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Nordwestmecklenburg Gruppe will keine Dünenpromenade in Boltenhagen
Lokales Nordwestmecklenburg Gruppe will keine Dünenpromenade in Boltenhagen
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17:42 20.02.2019
Abholzungsarbeiten auf der Düne am 11. Februar 2019
Abholzungsarbeiten auf der Düne am 11. Februar 2019 Quelle: GVM
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Boltenhagen

Anfang Februar wurden im Ostseebad Boltenhagen die Vorbereitungen für den Bau einer Dünenpromenade gestartet, der im Herbst beginnen soll. Mit Baggern werden große Pflanzen auf der Düne gerodet. Das ist auch den Initiatoren der Bürgerinitiative „Dünenpromenade – Nein Danke“ nicht entgangen.

Initiatoren der Bürgerinitiative „Dünenpromenade - Nein Danke“: v.l. Horst Piankowski, Swen Bertram und Dietmar Lehmann. Quelle: PRIVAT

„Die Gäste der Urlaubssaison 2019 werden entsetzt sein über die zerstörte Dünenlandschaft“, sagt Dietmar Lehmann. Er hatte mit Horst Piankowski und Swen Bertram im Januar 2017 in Boltenhagen 281 Unterschriften gesammelt, um einen Bürgerentscheid zum Bau der Dünenpromenade zu erwirken. Nach Ablehnung des Bürgerentscheids durch Gemeindevertretung und Amtsverwaltung, wartet die Bürgerinitiative auf eine Berufungs-Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Greifswald mit dem Ziel, dass die Bürger Boltenhagens mit einem „Bürgerentscheid“ über das Bauvorhaben entscheiden.

„Der Bau der Dünenpromenade soll im Herbst beginnen. Bis dahin wird es sicher eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Greifswald zu unserem Antrag auf Zulassung der Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Schwerin geben“, sagt Swen Bertram. Sollte die Bürgerinitiative vor dem OVG Recht bekommen, will sie einen Bürgerentscheid starten. „Dabei geht es um die Frage: Wollen wir das die Dünenpromenade gebaut wird“, sagt Swen Bertram. „Wir wissen auch, dass das Meinungsbild in der Gemeinde gespalten ist“, sagt Dietmar Lehmann. Er und seine Mitstreiter fragen: „Wie nachhaltig ist dieses Bauwerk bei der hohen Förderung von 4,7 Millionen Euro? Wenn dadurch vielleicht nur hundert Gäste mehr kommen, bringt das nicht viel.“ Sie halten auch die Argumente, dass die Ostsee für Leute mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator sichtbar wird und dass die Situation von Radfahrern und Fußgängern auf der Strandpromenade verbessert werden soll, für „leere Worthülsen“.

Da die Kritiker der Bürgerinitiative den Bau der Dünenpromenade für überflüssig halten, beklagen sie auch die unnötige Ausgabe von Steuergeldern über die Fördermittel. Der Bewilligungsbescheid über 4,7 Millionen Euro war am 30. November 2018 schriftlich bei der Amtsverwaltung in Klütz eingegangen. Das wird aus dem Wirtschaftsministerium bestätigt.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Informationen von Gemeinde und Kurverwaltung zu den Baukosten. „Von 2017 bis heute sind die Baukosten um etwa 750 000 Euro gestiegen“, sagt Swen Bertram. „Es wird aber nicht mitgeteilt, warum es zu so einer Kostenexplosion kommt.“ Neben den eigentlichen Baukosten, von denen die Kurverwaltung durch die Bewilligung der Fördermittel noch ein Eigenanteil von 522 574 Euro zahlen muss, bemängelt die Bürgerinitiative auch Folgekosten. „Wir gehen von jährlichen Kosten in Höhe von etwa 100 000 Euro für Unterhaltung, Instandhaltung und Abschreibung für Nutzung sowie für den Winterdienst aus“, sagt Bertram.

Die Erneuerung der Hütten für Rettungsschwimmer und Strandkorbvermieter, die mit dem Bau der Dünenpromenade verbunden wird, halten auch die Mitglieder der Bürgerinitiative für sinnvoll. „Dagegen wollen wir uns nicht sperren“, sagt Horst Piankowski. Sie glauben aber, dass auch ohne den Bau der Dünenpromenade eine Lösung gefunden werden könnte.

Seit 2013 haben die Gemeinde Boltenhagen und die Kurverwaltung den Bau der etwa zwei Kilometer langen Dünenpromenade geplant. Sie soll barrierefrei zugänglich sein. Im Zuge der Bauarbeiten sollen auch drei Zugänge zu Strand so ausgebaut werden, dass sie für Rettungsfahrzeuge oder Fahrzeuge des Bauhofs befahrbar sind.

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Malte Behnk