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Nordwestmecklenburg Kampf gegen Autos: Ostseebad fordert Nachbarschaftshilfe
Lokales Nordwestmecklenburg Kampf gegen Autos: Ostseebad fordert Nachbarschaftshilfe
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17:13 27.02.2019
In der Sommersaison herrscht viel Verkehr auf der Ostseeallee in Boltenhagen.
In der Sommersaison herrscht viel Verkehr auf der Ostseeallee in Boltenhagen. Quelle: MALTE BEHNK
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Boltenhagen

Politiker im Ostseebad Boltenhagen fordern mehr Kooperation von ihren Nachbarn in Klütz. Das wurde jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten thematisiert. Vor allem was den Verkehrsfluss während der Saison und den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV) angeht, wünschen sich die Boltenhagener mehr Zusammenarbeit der Klützer.

Hintergrund sind die Planungen eines Wohnmobilhafens in Klütz und einer Ferienhaussiedlung im Ortsteil Wohlenberg, zu denen Boltenhagen als Nachbargemeinde Stellung beziehen sollte. Mit 200 Stellplätzen für Wohnmobile, etwa 300 zusätzlichen geplanten Betten in Wohlenberg und einer Ferienhaussiedlung, die in Christinenfeld mit etwa 100 Häusern entstehen soll, sehen die Boltenhagener eine Lawine von Autos auf sich zu rollen. Straßen und Parkplätze im Ostseebad würden dann deutlich mehr beansprucht.

Boltenhagens Gemeindevertretung hatte bereits im Dezember in ihrer Stellungnahme zum geplanten Wohnmobilhafen in Klütz mitgeteilt, dass an einem gemeinsamen Verkehrskonzept zum Beispiel mit Fahrradstationen und einer Verbesserung des ÖPNV gearbeitet werden müsste.

„Wir finanzieren in Boltenhagen eine Vergünstigung der Busfahrkarten, um den Ort zu entlasten“, spricht Bauausschussmitglied Steffen Beckert die Vereinbarung der Gemeinde mit Nahbus an, Fahrten für einen Euro anzubieten. „Wenn jetzt in Klütz so viele Unterkünfte entstehen, wäre es schön, wenn die Stadt uns unterstützt, damit auch ihre Gäste für einen Euro Bus fahren können und dann die Region entlastet wird“, sagt Beckert. Er könnte sich zum Beispiel als ersten Test einen Ringverkehr vorstellen, in dem Busse von Boltenhagen über Klütz, Christinenfeld und Tarnewitz fahren, „damit wir nicht von den Fahrzeugen der Urlauber überschwemmt werden“. Es müsste sich aber die Stadt Klütz an den Kosten beteiligen.

„Die Urlauber aus den Klützer Unterkünften werden mit Fahrrädern, Mopeds und Autos, vielleicht auch mit ihren Wohnmobilen, nach Boltenhagen kommen“, sagt Beckert, der steigende Zahlen von Falschparkern befürchtet. Aus seiner Sicht sollte auch an den Verwarngeldern im Amtsbereich etwas geändert werden. „Wenn man sein Auto im Wald abstellen kann und dafür ein Knöllchen über zehn Euro bekommt, kriegen wir keine Verbesserung“, sagt Beckert. Er habe die Erfahrung gemacht, dass in anderen Orten Falschparker alle zwei Stunden kontrolliert würden und dann weitere Knöllchen erhalten.

Auch Ausschussmitglied Detlef Rödiger wünscht sich mehr Kooperation zwischen Klütz und Boltenhagen. Er denkt, dass beide Seiten aufeinander zugehen sollten. „Wir sollten vielleicht auch mehr mit Klütz zusammenarbeiten, wenn es zum Beispiel um die veränderte Bäderregelung geht. Möglicherweise könnte man in einem gemeinsamen Ausschuss solche Themen behandeln“, sagte er.

Die Diskussion um mehr Zusammenarbeit der beiden Kommunen gibt es schon länger: Bereits im Januar 2017 war aus Boltenhagen die Bitte an die Stadt Klütz herangetragen worden, eine Beschilderung in Richtung des Ostseebads bereits auf Klützer Territorium zu beginnen, um Urlauberströme zum westlichen oder zum östlichen Ortseingang zu lenken, wo Großparkplätze entstehen. In Klütz wurde dieser Plan aber abgelehnt.

Dabei hat eine Zusammenarbeit in der Vergangenheit bereits gut funktioniert. Als 2010 und 2011 die Sporthalle an der Regionalen Schule Klütz gebaut wurde, hatte sich Boltenhagen mit 300 000 Euro an dem Projekt beteiligt, weil auch Vereine des Ostseebads die Halle nutzen.

Malte Behnk

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