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Nordwestmecklenburg Börzowerin drehte Film in Los Angeles
Lokales Nordwestmecklenburg Börzowerin drehte Film in Los Angeles
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13:42 18.04.2019
Die Regisseurin Christin Freitag, Jahrgang 1984, wurde in Grevesmühlen geboren. Aufgewachsen ist sie in Börzow, einem Dorf nahe der nordwestmecklenburgischen Kleinstadt. Quelle: Annett Meinke
Grevesmühlen

Wenn Christin Freitag (35) von Heimat spricht, meint sie zwei Orte – Nordwestmecklenburg im Allgemeinen und Los Angeles in Kalifornien im Speziellen. Berlin, wo die Regisseurin derzeit noch lebt, ist für sie nur eine Art Durchgangsort: „Dort zu leben, eher Mittel zum Zweck“, wie sie sagt. Studiert hat Freitag an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB), die als eine der renommierten Filmschulen Deutschlands gilt.

Ihr Akademie-Abschlussfilm „Let the bell ring“ wurde in Los Angeles gedreht. Protagonisten sind Amateurboxer, die hart dafür trainieren, eines Tages im Profi-Geschäft mitzumischen. Freitag und ihr Team waren monatelang und immer wieder in der kalifornischen Stadt unterwegs.

Der 90-minütige Dokumentarfilm wird am 1. Mai und am 3. Mai auf dem 29. Filmkunstfestival in Schwerin gezeigt. Internationale Premiere feierte er bereits auf dem Zürich Film Festival, Herbst 2018.

Filmkunstfest Schwerin

Das 29. Filmkunstfest Schwerin findet vom 30. April bis zum 5. Mai in Schwerin statt. An vier Wettbewerben und sieben nicht-kompetitiven Festivalreihen nehmen insgesamt 74 lange und 46 kurze Filmen aus 23 Ländern teil. Es gibt 14 Uraufführungen und 19 deutsche Premieren. Gastland ist in diesem Jahr Irland, der Kartenvorverkauf startet am 23. April.

Der Dokumentarfilm „Let the bell ring“ (Lass die Glocke läuten) von Christin Freitag, im Original mit deutschen Untertiteln wird am Mittwoch, den 1. Mai, um 21.45 Uhr im Kino 4 aufgeführt (dauert bis 23.15 Uhr) und am Freitag, den 3. Mai im Kino 2, ab 19.30 Uhr bis 21 Uhr.

Träume, die wahr werden können

In „Let the bell ring“ geht es vordergründig um Boxen und den Traum, damit Karriere zu machen. Da ist Malcolm McAllister, der das Amateur-Turnier verliert, dass die Eintrittskarte zu den Profis liefern soll und weitertrainiert, bis an seine Grenzen. Es geht um andere Boxer, die im gleichen Gym trainieren: Jessie White, Ashton Sylve, Sincere Brooks, Adolph Pruitt.

Foto aus dem Film „Let the bell ring“ von Christin Freitag. Gedreht wurde mit Protagonisten aus Los Angeles in Kalifornien. Quelle: Christin Freitag

Letztlich aber geht es vor allem um Träume in Los Angeles, – dieser Stadt, die von Hollywood bis Ghetto alles an Schattierungen in sich in birgt. Träume, die wahr wurden, – wie der des Boxers Lamon Brewster, der 2003 gegen Vladimir Klitschko gewann, der auch im Film auftritt. Träume, die nicht wahr wurden, vielleicht aber noch wahr werden können.

Es geht auch darum, dass die Stadt der Engel jedem, der ihr treu bleibt, das Weiterträumen erlaubt, indem sie ihm Morgen für Morgen zuruft: „Das hier ist ein magischer Ort. Arbeite hart, bleib dran. Von einen Tag auf den anderen kann plötzlich alles ganz anders sein.“

„Schon lange, bevor ich zum ersten Mal nach Los Angeles flog, habe ich gespürt, dass da irgendwas ist. Ich wusste, ich muss unbedingt diese Stadt und ihre Menschen kennenlernen,“, erzählt Freitag. Sie spricht mit leiser Stimme. Vor dem Licht an diesem Nordwestmecklenburger Frühlingstag schützt sie sich mit ihrer Brille.

Christine Freitag während des Gesprächs am Grevesmühlener Bahnhof. Quelle: Annett Meinke

Es mag etwas klischeehaft anmuten, für ein Gespräch mit Christin Freitag in Nordwestmecklenburg, den Bahnhof von Grevesmühlen zu wählen. Doch es findet sich kaum ein besserer Ort als das Café Kaffeebrenner, mit seiner Außenbestuhlung genau an den Gleisen – das dort existiert, seitdem das Gebäude seine ursprüngliche Funktion komplett verlor und zum Bürgerbahnhof mit Jugendzentrum, Café, Veranstaltungs- und Kinoräumen wurde.

