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Nordwestmecklenburg Azubis übernehmen die Macht im Krankenhaus
Lokales Nordwestmecklenburg Azubis übernehmen die Macht im Krankenhaus
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19:34 07.03.2019
Herausforderung angenommen: Leon Neumann (20) ist eigentlich im dritten Lehrjahr, übernahm mit anderen Azubis aber das Zepter auf der Station 3 im Grevesmühlener Krankenhaus. Quelle: JANA FRANKE
Grevesmühlen

Manchmal sind es Schicksalsschläge, die einen zu etwas bewegen. Bei Leon Neumann (20) war es 2014 der Unfalltod seines damals 18-jährigen Bruders, der für ihn ausschlaggebend für seine Berufswahl war. Anja Fiebiger (31) hatte vor einigen Jahren das Gefühl, dass ihr verstorbener Vater in ihrem damaligen Heimatort in Hessen nicht richtig behandelt worden war. Sie wollten hinter die Kulissen schauen, wollen anderen Menschen helfen. Und nun stehen sie heute im Schwesternzimmer von Station 3 (Kardiologie) und 4 (Gastroenterologie) und – Moment mal: leiten im dritten Lehrjahr schon eine Station? Ausnahmezustand im DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen. Seit nunmehr vier Jahren ermöglicht die Klinik Krankenpflegern im zweiten und dritten Ausbildungsjahr, an drei Tagen die Macht zu übernehmen. Im Frühdienst sind neben Anja Fiebiger und Leon Neumann auch Vanessa Plate-Evert (19). Ihnen zur Seite stehen die Praxisanleiterinnen Jessica Preuß, Mandy Orlowski, Romy Hegmann und Dana Bielefeld.

Leon steht am Computer und trägt in die sogenannte digitale Patientenakte die Blutdruck-Werte „seiner“ Kranken ein. Seine offene Art und sein sonniges Gemüt lassen schnell erahnen, dass der Köchelstorfer mit dem Herzen bei der Sache ist. Es sei eine schöne Erfahrung, auch mal über den Tellerrand eines Azubis zu schauen. Das Organisieren von Entlassungen und Krankentransporten, eine Visite mit Ärzten, Schichtübergaben und das Delegieren von Aufgaben wären sonst noch nicht drin gewesen.

Schichtwechsel und Übergabe: Azubi Anja Fiebiger geht mit Praxisanleiterin Anja Brandl die Patientenakten durch. Quelle: JANA FRANKE

Es ist Mittagszeit und etwas ruhiger auf Station, da die Patienten gerade essen. Hinter Leon steht Anja Fiebiger und gibt wie er Daten in die Akten ein. Die 31-Jährige hat bereits eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin hinter sich und zehn Jahre in dem Beruf gearbeitet – bis der Tod ihres Vaters ihre Welt auf den Kopf stellte. „Es ist beeindruckend, welche Verantwortung auf einem lastet, wenn man selbst an der ,Front’ ist“, umschreibt sie. Als Azubi habe sie schon viel zu tun, schätzte sie immer ein, „aber die Schwestern noch deutlich mehr“, sagt sie anerkennend, bevor sie mit Anja Brandl die Übergabe macht. Die 35-Jährige leitet die Azubis an, die die Spätschicht übernehmen. Drei Tage Stationsleitung haben die Lehrlinge hinter sich. Der erste Tag sei etwas holprig gewesen, bewertet die Intensivstations-Pflegekraft. „Von Zuruf auf selber denken ist es schon eine Umstellung für die Auszubildenden, aber sie machen es gut“, lobt sie.

Es ist kurz vor 13 Uhr. Leon, Anja und Vanessa, die im Sommer ihre Abschlussprüfung absolvieren, sind seit 6 Uhr auf den Beinen. Eineinhalb Stunden haben sie noch bis Schichtende. Vanessa kontrolliert das Sauerstoffgerät einer Patientin. Viel Arbeit hat sie heute, „aber es ist eine tolle Erfahrung“, freut sich die 19-Jährige, die sich im Fernsehen auch gern mal Arztserien anguckt. Nur seien die teilweise fernab der Realität, gibt sie schmunzelnd zu.

Auf den Zimmern ist Ruhe eingekehrt – der eine Patient liest ein Buch, der andere schaut fern, wieder andere schlafen. Bernd Hoffmann sitzt auf seinem Bett und wartet auf die Entlassung – die neuen Stationsleiter auf Probe kümmern sich um den entsprechenden Brief. „Ich finde es gut, dass das Krankenhaus den Auszubildenden eine solche Möglichkeit bietet. Das ist eine gute Gelegenheit, sich auf die Zeit nach der Lehre vorzubereiten“, sagt der Naschendorf und hält nicht hinter dem Berg, dass sich die Azubis unter den aufmerksamen Augen der Praxisanleiter richtig gut gemacht haben. Na dann: Ein besseres Lob kann es kaum geben. Nun muss das Trio nur noch die Auswertung der Chefs abwarten.

Bernd Hoffmann (78, Patient): "Für die Auszubildenden ist das eine gute Gelegenheit, sich auf die Zeit nach der Lehre vorzubereiten. Ich finde es gut, dass das Krankenhaus das ermöglicht." Quelle: JANA FRANKE
Vanessa Plate-Evert (19, Auszubildende): "Es war eine tolle Erfahrung. Ich habe einen Eindruck bekommen, wie viel Arbeit die Schwestern auf Station haben." Quelle: JANA FRANKE

Jana Franke

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