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Nordwestmecklenburg Boltenhagen: Hendrik Kern sticht als neuer Küstenfischer in See
Lokales Nordwestmecklenburg

Boltenhagen: Hendrik Kern sticht als neuer Küstenfischer in See

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17:00 13.11.2021
Hendrik Kern fängt als Küstenfischer neu in Boltenhagen an. Den Kutter „Svalen“ hat er einem Fischer abgekauft, der in Ruhestand gegangen ist. Er bereitet seine Netze für die ersten Fangfahrten auf Scholle und Steinbutt vor.
Hendrik Kern fängt als Küstenfischer neu in Boltenhagen an. Den Kutter „Svalen“ hat er einem Fischer abgekauft, der in Ruhestand gegangen ist. Er bereitet seine Netze für die ersten Fangfahrten auf Scholle und Steinbutt vor. Quelle: Malte Behnk
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Boltenhagen

Er nennt es selber „eigentlich eine Kamikaze-Aktion“, und seine Familie hat ihm gesagt: „Du bist doch verrückt!“ Aber Hendrik Kern (33) hat den Schritt gewagt und wird Küstenfischer in Boltenhagen. Mit seinem Kutter „Svalen“, was auf Dänisch Seeschwalbe bedeutet, will er in den nächsten Tagen das erste Mal auf Fangfahrt gehen. Gerade bereitet er im Hafen in Tarnewitz seine Netze für den Fang von Schollen und Steinbutt vor.

Vom weltweiten Fischfang in kleinen Kutter

Ganz neu ist der Beruf des Fischers für den 33-Jährigen aus Gadebusch aber nicht. Er hat seine Ausbildung auf einem 30-Meter-Schiff gemacht. „Ich komme aus einer Seefahrerfamilie und bin weltweit im Fischfang gefahren. Ich mag aber lieber das traditionelle Handwerk.“ Deswegen hat er Kutter „Svalen“ von einem Fischer abgekauft, der in den Ruhestand gegangen ist.

Fischereibetrieb am See in Klocksdorf

„Ich habe auch noch einen Binnenfischereibetrieb in Klocksdorf. Das ist ein alter Traditionsbetrieb. Jetzt wage ich mich auch an die Küste“, sagt Hendrik Kern. „Ich sehe zwar noch nicht, dass ich am Anfang mit der jetzigen Quote großes Geld verdiene. Aber ich denke, am Ende wird sich die kleine passive Fischerei in der Ostsee durchsetzen.“ Bei seinen ersten Fahrten in die Fanggebiete vor Boltenhagen, die bis an die Grenze Schleswig-Holsteins reichen, wird ihn der Vorbesitzer seines Kutters noch begleiten. „Er gibt mir dann ein paar Tipps zum Revier. Er hat hier früher auch gefischt“, sagt Kern.

„Ehrgeiz und Liebe für den Beruf“

Doch wie will es Hendrik Kern schaffen, während andere Fischer in MV aufgeben? „Da steckt viel Ehrgeiz und Liebe für den Beruf dahinter“, sagt er. „Dann stelle ich noch in Hamburg einen Antrag auf eine zusätzliche Existenzgründerquote. Dann mache ich Direktvermarktung meines Fangs. Dafür werde ich auch die Myfish-App nutzen und ich hoffe selbstverständlich, dass es sich rumspricht und auch die Einheimischen kommen, um direkt am Kutter Fisch zu kaufen.“ Fangen will er vor allem Plattfische, aber auch ein paar Dorsche. „Für Dorsch und Schollen habe ich eine Quote. Hering werde ich nicht fangen, dafür ist der Aufwand zu groß.“ Im Bezug auf die Entwicklung der Fangquoten hofft er, dass sich die mecklenburgischen Fischer „mehr zusammenraufen“.

Hendrik Kern fängt als Küstenfischer neu in Boltenhagen an. Den Kutter „Svalen“ hat er einem Fischer abgekauft, der in Ruhestand gegangen ist. Er bereitet seine Netze für die ersten Fangfahrten auf Scholle und Steinbutt vor. Quelle: Malte Behnk

Vier Berufsfischer in Boltenhagen – einer in Wismar

Zu den anderen Berufsfischern Heiko Gores, Uwe und Klaus Dunkelmann in Boltenhagen hat Hendrik Kern bereits Kontakt aufgenommen. „Das Revier hier vor Boltenhagen ist so groß, da kommen wir uns nicht in die Quere“, sagt der Neue in der Marina in Tarnewitz. An den Stegen liegt jetzt eine kleine Flotte von Fischkuttern. „Hier sind mit mir jetzt vier Berufsfischer, in Wismar gibt es noch einen.“ Über die Bedeutung Boltenhagens als Fischerort will er damit aber nicht spekulieren.

Zur Fischereigenossenschaft Wismarbucht gehören inzwischen noch 24 Fischer, davon arbeiten zwölf hauptberuflich. Sie haben ihre Häfen in Wismar, Warnemünde, Rerik, Timmendorf auf Poel, Tarnewitz, Boinsdorf und Kühlungsborn. In einer Organisation oder einem Verband ist Hendrik Kern nicht organisiert. Er setzt vor allem auf die Eigenvermarktung.

Kurverwaltung unterstützt Fischer

„Wir unterstützen ihn gerne, wo wir können“, sagt Boltenhagens Kurdirektor Martin Burtzlaff, der Hendrik Kern schon seit Jahren kennt und sich für die traditionell arbeitenden Fischer starkmachen möchte. Er freut sich, dass Kern die Tradition mit den roten Stellnetzfahnen am Leben halten möchte. „Ich finde das mutig in der jetzigen Zeit. Für den Tourismus in Boltenhagen sind die Fischer sehr wichtig. Ihre Kutter sind beliebte Fotomotive und die Urlauber kaufen auch Fisch bei ihnen“, sagt Burtzlaff.

Von Malte Behnk