Geboren wurde Christin Freitag, die in ihrer Schulzeit auch bei der Ostsee-Zeitung als Fotografin und Journalistin gejobbt hat, in Grevesmühlen. Aufgewachsen ist sie in Börzow, einem Dorf nicht weit entfernt.

Der Strand, sagt wie, wäre noch eine Option für ein Gespräch gewesen. Sie liebt die nahe Ostsee. Ebenso ihre Freunde aus Grevesmühlener Gymnasiums-Tagen, die sie heute noch als ihre „wichtigsten Freunde“ bezeichnet. Mit denen sie sich regelmäßig trifft, wenn sie da ist, nicht nur zum Lagerfeuer am Strand.

„In ’Let the bell ring’ spiegelt sich ein Thema wieder, das mir wichtig ist, – Freundschaft.“, sagt sie. „Malcolm will ein großer Boxer werden, und er hat Menschen um sich, die ihn inspirieren, ihn auf seinem Weg begleiten, ihn auch pushen.“ Auch sie ist, bekennt sie, meist weniger zufrieden, mit dem, was sie erreicht hat, als dass sie immer wieder denkt: „Es müsste doch noch viel mehr gehen.“

Sauberes Handwerk, künstlerische Qualität

Dabei hat sie auf dem hart umkämpften Filmmarkt, – in den die Filmschulen Deutschlands Jahr für Jahr neue, talentierte Jung-Regisseure entlassen –, schon einiges gerissen. Mit einem Kurzfilm, den sie während ihres Studiums drehte, hat sie in 2012, gemeinsam mit Co-Regisseurin Hanna Mayser, den Deutschen Kurzfilmpreis gewonnen.

Mit„Let the bell ring“ wurde sie auf das 14. Zurich Film Festival und zum Filmfestival Max Ophüls Preis 2019 in Saarbrücken eingeladen. In Saarbrücken gewann der Film einen Preis für seine Musik, 30 Tracks begleiten die Protagonisten aus Los Angeles beim Kämpfen und Träumen. Auch für die First Steps Awards der Berlinale war der Dokumentarstreifen nominiert.

Eine Kritik von einem Züricher Kinobesucher, die man im Internet auf der Festival-Seite nachlesen kann, bescheinigt dem Film, dass er wie ein „Spielfilm daherkommt, sehr sauberes Handwerk in Kamera, Schnitt und Sound liefert, ohne seine hohe, künstlerische Qualität zu verlieren.“

Spielfilm ist, was sie interessiert

Spielfilme machen, ist das, was Christin Freitag am meisten interessiert. „Ich hätte absolut nichts gegen klassische Regie-Auftragsarbeiten einzuwenden. Ich verspüre nicht den Wunsch, eigene Stoffe zu schreiben und sie umzusetzen“, sagt sie.

Sie sei auch weniger auf „Arthouse“ (Experimental-Avantgarde-Filme) aus, als viele ihrer Studienkollegen an der DFFB, fügt sie noch an. „Mainstream, gut gemacht, dagegen ist nichts zu sagen. Die Zuschauer sollen sich bei meinen Filmen unterhalten fühlen. Das bedeutet nicht, dass es flach werden muss.“

„Let the bell ring“ beinhaltet Szenen, die die Traum-Ebene verkörpern. Dass ihre Protagonisten in diesen Sequenzen zu Schauspielern werden, verneint Freitag: „Sie bleiben schon Protagonisten, sind sie selbst.“ Und doch geht es eben hier um einen Subtext, um eine Realität, die zu einer anderen Sphäre gehört. Ansonsten aber dokumentiert der Film klassisch, das, was gerade passiert (Kamera: Max Preiss). „Es wurde nichts wiederholt oder nachgestellt“, sagt Freitag.

Produktionsfirma in Börzow

Ihre Eltern in Börzow besucht sie oft. Ihre Mutter war auch in Zürich zur Internationalen Premiere des Filmes angereist. Auch in Schwerin werden Freitags Eltern mit dabei sein, ebenso viele ihrer Freunde. An beiden Aufführungstagen wird die Regisseurin im Kino anwesend und für Fragen aus dem Publikum offen sein.

Freitag kann sich durchaus vorstellen, einmal ganz nach Nordwestmecklenburg zurückzukommen. „Auch wenn das irgendwie so der Klassiker ist. Kreative Leute müssen von Zuhause weggehen, und dann kommen sie wieder. Es gibt eine Scheune auf dem Hof meiner Eltern, dort könnte ich mir mit Freunden vielleicht meine eigene Produktionsfirma einrichten“, sagt sie, träumend und lächelnd.

„Am besten wäre es, ich könnte beide Orte miteinander verbinden, mein Leben aufteilen, einen Teil in Los Angeles, einen Teil hier verbringen.“

Einen Trailer des Filmes „Let the bell ring“ finden Sie auf der Webseite des Filmes.

Annett Meinke

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