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Nordwestmecklenburg Baltic Metall in Grevesmühlen meldet Insolvenz an
Lokales Nordwestmecklenburg Baltic Metall in Grevesmühlen meldet Insolvenz an
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17:52 17.12.2019
Das Firmengelände von Baltic Metall in Grevesmühlen. Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft in Grevesmühlen: Baltic Metall hat Insolvenz angemeldet. Beim Amtsgericht Ulm wurde der Antrag durch die beiden Geschäftsführer Armin Luczkowski und Reiko Moeller gestellt. Zum vorläufigen Sachwalter wurde laut Bescheid des Amtsgerichtes Ulm Rechtsanwalt Martin Hörmann bestellt. Seine Aufgabe ist es nun, innerhalb von sechs Wochen die Schulden aufzulisten und das Vermögen des Unternehmens einzuschätzen. Wie hoch die Verbindlichkeiten sind, ist unklar, die Geschäftsführung war nicht zu erreichen. Betroffen sind 115 Beschäftigte in dem Werk im Grünen Weg. Das endgültige Ende des Traditionswerkes soll dieser Schritt jedoch nicht sein. Denn der Antrag wurde für den gesamten Firmenverbund, Baltic Metall gehört zur Bader-Gruppe, gestellt und hat nach Angaben des Unternehmens die Sanierung der gesamten Gruppe zum Ziel. Daher handele es sich auch nicht um ein herkömmliches Insolvenzverfahren, sondern um ein sogenanntes „Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung“, teilt die Bader-Gruppe mit.

Monatelange Kurzarbeit in Grevesmühlen

Bereits seit Monaten herrschte Kurzarbeit in dem Grevesmühlener Unternehmen, wie die Arbeitsagentur in Schwerin mitteilte, sei der Antrag auf Kurzarbeit im April gestellt worden, damals für 126 Mitarbeiter. Die hoffen seitdem Woche für Woche, dass die Auftragslage sich stabilisiert. Wer an welchen Tagen zur Arbeit kommen muss, werde jeweils zu Wochenbeginn festgelegt, heißt es aus der Belegschaft. Die Stimmung sei trotz der Informationen über die bevorstehende Sanierung gut, heißt es weiter. Denn Probleme kennen die Mitarbeiter aus den vergangenen Jahren, allein der Verkauf von der Körber- an die Badergruppe vor mittlerweile drei Jahren sorgte für hefige Diskussionen um den Fortbestand des Grevesmühlener Werkes.

Und das blickt auf eine lange Tradition zurück: 1945 war auf dem Standort eine Präzisionsmaschinenfabrik errichtet worden, später war daraus das Werk III des Klement-Gottwald-Werkes (KGW) Schwerin entstanden, einer der größten Arbeitgeber in der Stadt mit mehreren Hundert Angestellten. Nach der Wende war aus der Zweigstelle des KGW in Grevesmühlen die Baltic Metalltechnik GmbH entstanden, die viele Jahre zur Körber-Gruppe in Hamburg gehörte. Inzwischen zählt der Standort in Grevesmühlen zur bundesweit agierenden Bader-Gruppe.

Immer wieder war die Firma in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem hatte die IG Metall immer wieder Tarifverhandlungen gefordert, die sich angesichts der unterschiedlichen Eigentümer und Betreiber in den vergangenen Jahren immer schwieriger gestalteten.

Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler bedauert die Entwicklung bei Baltic Metall. Allerdings: „Aufgrund der Kurzarbeit in den vergangenen Monaten war diese Entwicklung abzusehen. Aus meiner Sicht liegen die Ursache auch weiter zurück. Es war ein Fehler, dass die Körber AG damals Baltic Metall und Baltic Elektronik verkauft hat.“ Im Nachgang sei es nicht gelungen, aus den alten Aufträgen, die an die Körber AG gebunden gewesen seien, neue Kunden zu binden.

