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Nordwestmecklenburg Bauhöfe kämpfen gegen Riesen-Bärenklau
Lokales Nordwestmecklenburg Bauhöfe kämpfen gegen Riesen-Bärenklau
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21:04 28.06.2018
Am Klützer Bach wächst jedes Jahr auf einer großen Fläche der Riesen-Bärenklau. Quelle: Fotos: Malte Behnk (2), Michael Prochnow
Klütz/Grevesmühlen/Schönberg

Sie sehen beeindruckend aus, aber sie sind nicht ungefährlich. Die Pflanzen des Riesen-Bärenklau breiten sich im Sommer immer wieder aus. Das Sekret der Pflanzen ist giftig und sorgt bei Berührung der Pflanze in Kombination mit Sonneneinstrahlung für schwere Entzündungen auf der Haut von Menschen. Deshalb versuchen die Kommunen, die Ausbreitung der Pflanze zu verhindern.

Sie sehen beeindruckend aus, aber sie sind nicht ungefährlich. Die Pflanzen des Riesen-Bärenklau breiten sich im Sommer immer wieder aus.

In Grevesmühlen geht der Bauhof rigoros gegen den Riesen-Bärenklau vor. „Es gibt eine Stelle in der Santower Straße in Richtung Gartenanlage, wo die Pflanze jedes Jahr wieder hochkommt“, sagt Manuela Harder, Chefin des Grevesmühlener Bauhofes. „Und deswegen schneiden wir sie ab, bevor sich die Samen verteilen.“ Die Pflanzen werden anschließend vernichtet. Das Problem: „Sie kommen jedes Jahr wieder, weil die Wurzeln in der Erde stecken, da kann man kaum etwas tun.“

Hans-Jürgen Wilken, Chef des Landschafts- und Gartenbauunternehmens Wilken in Schönberg, antwortet auf die Frage, ob der Riesen-Bärenklau in Schönberg und den Ortsteilen der Stadt ein Problem ist:

„Zum Glück noch nicht.“ Die Firma Wilken erledigt seit vielen Jahren die Grünpflege für die Stadt Schönberg. In begrenztem Maß wächst der Riesen-Bärenklau im Gebiet der Stadt Dassow.

Auch im Gebiet des Amtes Klützer Winkel gibt es mehrere Stellen, an denen der Riesen-Bärenklau immer wieder wächst und sich zum Teil auch ausbreitet. „In Hohenkirchen und Redewisch gibt es solche Stellen“, sagt Thomas Zellner vom Ordnungsamt in Klütz. Auch bei Schloss Bothmer und am Ausgang des Ortsteils Niederklütz wächst die aus dem Kaukasus stammende Pflanze, die an Gewässern, Waldrändern und Wegen vorkommt. Eine Fläche am Klützer Bach in Niederklütz scheint komplett mit den weiß blühenden Pflanzen bewachsen zu sein. Ein Stück weiter, auf einer Wiese nah der Straße nach Redewisch, breiten sie sich ebenfalls aus. Dort wächst der Riesen-Bärenklau nah am Fußweg.

„In öffentlich zugänglichen Bereichen werden entweder die Grundstücksbesitzer von uns angeschrieben, dass die Pflanzen entfernt werden sollen, oder wir schicken den Bauhof raus“, so Zellner. Die Bauhofmitarbeiter in Klütz seien geschult, wie sie sich gegen den aggressiven Pflanzensaft schützen können. „Sie arbeiten mit Visier, Atemschutzmaske, Handschuhen und schützender Kleidung“, sagt Zellner. Zudem werde darauf geachtet, die Pflanzen schon im jungen Stadium zu roden, bevor sie Blüten oder Samen ausgebildet haben. Die abgeschnittenen Pflanzenteile müssten dann verbrannt werden, um eine Vermehrung zu verhindern. „Die Pflanze ganz wegzubekommen, ist schwierig“, sagt Zellner. „Man müsste die Wurzeln gründlich ausgraben und den Boden dann pflügen“, erklärt er.

Überall kann das Ordnungsamt aber nicht eingreifen. „Es gibt kein Gesetz, dass eine Behörde auf privatem Grund anordnen könnte, Pflanzen zu entfernen“, sagt Zellner. Es gebe lediglich die Möglichkeit, Grundstücksbesitzer anzuschreiben, um sie für das Thema zu sensibilisieren.

Im Ordnungsamt könne man außerdem nicht alle Standorte des Riesen-Bärenklaus kennen. „Wenn jemandem im öffentlichen Raum solche Pflanzen auffallen, die eine Gefahr darstellen könnten, sind wir über Hinweise sehr dankbar“, sagt Zellner.

Er rät aber auch dazu, sich über den Riesen-Bärenklau zu informieren, da die Verbrennungen sehr schmerzhaft sind. Ein Infoblatt gibt es auf Anfrage im Bürgerbüro der Amtsverwaltung in Klütz.

Wer mit dem Riesen-Bärenklau in Kontakt kommt, sollte die betroffene Stelle mit viel Wasser gründlich abspülen und vor Sonneneinstrahlung schützen. Es sollte auch ein Arzt aufgesucht werden.

Riesen-Bärenklau oder Herkulesstaude

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum), auch Herkulesstaude genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Doldenblütler. Ursprünglich stammt sie aus dem Kaukasus und ist in Europa und Nordamerika eine eingeführte Pflanze, ein so genannter Neophyt.

Gefahr: Der Riesen-Bärenklau bildet Substanzen, die in Kombination mit Sonnenlicht oder auch stärkerem Lampenlicht zu schmerzhaften Quaddeln und Blasen führen, die wie Verbrennungen erscheinen. Die Hautreizungen und Blasen können wochenlang anhaltende nässende Wunden verursachen.

Vorkommen: Der Riesen-Bärenklau wächst an Wald- und Wiesenrändern, an Bachufern und an Ackerbrachen. Die Pflanze wird bis zu drei Meter hoch. Die Samen können vom Wind bis zu 180 Meter weit verbreitet werden. Auch eine Verbreitung über Bäche ist möglich.

Im Jahr 2008 wurde der Riesen-Bärenklau zur Giftpflanze des Jahres gewählt.

Malte Behnk, Jürgen Lenz und Michael Prochnow