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Nordwestmecklenburg Bequem zur Arbeit: Leasing-Räder im Kommen
Lokales Nordwestmecklenburg Bequem zur Arbeit: Leasing-Räder im Kommen
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21:51 19.07.2018
Unterstützt bei der Suche nach einem Dienstrad: Christin Thurow vom gleichnamigen Fahrradgeschäft. Helme gibt es gleich dazu. Unternehmen, die das Leasingmodell anbieten, arbeiten mit Leasinggesellschaften zusammen, die wiederum mit Partnern wie Christin Thurow. Quelle: Foto: Franke
Grevesmühlen/Wismar

Der Seehafen Wismar macht es, Ilim Timber und die Eggerwerke in der Hansestadt auch und die Stadtwerke in Grevesmühlen ziehen ebenso mit. Immer mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, Dienst-Fahrräder zu leasen und schließen entsprechende Verträge mit ihnen ab.

Firmen bieten Mitarbeitern das Modell an – Nachfrage steigt.

Bei den Stadtwerken in Grevesmühlen steckt die Idee erst in den Kinderschuhen, eine entsprechende Kooperation mit dem Fahrradunternehmen Thurow in Grevesmühlen ist ganz frisch. Die Stadtwerke machen das nicht ganz ohne Hintergedanken. „Das Dienstfahrrad soll Mitarbeiter binden und steigert die Mitarbeiteridentifikation mit unserem Unternehmen“, begründet Stadtwerke-Chef Heiner Wilms. Außerdem unterstütze es die Fitness der Mitarbeiter und sei gleichzeitig umweltschonend. Das Unternehmen bietet auch Kunden seit geraumer Zeit Elektrofahrräder zum Testen an. „Die werden vermehrt für Dienstzwecke im Ort genutzt. Das hat auch das Interesse der Mitarbeiter geweckt“, erläutert er die Idee der Leasingräder.

Gesundheitsförderung der Mitarbeiter ist auch beim Holzunternehmen Ilim Timber vom Wismarer Haffeld in erste Linie der Grund für das Modell, das seit Juni angeboten wird. „Das Interesse ist vorhanden. Rund 30 Verträge wurden bereits abgeschlossen“, sagt Werkleiter Christoph Zöchling. Knapp 20 Prozent der Belegschaft wolle das Angebot nutzen. „Das Fahrrad ist bei kürzeren Wegen eine gute Alternative zum Auto“, ergänzt er. Mitarbeiter, die in der Altstadt, am Friedenshof und Ostseeblick wohnen, brauchen kaum länger als für die Fahrt mit dem Auto. Mit zunehmendem Verkehr und den Bauarbeiten in der Poeler Straße mit Vollsperrung für Autos im nächsten Jahr dürfte das Rad an Bedeutung gewinnen. Weiterer Vorteil: Dem Parkplatzmangel auf dem Firmengelände wird damit begegnet.

Das Modell funktioniert über die sogenannte Entgeltumwandlung: Die Leasingrate wird direkt vom Bruttogehalt abgezogen. Leasingnehmer ist der Arbeitgeber, der dem Mitarbeiter das Rad anbietet. Das Grevesmühlener Fahrradgeschäft Thurow informiert in Flyern, dass Mitarbeiter durch die Gleichstellung des Dienstrades mit einem Dienstwagen von den Steuervorteilen der 1-Prozent-Regelung profitieren.

Der geldwerte Vorteil, der dem Arbeitnehmer durch die Bereitstellung des Fahrrads entsteht, muss mit einem Prozent des Bruttopreises versteuert werden. Nach Ende der Vertragslaufzeit kann das Rad zum Restwert von 18 Prozent gekauft oder ein neuer Vertrag abgeschlossen werden.

André Mack ist von dem Modell überzeugt. Der Mitarbeiter der Egger-Werke in Wismar hat sich über diesen Weg ein hochwertiges Mountainbike zugelegt. Mack: „Ich denke, damit kann man nichts verkehrt machen. Es ist eine gute Gelegenheit, um an ein gutes Rad zu kommen.“ Egger bietet das Modell seinen rund 900 Mitarbeitern seit Mai 2017 an. Seitdem wurden 168 Verträge geschlossen. Davon 60 für Fahrräder und 108 für E-Bikes. „Die Kaufsumme für alle Räder beläuft sich auf 371 000 Euro“, fasst Finanz-Geschäftsführer Jürgen Buck zusammen. Damit kostet ein geleastes Rad von Egger-Beschäftigten rund 2200 Euro.

Den Trend zum höherwertigen Rad bestätigt Carsten Kopec von Mobil Bikes in Gägelow. Und: „Wer ein geleastes Fahrrad hat, fährt auch viel“, hat der Fahrradhändler beobachtet. Das bestätigt Christin Thurow, Geschäftsführerin des gleichnamigen Fahrradgeschäfts in Grevesmühlen. „Die Mitarbeiter, die das Leasingangebot nutzen, können ihr Wunschrad auswählen“, sagt sie. Denn die Unternehmen arbeiten mit Leasinggesellschaften zusammen, die wiederum mit Leasingpartnern wie ihrem Geschäft. Nach ihren Angaben können die Mitarbeiter 20 bis über 30 Prozent gegenüber einem selbst gekauften Rad sparen.

Eine Versicherung sei Standard und werde vom Arbeitgeber getragen, sagt die 34-Jährige, die eine Reihe von Vorteilen beim Dienstrad sieht: Das betriebliche Gesundheitsmanagement werde gefördert, die Mitarbeiter-Bindung gestärkt, die steuerliche Abgabenlast könne gesenkt werden. Und: Pro Mitarbeiter können zwei Räder geleast werden. Bei Egger in Wismar zum Beispiel haben 50 Beschäftige von der Möglichkeit der Pärchenräder Gebrauch gemacht.

Der Seehafen Wismar bietet Radleasing seit dem Frühjahr an. Nach Angaben von Personalchef Jan Kelling hätten von 180 Mitarbeitern schon 31 von der Möglichkeit Gebrauch gemacht. Häufig würden Räder zwischen 2000 und 3000 Euro gekauft, sagt er, darunter viele E-Bikes. Ob es für Arbeitnehmer am Ende ein lohnendes Geschäft ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Zu den Kritikern des Models zählt Verdi. Die Gewerkschaft lehnt Modelle der Entgeltumwandlung ab. Ungeachtet dessen sind bundesweit mehr als 200000 geleaste Diensträder unterwegs.

Beispiele

Egger hat für die Mitarbeiter einen Flyer mit einer Beispielrechnung erstellt. Bruttoeinkommen 2800 Euro, Kaufpreis Rad einschließlich Versicherungspaket 2328,44 Euro. Danach spart der Arbeitnehmer über die Gehaltsumwandlung 32 Prozent zum Barkauf beim Fachhändler

(Laufzeit 36 Monate).

Im Fahrradgeschäft „Mobil Bikes“ in Gägelow gibt es für Kunden einen Vorteilsrechner. Beispiel: Das Rad kostet 2500 Euro, Laufzeit des Vertrages 36 Monate. Das Beispiel beinhaltet das Versicherungspaket, geht von 2300 Euro Monatsgehalt und Steuerklasse IV aus. Die

monatliche Leasingrate inklusive der Versicherung beträgt 73,03 Euro. Die tatsächliche Nettobelastung beläuft sich auf 44,50 Euro. Ersparnis gegenüber dem Direktkauf 786,40 Euro bzw. 27,7 Prozent.

Infos unter www.bikeleasing-service.de/

vorteilsrechner

Heiko Hoffmann und Jana Franke