Insolvenzantrag betrifft die gesamte Firmengruppe

Der Insolvenzantrag der Firmenleitung betrifft nach OZ-Informationen nicht nur das Werk in Grevesmühlen. Die Verantwortlichen der Bader-Gruppe aus Senden bei Neu-Ulm haben in Neu-Ulm einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Der Hauptsitz der Firma befindet sich in Senden in Bayern (Landkreis Neu Ulm). Zum Firmenverbund der Bade Holding GmbH gehören laut Indatinfo, einem bundesweiten Dienstleister für Insolvenzverfahren: die Bader GmbH (137 Beschäftigte), der Bader GmbH Gehäusebau, Babenhausen (87 Beschäftigte), der Alvo GmbH Logistik- & Anpassungszentrum, Kamen und Wachau (135 Beschäftigte), sowie die Baltic Metall GmbH in Grevesmühlen (115 Beschäftigte).

Das ist eine Sanierung in Eigenverwaltung

Das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung wurde mit dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) 2012 in der InsO stärker in den Vordergrund gerückt. Mit diesem Verfahren will der Gesetzgeber die Sanierungschancen von Unternehmen in der Krise steigern und die Verantwortlichen in einem Unternehmen dazu bringen, einen notwendigen Antrag frühzeitig zu stellen. Die Geschäftsführung wird durch eigenverwaltungserfahrene Sanierungsexperten ergänzt, um vor allem eine Gleichbehandlung der Gläubiger sicherzustellen und die Fortführung und Sanierung des Unternehmens in diesem Verfahrensstadium zu unterstützen. Damit erhöhen sich die Sanierungsoptionen. Bei einem Verfahren in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und bekommt vom zuständigen Amtsgericht einen „vorläufigen Sachwalter“ zur Seite gestellt, der bestimmte Rechtsgeschäfte genehmigt.

Die Bader-Gruppe befinde sich nach eigenen Angaben in einem umfangreichen Restrukturierungsprozess, um sich auf die Veränderungen der Märkte anzupassen. Aufgrund der schwierigen Lage der globalen Wirtschaft und insbesondere der Automobilindustrie, blieb die Gruppe in 2019 jedoch hinter den Umsatzerwartungen zurück. Wie Indatinfo weiter informiert, wollen die Verantwortlichen über ein Eigenverwaltungsverfahren die laufende Restrukturierung verstärken und haben dafür den Rechtsanwalt Mattias Krämer von der Sozietät Wellensiek als Generalbevollmächtigten in die Eigenverwaltung aller Gesellschaften berufen. „Der Gesetzgeber gibt den Unternehmen mit diesem auf Sanierung ausgelegten Verfahren die Chance, sich nachhaltig zu sanieren“, sagt Krämer. Er wird in den kommenden Wochen gemeinsam mit der Geschäftsführung verschiedene Optionen prüfen und entsprechende Maßnahmen einleiten. „Wir werden den Geschäftsbetrieb in allen Gesellschaften in vollem Umfang weiterführen“, sagt Krämer. „Das Unternehmen und seine Produkte haben einen guten Ruf im Markt. Wir sind zuversichtlich, in den kommenden Wochen und Monaten eine vernünftige Lösung für die Gruppe zu finden“, so Krämer weiter.

Komplexe Produktlösungen aus Metall

Die Bader-Gruppe bietet Produktlösungen aus Blech, Stahl & Edelstahl, darunter Maschinenverkleidungen, Kompaktkabinen, Sondertanks, Schaltschränke, Bedienpulte und Klemmenkästen sowie Sondergehäuse und Speziallösungen von der Entwicklung bis zur Installation. Die Kunden der Gruppe kommen aus mehr als zwölf Branchen: von der Werkzeugmaschinen-Industrie über die Medizintechnik und die Lebensmittelindustrie bis hin zur medialen Informationstechnik. Der Schwerpunkt liegt im Bereich Maschinenbau. Die Gruppe erwirtschaftet mit vier operativ tätigen Gesellschaften in Deutschland und zwei Standorten im europäischen Ausland (Rumänien, Ungarn) mit insgesamt rund 1040 Beschäftigten einen Jahresumsatz von zuletzt rund 75 Millionen Euro.

Von Michael Prochnow

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