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Nordwestmecklenburg Ein A-20-Baby, Pannen bei der Dünenpromenade und vieles mehr – so war 2020 in und um Grevesmühlen
Lokales Nordwestmecklenburg

Best of 2020: Die bewegendsten Geschichten zwischen Boltenhagen und Grevesmühlen

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09:00 31.12.2020
Anja (38) und Benny Latte (44) mit ihrer dritten Tochter Amanda. Sie kam am 4. August auf einem Rastplatz an der A 20 zur Welt.
Anja (38) und Benny Latte (44) mit ihrer dritten Tochter Amanda. Sie kam am 4. August auf einem Rastplatz an der A 20 zur Welt. Quelle: GVM
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Grevesmühlen

Fangen wir doch mit der schönsten Geschichte an, die 2020 die meisten Leser bewegt hat. Der Artikel über das A 20-Baby hat mit die größte Aufmerksamkeit erregt. Denn wie die Familie Ladde aus Harmshagen ihr drittes Kind bekam, das war nicht nur außergewöhnlich, das war einfach eine berührende Geschichte mit einem Happy End.

Anfang August machte sich die Familie von Nordwestmecklenburg auf in Richtung Rostock zur Entbindung. Doch dann passierte das, was nicht passieren soll. Eine zu frühe Geburt, Stau auf der Autobahn und weit und breit keine Abfahrt in Sicht.

Am Ende kam die kleine Amanda am 4. August auf dem Rastplatz Quellental zur Welt, der Notarzt kam mit dem Hubschrauber und Papa Benny ist jetzt offizieller Geburtshelfer.

Galerie: Das Jahr in Bildern

Breitband in NWM, Grevesmühlener Produkte in aller Welt, ein umstrittenes Windrad

Gemeinde Boltenhagen setzt Kurdirektorin vor die Tür

Weniger Grund zur Freude hat in diesem Jahr Boltenhagens Noch-Ex-Kurdirektorin Claudia Hörl gehabt. Seit acht Jahren im Amt wurden ihr die zahlreichen großen und kleinen Mängel und Änderungen beim Bau der Dünenpromenade zum Verhängnis.

Der Anfang vom Ende: Claudia Hörl beim Spatenstich zur Dünenpromenade. Quelle: Archiv

Unmittelbar vor Beginn der Saison 2020 kündigte Bürgermeister Raphael Wardecki sie im Auftrag der Gemeindevertreter. Es folgte eine öffentliche Schlammschlacht, die vor wenigen Wochen (vorerst) mit einem Termin vor dem Arbeitsgericht endete. Claudia Hörl erhält 27 500 Euro, gefordert hatte sie 50 000 Euro, ihr Arbeitsvertrag endet Ende März 2021 nachdem die Gemeinde die fristlose in eine ordentliche Kündigung umgewandelt hatte. Und in ihrem Arbeitszeugnis steht sinngemäß, dass sie alle Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit erledigt habe.

So ganz beendet ist die Kommunikation zwischen Boltenhagen und Claudia Hörl allerdings nicht. Die Gemeinde denkt über Schadenersatzforderungen nach, weil bei der Planung der Dünenpromenade einiges schief gelaufen sei.

Pannen über Pannen bei der Dünenpromenade

Apropos: Am mehr als zwei Kilometer langen Bauwerk, das direkt auf der Düne entlangführt, scheiden sich nach wie vor die Geister. Mal abgesehen davon, wer wann welche Entscheidungen getroffen hat, die Baustelle hat es sogar in diverse Satireformate in Funk und Fernsehen geschafft. Erst standen die Hütten für die Rettungsschwimmer auf der falschen Seite, dann stellte man fest, dass die neue Promenade – upps – 40 Zentimeter höher ist als die Seebrücke, an die sie angeschlossen werden soll.

Immer noch nicht fertig: Die Dünenpromenade in Boltenhagen. Quelle: Archiv

Derlei Pannen gibt es noch etliche. Und ob zur neuen Saison die Strandkorbvermieter und Rettungsschwimmer tatsächlich ihre neuen Unterkünfte beziehen werden, steht in den Sternen.

Vize-Landrat im Visier der Staatsanwaltschaft

Mehr zum Thema Ärger: Weil Nordwestmecklenburgs Vize-Landrat im Sommer auf der A 24 eine Autofahrerin rechts überholt und in die Leitplanke gedrängt haben soll, ermittelte die Staatsanwaltschaft. Privatsache? Leider nein, denn der Chef der Ordnungsbehörde des Landkreises musste nicht nur seinen Führerschein wochenlang abgeben, er ging auch mit den Informationen über den Vorfall äußerst spärlich um.

Vize-Landrat Mathias Diederich musste zeitweise seinen Führerschein abgeben. Quelle: Archiv

Am Ende sorgte ein anonymer Brief dafür, dass die Öffentlichkeit und die politischen Freunde und Wegbegleiter Wind von der Sache bekamen. Diederich, lange Zeit als möglicher Kandidat für die Landratswahl im April 2021 gehandelt, zog seine Bewerbung zurück.

