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Nordwestmecklenburg Aus dem Leben gerissen: Niklas (17) aus Selmsdorf kämpft gegen Leukämie
Lokales Nordwestmecklenburg Aus dem Leben gerissen: Niklas (17) aus Selmsdorf kämpft gegen Leukämie
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18:14 27.09.2019
Niklas mit seinem Pferd. 2018 erkrankte er an Leukämie. Quelle: privat
Elmenhorst

Fieber. Kopf- und Gelenkschmerzen. Abgeschlagenheit. Eine typische Grippe eben. Doch irgendwie wollte sich der Körper von Niklas nicht erholen. Er wurde immer schwächer. Irgendetwas war anders als sonst.

Anlass für seine Mutter, mit ihm noch einmal zum Hausarzt zu gehen. Blutabnahme und auf die Ergebnisse warten. Einen Tag später sollte sie sich in der Praxis melden. Doch dann klingelte wenige Stunden nach dem Arztbesuch ihr Telefon. Die Mitteilung riss der Familie den Boden unter den Füßen weg: Niklas hat Leukämie.

Schmal und blass nach der Chemo

Drei Buchstaben sind es, die das Leben des damals 16-Jährigen komplett auf den Kopf stellen: ALL, das für akute lymphatische Leukämie steht. „Am 28. März 2018 haben wir die Diagnose bekommen“, erinnert sich seine 48-jährige Mutter, die ihren Namen nicht in den Medien lesen möchte. Auch ihr Sohn soll hier und jetzt nicht mit vollem Namen veröffentlicht werden – aber viele kennen den jungen Mann aus der Gemeinde Selmsdorf. Er war ein erfolgreicher Dressurreiter, holte zwei Landesmeister- und zahlreiche Kreismeistertitel.

Mehr als ein Jahr bekommt Niklas nun schon Chemotherapie in Tablettenform, hat mehrere Klinikaufenthalte hinter sich. „Das Problem ist, dass die Chemo nicht nur die kranken, sondern auch die gesunden Zellen kaputt macht“, bedauert seine Mutter. Der heute 17-jährige Schüler ist blass und viel zu schmal für sein Alter. Bei einer Größe von 1,85 Metern wiegt er keine 60 Kilogramm. Und seine Blutwerte sind aktuell nicht im Normbereich, sondern dreimal so hoch, wie sie sein dürfen.

„Habe nur funktioniert“

Dem Tod sagt Niklas entschlossen den Kampf an. Nach einer Thrombose und einer lebensgefährlichen Blutvergiftung musste er im Dezember vergangenen Jahres reanimiert werden. Danach schwächte ihn eine Lungenentzündung. „Was ist, wenn er es damals nicht geschafft hätte“, fragt sich seine Mutter immer wieder.

Die Arzthelferin ist seit der Krebsdiagnose krankgeschrieben. „Bis Dezember habe ich nur funktioniert“, erzählt sie. Jeden Tag sei sie bei Niklas im Krankenhaus gewesen. „Mein Umfeld habe ich nicht mehr wahrgenommen.“ Vor allem bedauere sie, dass ihr zweiter Sohn, er ist zwölf Jahre alt, viel zurückstecken musste. „Es tut mir leid, dass ich mich in der schweren Zeit kaum um ihn kümmern konnte“, gesteht sie.

Leber für immer geschädigt

Niklas besucht seit März wieder die Realschule, wiederholt derzeit die zehnte Klasse, aus der er vor einem Jahr unfreiwillig rausgerissen wurde. Eine Mitschülerin ist Nina Deutschmann. Die 16-Jährige weiß, dass er Vitaminpräparate zum Zellenaufbau benötigt, damit es ihm bald besser geht.

Doch für die gibt es keine offiziellen medizinischen Studien und demzufolge werden die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen. Eine vierstellige Summe hat die Familie von Niklas schon in die Gesundheit ihres Sohnes investiert. Der Leberschaden infolge der Chemo ist irreparabel.

„Wir müssen helfen!“

„Mama und Oma, wir müssen Niklas unbedingt helfen!“ Mit diesen Worten konfrontierte Nina ihre Mutter Liza Deutschmann und ihre Oma Ariane Deutschmann – und sie handeln. Nachdem sie Niklas und seine Familie kennenlernten, entschieden sie, am Sonntag, dem 13. Oktober, auf ihrem Grundstück in Elmenhorst ein Hoffest zu veranstalten.

Für die Gäste wird ab 13 Uhr vieles aufgefahren: eine Tombola (zahlreiche Unternehmen unterstützen mit attraktiven Preisen), Kinderschminken, Ponyreiten, ein Mitmachzirkus mit dem Tigerpark Dassow, Flohmarkt, Kuchenbasar, Kinderspiele.

Wird beim Hoffest dabei sein: die bekannte Pferdetrainerin Maya Johanna Japp. Quelle: Victoria Erdmann

Organisieren konnten Familie Deutschmann und Unterstützer der Familie von Niklas auch Ina Krüger-Oesert und Maya Johanna Japp – Trainerinnen der „Wendy“- und „Bibi und Tina“-Filmpferde. Ein musikalisches Programm werden die Grevesmühlener Musiker Matze Buhse und Andi Ziehn darbieten. Für Essen und Getränke sorgen Holger Sudmann aus Boltenhagen und das Team vom „Zum Klausner“ in Tarnewitz.

Alle Einnahmen gehen an Niklas

Ina Krüger-Oesert, Trainer A klassisch-barockes Reiten, hat ebenfalls ihr Kommen zugesagt. Quelle: Victoria Erdmann

Alle Einnahmen kommen der Familie zugute, um ergänzend zur Chemo alternative Therapien, die nicht von der Kasse getragen werden, zu finanzieren. Eine biologische Ernährung soll die zusätzlichen Giftstoffe reduzieren und die Regeneration beschleunigen.

Um die Belastung durch die Chemo für den Körper besser verträglich zu gestalten, möchte Niklas ergänzende Vitalstoffpräparate einnehmen. Auch wünscht er sich eine spezielle ärztliche Betreuung zusätzlich zur Onkologie.

Das Pferd gibt ihm Halt

Doch das alles kostet Geld. Niklas könnte zur Kur fahren, doch die Krankenkasse übernimmt nur seine Kosten. Für eine Mutter-Kind-Kur ist er zu alt. Er müsste allein fahren. Das möchte er nicht. Vielleicht kann durch die Einnahmen auch eine Unterkunft für die Mutter finanziert werden, hofft Familie Deutschmann.

Auch Matze Buhse (l.) und Andi Ziehn aus Grevesmühlen treten für den guten Zweck auf. Quelle: Dirk Hoffmann

Halt gibt Niklas noch immer sein Pferd, das beim ihm zu Hause lebt. „Nach der schweren Zeit hat er sich einfach vor ihm hingesetzt und ihn angeschaut. Das hat ihm so viel gebracht“, erinnert sich die Mutter. Mittlerweile sitzt Niklas auch wieder selbst auf seinem Vierbeiner.

Info: Auf dieser Internetseite ist es möglich, für die Familie zu spenden.

Von Jana Franke

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