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Nordwestmecklenburg Auch im Winter geht‘s für die Rettungsschwimmer in die Ostsee
Lokales Nordwestmecklenburg Auch im Winter geht‘s für die Rettungsschwimmer in die Ostsee
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13:24 09.01.2019
Boltenhagen

Ein Mittwochabend im Januar. Es ist 19.30 Uhr. Das Thermometer zeigt drei Grad Celsius Außentemperatur. Ein Mann und drei Jugendliche überqueren barfuß den Weg vor der Strandklinik Boltenhagen, nur mit einer Badehose bekleidet. „Sie wollen doch nicht etwa in der Ostsee baden gehen?“ Eine Fußgängerin bleibt stehen und mustert die kleine Gruppe skeptisch.

„Brrr, ich fange schon bei diesem Anblick an zu bibbern.“

Pit Gagzow (17) aus Klütz, Kai Neumann (16) aus Kalkhorst, Daniel Bendiks (16) aus Testorf und dessen Vater Frank Bendiks grüßen freundlich und setzen ihren Weg fort. Sie kommen aus der Sauna der Strandklinik, sind also aufheizt und wollen sich im kalten Meereswasser abkühlen. Das gehört zum üblichen Mittwochsprogramm der Mitglieder der DLRG-Ortsgruppe Boltenhagen.

„Kalt? Nö. Der Weg ist nicht das Problem. Nur wenn‘s windig ist, wird es frisch“, berichtet Pit Gagzow, der seit vier Jahren bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft mitmacht und seit zwei Jahren zu den ganz Robusten gehört, die nach der wöchentlichen Ausbildung und der Entspannung in der Sauna in die Ostsee steigen.

Eigentlich sei eine kühle Dusche nach einem Saunagang ja nicht so ungewöhnlich, räumt Frank Bendiks ein. Das Besondere bei der Ortsgruppe sei halt bloß, dass sie dazu ins Meer gingen. Etwa 15 Schritte machen Pit, Kai und Daniel ins Wasser. „Brrr“, ist dann doch aus der Dunkelheit zu hören. „Eigentlich ist nur der Moment des Eintauchens hart“, erklärt Frank Bendiks, der am Strand stehen bleibt und seine Jungs nach einer knappen Minute wieder auf dem Rückweg zur Strandklinik begleitet.

Sein Bruder Ralf Bendiks leitet in der Strandklinik jeden Mittwochabend außerhalb der Badesaison die Ausbildung der Nachwuchs-Rettungsschwimmer. Eine Stunde Theorie, eine Stunde Praxis.

„Zwischen September und April. In der Zeit dazwischen sind wir an der Ostsee im Einsatz“, sagt er. Alles ehrenamtlich. Die Ausbildung der Jugendlichen aus der ganzen Region zähle zu den Kernaufgaben der DRLG. „Wir werben schon Ende Sommer in den Schulen“, fügt Ralf Bendiks hinzu. Während die Jugendlichen in einem Raum der Klinik büffeln, ziehen einige ältere Rettungsschwimmer im Schwimmbad ihre Bahnen. „Sie wollen sich auch in den Wintermonaten fit halten. Eine harte Gruppe aus sechs bis acht Leuten geht nach der Sauna regelmäßig in die Ostsee, egal bei welchem Wetter“, erzählt Ralf Bendiks, der selber zu den „Harten“ gehört. „Letztes Jahr konnten wir nur einmal wegen Eisgang nicht reingehen.“

Für den 51-Jährigen aus Grevesmühlen, der als stellvertretender Leiter der Grevesmühlener Fritz-Reuter-Grundschule arbeitet, bedeutet das Bad in der Ostsee auch „eine gewisse Form der Abhärtung. Es kann sein, dass wir bei solchen Witterungen helfen müssen. Dann sind wir auf diese Situation mental vorbereitet“.

Wer bei Winterwetter zum ersten Mal ins Meer steigt, produziere viel mehr Adrenalin, nehme die Situation ganz anders wahr, könne dadurch aber auch nicht länger im kalten Wasser bleiben. „Bei den jetzigen Temperaturen hat man drei Minuten, dann merkt man, dass die körperlichen Funktionen langsam runterfahren. Als erstes werden die Füße und Hände taub“, schildert Ralf Bendiks. Jeder müsse seine eigene Schwelle ertasten. „Wir gehen immer gemeinsam hin, alleine wäre das zu riskant.“

Nachwuchs gefragt

55 Mitglieder hat die DLRG-Ortsgruppe Boltenhagen. Das jüngste Mitglied ist elf Jahre alt, das älteste 74. Einen großen Anteil nehmen Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren ein. Verstärkung ist willkommen. Jugendliche ab 14 Jahren können einfach zu den Treffen kommen. Informationen erteilt der Ortsgruppenvorsitzende Uwe Burmeister, ☎ 03 88 25/ 2 27 33 oder 01 73/2 04 55 46. Ab 12 Jahren können Kinder schon „Junior-Retter“ werden, drei Jahre später können sie das Rettungsschwimmer-Bronze-Abzeichen erwerben.
Die Treffen finden von September bis April, also außerhalb der Badesaison, wöchentlich von 19 bis 21 Uhr in der Strandklinik Boltenhagen, Ostseeallee 103, statt. In dieser Zeit erhalten die Jugendlichen ihre Ausbildung: eine Stunde Theorie, eine Stunde Praxis. Einige Ältere trainieren in dieser Zeit im Schwimmbad der Klinik oder nutzen die Sauna. Die Klinik stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung. Im Gegenzug übernehmen die Rettungsschwimmer dort gelegentlich Bademeisterdienste.

LN