Teil der Rohstoffe wieder in den Kreislauf zurückkehren. Der DDR-Altstoffhandel jedoch war Geschichte.

Bis jetzt. In Grevesmühlen haben Helgo und Katrin Haas (beide 47) nämlich nun einen Altstoffhandel eröffnet. Im Grünen Weg in Grevesmühlen nehmen sie einmal pro Woche – und zwar immer sonnabends von 9 bis 12 Uhr – Papier, Altkleider und Metall an.

Auch wenn der Name an frühere Zeiten erinnert und die Großeltern von Katrin Haas vor der Wende im Questiner Weg eine Sero-Annahmestelle – so hießen damals die Altstoffsammelstellen – betrieben, das System funktioniert doch etwas anders. Für das Kilo Zeitungen gibt es heute fünf Cent, zehn Cent für ein Kilo Altkleider. Die Metallpreise richten sich an der Art des Schrotts. „Leben kann man davon nicht“, erzählt Katrin Haas. Noch nicht. „Aber es werden immer mehr Leute, die ihre Altstoffe zu uns bringen.“

Altstoffhandel in Grevesmühlen, Sindy und Noah Kranich (7) aus Wotenitz geben regelmäßig Papier ab. Quelle: Michael Prochnow

So wie der siebenjährige Noah, der mit seiner Mutter gebündelte Zeitungen zu Katrin Haas in den Container im Grünen Weg bringt. Fünf Euro hat der Grundschüler aus Wotenitz am Ende in der Hand. „Wir machen das regelmäßig“, erzählt seine Mutter Sindy Kranich. „Inzwischen sammelt die ganze Familie, alle zwei Wochen bringen wir die Sachen weg.“

Alle paar Minuten rollt ein Auto vor den Container, die Kunden legen die gebündelten Zeitungsstapel auf die Waage. Helgo Haas schleppt die Bündel nach hinten in den Container, seine Frau Katrin zahlt das Geld aus. Ein wenig provisorisch sieht es noch aus in dem grauen Container, der in einer Seitenstraße des Grünen Wegs steht. Aber das soll sich bald ändern. Wie Helgo Haas, der aus Schleswig-Holstein stammt und Altstoffsammlungen nur aus den Geschichte der Familie seiner Frau kennt, erzählt, stehen sie in Verhandlungen mit der Stadt Grevesmühlen.

Ein Grundstück im Gewerbegebiet Nordwest schwebt ihnen vor. Dort könnte eine professionelle Sammelstelle entstehen. „Wenn alles gut geht.“ Denn wie schwierig das Thema Abfall in Deutschland ist, dass haben die beiden Unternehmer in den vergangenen Monaten erfahren. „Wer denkt, man kann einfach so eine Sammelstelle aufmachen, der ist auf dem Holzweg“, so der 47-Jährige. „Das hat Monate gedauert, ehe wir alle Genehmigungen zusammen hatten, um Müll annehmen und verwerten zu dürfen.“ Das Papier beispielsweise, das im Grünen Weg angenommen wird, geht weiter nach München und wird dort recycelt. „Das Geschäft funktioniert nur, weil die Ware, die wir annehmen und weiterverkaufen, ohne Fremdstoffe geliefert wird“, erklärt Katrin Haas. „Das ist der Unterschied zur Blauen Tonne, dort landen doch oftmals auch so viele andere Stoffe, dass das eigentliche Altpapier am Ende nicht mehr verwertbar ist und doch entsorgt werden muss. Unsere Ware geht definitiv in die Papierfabrik zurück.“

Zum Jahresende haben Katrin und Helgo Haas zusätzlich zum Spenden aufgerufen. Und zwar suchen sie gebrauchte Kleidung, die sie nicht verkaufen, sondern der Tafel und einer Obdachlosenunterkunft in Wismar zur Verfügung stellen wollen.

Flaschen nehmen die beiden Unternehmer (noch) nicht an. Das, so Katrin Haas, sei ziemlich kompliziert. „Das Problem ist, dass es erhebliche Auflagen gibt. Ziel ist es natürlich, dass wir auch solche Rohstoffe annehmen. Aber das ist alles nicht so einfach.“ Dafür läuft das Geschäft mit dem Papier immer besser. Jeden Sonnabend würden neue Kunden vorbeischauen. „Wir sind zuversichtlich, dass es weitergeht und wächst.“

Michael Prochnow

Karl-Ludwig Gädert, Vorsitzender des Handwerker-Seniorenbeirates und ehemaliger Friseurmeister, sponsert vier Linden- und vier Ahornbäume – für ein grüneres Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg), sagt er.

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