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Nordwestmecklenburg Wie der flinke Finn aus Hanstorf auf einem Autositz das Licht der Welt erblickte
Lokales Nordwestmecklenburg Wie der flinke Finn aus Hanstorf auf einem Autositz das Licht der Welt erblickte
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08:04 28.11.2019
Da hat jemand gut lachen: Finn Jovis hat seinen Eltern Katharina (31) und Marcel Borchardt (35) aus Hanstorf einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Er kam am 10. Oktober auf dem Weg ins Krankenhaus im Familienauto zur Welt. Quelle: Jana Franke
Hanstorf/Grevesmühlen

2.52 Uhr zeigte die Uhr im Familienauto an, als Katharina Borchardt völlig geschockt ihren kleinen Jungen auffing und in ihre Jacke wickelte. Der Mazda, den ihr Ehemann Marcel Borchardt lenkte, befand sich gerade auf Höhe der Shell-Tankstelle am Ortseingang Grevesmühlen aus Richtung Lübeck kommend. Mama entkräftet und Papa ebenso schweißgebadet auf den Straßenverkehr konzentrierend, begrüßte der kleine Finn am 10. Oktober um 2.52 Uhr derweil die Welt mit lautem Geschrei.

Erst eine halbe Stunde zuvor war die Fruchtblase geplatzt. Katharina Borchardt lag in ihrem trauten Heim in Hanstorf in der Gemeinde Stepenitztal im Tiefschlaf, als es geschah. Die Tasche fürs Krankenhaus war vorsichtshalber ein paar Tage zuvor gepackt worden. Nun musste nur noch Oma Katrin Baldeweg, die Mutter von Katharina Borchardt, aus dem Schlaf geholt werden, um bei Matthes (7) und Ella (1) – den beiden anderen Kindern in der Familie – zu bleiben. Aus Grieben brauste sie los und war 20 Minuten später, um 2.40 Uhr, in Hanstorf.

Unterwegs die 112 gewählt

Da die Fruchtblase geplatzt war, legte Marcel Borchardt den Autositz mit Handtüchern aus. Die Wehen waren mittlerweile sehr stark und Mama Kathrina Borchardt ahnte: Das schaffen wir nicht ins Krankenhaus nach Wismar. „Ich habe unterwegs den Notruf gewählt. Wir waren gerade in Höhe Gostorf“, erinnert sich der Verwaltungsfachangestellte. Am Telefon habe man ihm empfohlen, das DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen anzufahren. Eine Kinderklinik oder eine Geburtshilfe gibt es dort nicht. Aber es war die einzige Möglichkeit, sich ärztlich helfen zu lassen. Sie willigten ein und der Kollege in der Rettungsleitstelle kontaktierte den Notarzt in Grevesmühlen.

Als der Mazda Grevesmühlen erreichte, riss Mama Katharina Borchardt Hose und Slip runter – und Finn war da. Damit er nicht auskühlt, wickelte die Kauffrau für Bürokommunikation das Bündel Leben in ihre Jacke. Im Grevesmühlener Krankenhaus angekommen, sind Mama und Finn in den Krankenwagen verlegt worden. Marcel Borchardt durfte noch die Nabelschnur durchschneiden – und dann ging es in Richtung Wismar.

Dank an den Rettungsdienst

Was passiert war, realisierte das Ehepaar erst einige Tage später. „Wir bedanken uns vor allem beim Rettungsdienst in Grevesmühlen“, sagt Marcel Borchardt. Die Schere, mit der er die Nabelschnur durchtrennte, durfte er zur Erinnerung behalten. Und das Auto? Marcel lacht. „Es ist wieder sauber. Ich kam mir ein wenig wie der Tatortreiniger vor“, sagt er.

Maximal einmal im Jahr kommt es vor, dass in die Wismarer Geburtsklinik Kinder eingeliefert werden, die es sehr eilig hatten. Diese erblickten im Krankenwagen oder zu Hause das Licht der Welt. In Grevesmühlen zum Beispiel gab es vor einigen Jahren einen ähnlichen Fall. Iljana – die Tochter von Daniela Teetzen und Robert Möller – wurde am 9. August 2012 auf dem Weg nach Wismar in einer Bushaltestelle an der B 105 im Krankenwagen geboren.

Solch einen Start ins Leben, wie ihn Finn hingelegt hat, gab es allerdings noch nicht in der Region. „Die Geburt unserer Tochter Ella ging schon sehr schnell. Damals habe ich gescherzt, dass wir es beim dritten Kind wohl nicht in die Klinik schaffen werden“, erinnert sich Katharina Borchardt. Niemand ahnte, dass es tatsächlich so kommen würde. Aber vielleicht wollte Finn auch nur seinem großen Bruder Matthes einen Gefallen tun. Der hat nämlich am 11. Oktober Geburtstag – dem eigentlichen Geburtstermin von Finn. Und irgendwie soll doch jeder seinen eigenen Ehrentag haben, oder?

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