Inzwischen wurde das Verfahren gegen Zahlung von 1500 Euro eingestellt, das Innenministerium prüft nun, ob diszplinarrechtliche Schritte eingeleitet werden müssen.

Paradiesvogel aus Köln strandet im Nordwestkreis

Eine Geschichte, die ebenfalls viele Menschen interessiert hat, war der Artikel über Heinz Hemmersbach. Die Geschichte des 60-Jährigen klingt nach einer wilden Odyssee. Von Köln aus wollte er nach eigenen Angaben nach Gran Canaria auswandern, am Ende landete er in Trittau, dann in einer Obdachlosenunterkunft in Wismar. Dann strandete in einer selbst gebauten Unterkunft am Strand in Zierow, später zog er an die Wohlenberger Wiek.

Heinz Hemmersbach aus Köln landete in Nordwestmecklenburg. Quelle: Archiv

Aus seiner Sicht seien die Dinge alle etwas seltsam gelaufen, hat er im Interview berichtet. Er habe sich jedenfalls nie etwas zu Schulden kommen lassen. Grundsätzlich sei er wohl missverstanden worden, wenn es mal wieder Ärger gab. Und den gab es reichlich, ob auf dem Zeltplatz in Zierow, wo mehrmals die Polizei anrücken musste oder an anderen Orten.

Welche Versionen seiner Geschichten am Ende stimmen, ist schwer zu sagen. Aber den Artikel über den Paradiesvogel wollten etliche Menschen lesen.

Großbrand in der Molkerei sorgt für Millionenschaden

Der wohl folgenschwerste Brand in der Geschichte der Upahler Arla-Molkerei ereignete sich Mitte November. In einem Serverraum war in der Nacht zum 18. November ein Feuer ausgebrochen. Bis heute ist unklar, warum die Meldung über den Notfall mit erheblicher Verspätung nach außen drang.

Nichts ging mehr nach dem Feuer am 18. November bei Arla in Upahl, die Produktion stand still. Quelle: Archiv

Als die Feuerwehren, die mit rund 70 Leuten über mehrere Stunden im Einsatz waren, anrückten, brannte es bereits lichterloh in dem Technikraum. Die Folge war ein Komplettausfall der Produktion, die erst wieder zu Weihnachten vollständig hochgefahren wurde.

Der Schaden im Werk beläuft sich nach Konzernangaben auf bis zu sechs Millionen Euro. Die Brandursache ist bislang unklar.

Stürme an der Küste sorgen für beeindruckende Bilder

Die Sturmflut im Oktober 2020 sorgte für etliche Feuerwehreinsätze und beeindruckende Bilder, in Boltenhagen musste zeitweise die Straße nach Redewisch gesperrt werden, weil die Wellen dort über die Fahrbahn schlugen.

Schaulustige an der Küste zwischen Boltenhagen und Redewisch. Quelle: Archiv

Zahlreiche Schaulustige kamen an die Strände, um sich das Naturschauspiel anzusehen, das glücklicherweise zwar jede Menge Seegras an den Stränden aber nur wenige Schäden hinterließ.

Grevesmühlen macht Weg frei für den Schulcampus

Die Stadt Grevesmühlen ist ihrem Mega-Projekt, dem Schulcampus, ein großes Stück näher gekommen. Für mehr als 30 Millionen Euro soll in den nächsten fünf Jahren zwischen Ploggenseering und der Bürgermeisterwiese ein Campus entstehen, der nicht nur mehrere Schulformen verbindet, sondern Lernen und Arbeiten auf eine neue Stufe stellt. Die Weichen dafür sind gestellt, die Planungen sind auf einem guten Weg.

Hier soll der Schulcampus entstehen. Quelle: Archiv

Im nächsten Jahr sollen die ersten Arbeiten beginnen, 2025 könnte – wenn alles nach Plan läuft – der Schulcampus fertig sein.

Die Newcomer des Jahres: Gleis 4

Auch wenn die geplanten Auftritte in 2020 reihenweise ausfielen, für die Grevesmühlener Band Gleis 4 war das zweite Jahr ihres Bestehens eines der erfolgreichsten. Zu Jahresbeginn brachten sie ihre erste CD heraus, vor wenigen Wochen erschien die zweite CD und damit das erste richtige Studioalbum. Eine Mischung aus Rock und Country mit deutschen Texten hat nicht nur die Menschen in der Region überzeugt, die Fangemeinde wächst. Ihren Probenraum haben Maik Reschke, Daniel Wiesjahn, Marco Retzlaff und Andreas Voß im Keller des Bahnhofsgebäudes, natürlich stilecht mit sofa, Bierkisten und jeder Menge Backsteinflair. Ihren Bandnamen haben sie übrigens auch vom Bahnhof – auf Gleis 4 hat sich die Truppe kennengelernt.

Von Michael Prochnow