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Nordwestmecklenburg Behörden warnen nach Panne vor Trinkwasser
Lokales Nordwestmecklenburg Behörden warnen nach Panne vor Trinkwasser
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23:03 25.02.2015
Durch einen technischen Defekt ist das Trinkwasser in Testorf-Steinfort (Nordwestmecklenburg) möglicherweise kontaminiert worden. 600 Menschen sind betroffen.
Testorf-Steinfort

Was ist los mit dem Trinkwasser in Testorf-Steinfort (Kreis Nordwestmecklenburg)? Für rund 600 Kunden des Zweckverbandes in der Gemeinde südöstlich von Grevesmühlen gibt es seit Dienstagabend die Anweisung, das Wasser abzukochen, bevor es verwendet wird. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagt Mathias Peters, Betriebsleiter beim Zweckverband. „Ein Labor untersucht im Moment die Wasserproben, die Ergebnisse erhalten wir am Freitag.“ Das Gesundheitsamt des Landkreises ist inzwischen ebenfalls eingeschaltet worden. Auslöser ist ein technischer Defekt in einem Landwirtschaftsbetrieb (Milchviehanlage) in Testorf-Steinfort.

Es handelt sich dabei um eine „Verkettung einiger unglücklicher Umstände“, wie Jens Bothmann vom Landwirtschaftsbetrieb in Testorf-Steinfort erklärt. Knapp 100<TH>Kubikmeter Wasser wurden aus dem internen Wasserkreislauf des Betriebes in das öffentliche Netz gedrückt. Was theoretisch gar nicht möglich sein sollte. Laut Zweckverband sind eigene Brunnenanlagen wie bei diesem Landwirtschaftsbetrieb durchaus üblich. „Aber sie müssen getrennt vom öffentlichen Trinkwassernetz sein“, sagt Mathias Peters. „Hier gab es jedoch noch eine alte Verbindung, durch die das Wasser ins öffentliche Netz gelangt ist.“

Weiterlesen: Testorfer sorgen sich um ihr Trinkwasser

„Die Anlage ist 15 Jahre alt, ich wusste nicht, dass so etwas möglich ist“, sagt Jens Bothmann. „Hinzu kam, dass die Firma, die die Anlage betreut, neue Monteure geschickt hat.“ Die hatten offenbar die Leistung der hauseigenen Pumpe so erhöht, dass der Druck ausreichte, um Wasser ins öffentliche Netz zu spülen. „Das darf nicht sein, dass wissen wir auch. Die Anlage wird jetzt so umgebaut, dass das künftig nicht mehr passieren kann.“

Ans Tageslicht gekommen war die Havarie, weil der Zweckverband seit einiger Zeit digitale Wasserzähler bei Großkunden installiert. Die Anlage schickt per Internet die Daten an den Verband. Dabei kam heraus, dass bei dem Testorfer Landwirtschaftsbetrieb plötzlich der Zähler rückwärts lief. „Wir haben dann sofort reagiert“, so Mathias Peters.

Unklar ist, ob das Wasser, das durch den Betrieb ins öffentliche Netz eingespeist worden ist, verunreinigt ist. Laut Mathias Peters handelt es sich bei der Untersuchung um eine reine Routinemaßnahme bei einem solchen Vorfall. Das hat der Verband auch den Anwohnern in der Gemeinde mitgeteilt.

Der biologischen und chemischen Untersuchung des Wassers durch ein Labor sieht Jens Bothmann indes gelassen entgegen. „Wir haben eine eigene Chlordioxid-Anlage, um das Brunnenwasser zu desinfizieren. Insofern dürfte alles in Ordnung sein. Bei der letzten Untersuchung war alles bestens.“ Allerdings hat der Landwirt Verständnis für die Reaktion durch den Zweckverband. „Das ist normal, dass alles untersucht wird. Am Freitag wissen wir mehr.“

Von der Anlage des Landwirtschaftsbetriebes geht derzeit keine Gefahr mehr aus. Wie Mathias Peters mitteilte, wurde der Kreislauf des Unternehmens unmittelbar nach Bekanntwerden der Havarie vom Trinkwassernetz getrennt. Dafür wurde der Wasserzähler ausgebaut.

Von Michael Prochnow