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Nordwestmecklenburg Betrüger tarnen sich als Handwerker: Falsche Schornsteinfeger auf Beutezug
Lokales Nordwestmecklenburg Betrüger tarnen sich als Handwerker: Falsche Schornsteinfeger auf Beutezug
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08:20 18.11.2014
Falsche Schornsteinfeger sind in Nordwestmecklenburg unterwegs. Quelle: Fotolia
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Grevesmühlen

Einer der jüngsten Fälle ereignete sich am Freitag gegen 13.30 Uhr in Hindenberg bei Rehna. Dort haben die Täter bei einer 93-jährigen Frau geklingelt und vorgegeben, die Heizung kontrollieren zu wollen. Später stellte die Seniorin fest, dass ihr 200 Euro fehlten.

Am selben Tag gegen 15 Uhr stellten sich die beiden Männer in Kasendorf bei Gadebusch einer 82-jährigen Frau vor und gaben vor, die Messwerte der Heizung zu kontrollieren. Für ihren fünfminütigen Aufwand forderten sie 50 Euro. Die beiden Männer sind circa 1,75 bis 1,80 Meter groß. Einer wurde als schlank mit kurzen rötlichen Haaren beschrieben, der andere als kräftig mit schwarzen Haaren. Sie nutzten einen weißen VW Caddy mit NI-Kennzeichen und Schornsteinfegerlogo. Das Fahrzeug wurde in Botelsdorf bei Veelböken von einem Zeugen gesehen und der Polizei gemeldet.

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Bereits im Oktober sind die Betrüger in Schwarz in Mecklenburg aufgefallen. So hat eine Gruppe von etwa fünf Männern in Schornsteinfegermontur am 27. Oktober ein älteres Ehepaar in Zierow überlistet. Während ein Mann so tat, als würde er die Heizung kontrollieren, durchsuchten die anderen die Räume und erbeuteten Wertgegenstände. Nur eine halbe Stunde nach der Tat in Zierow wurde eine 79-jährige Frau in Upahl Opfer der Betrügerbande. Am 15. Oktober fiel ein 82-Jähriger in Gadebusch auf einen falschen Schornsteinfeger herein, der ihn um mehrere hundert Euro erleichterte. „Es ist zu vermuten, dass die Täter gezielt ältere Leute aussuchen“, sagt Polizeisprecher André Falke. „Möglicherweise werden die Opfer vorher ausgekundschaftet.“

Ingo Ziola, Landes-Schornsteinfeger-Innungsmeister, findet es „beängstigend, wie gutgläubig die Leute sind“. Er rät, sich von vorgeblichen Schornsteinfegern in jedem Fall den Ausweis zeigen zu lassen. In der Regel sei den Kunden der für den jeweiligen Bezirk zuständige Schornsteinfeger bekannt. „Für hoheitliche Tätigkeiten wie die Feuerstättenschau oder die Ausstellung des Feuerstättenbescheids gibt es feste Gebühren.“ Diese Tätigkeiten dürften auch nur durch den sogenannten bevollmächtigten Schornsteinfegermeister verrichtet werden. Im Feuerstättenbescheid sei festgelegt, welche Arbeiten der Kunde in welchem zeitlichen Rhythmus veranlassen muss. „Ein Kohleschornstein mit Kamin muss zum Beispiel einmal jährlich gefegt werden. Öfen, die während der gesamten Heizperiode genutzt werden, dreimal im Jahr“, führt Ziola aus. „Der Kunde muss nur die Arbeiten beauftragen, die im Bescheid stehen.“ Darüber hinaus gebe es aber auch sogenannte freie Tätigkeiten wie Kehren und Messen, für die ein beliebiger Betrieb beauftragt werden kann. Ziola rät, sich nicht von billigen Preisen locken zu lassen, sondern sich vielmehr unbedingt einen Nachweis über einen Eintrag in die Handwerksrolle zeigen zu lassen. Denn: Bevor ein Kunde überhaupt einen Auftrag veranlasse, „sollte er sich erkundigen, ob der Schornsteinfeger eine Zulassung hat.“

Neben den Betrügern machen auch Einbrecher die Region unsicher. Die Polizei ermittelt nach einem Einbruch in ein Einfamilienhaus in Herrnburg, bei dem am 13. November mehrere Gegenstände entwendet wurden. Am 9. November drangen Unbekannte in ein Einfamilienhaus in Upahl.

Hinweise gesucht
Die Polizei bittet um Hinweise: Wer kann Angaben zu den Tätern machen? Wer hat den weißen VW Caddy mit NI-Kennzeichen und Schornsteinfegerlogo gesehen? Hinweise an die Polizei in Gadebusch (☎ 03886/7220) oder Wismar (☎ 03841/2030) oder jede andere Polizeidienststelle.



Die Handwerkskammer Schwerin (☎ 0385/74170) bietet eine Handwerkersuche unter allen Mitgliedsbetrieben an: www.hwk-schwerin.de

Ulrike Oehlers