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Nordwestmecklenburg Burnout-Klinik eröffnet in historischem Ambiente
Lokales Nordwestmecklenburg Burnout-Klinik eröffnet in historischem Ambiente
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10:53 13.06.2019
Eine Ansichtskarte zeigt die Pracht des Schlosses Lütgenhof Anfang des 20. Jahrhunderts. Schon damals war das Anwesen in ruhiger Lage von viel Natur umgeben. Quelle: privat
Dassow

Die Zukunft des Schlosses Lütgenhof liegt vielen Einwohnern von Dassow am Herzen. „Es ist uns allen sehr wichtig, was nach einer längeren Pause aus diesem Schloss wird“, sagt Andrea Hinrichs, Kulturbeauftragte der Stadt und Leiterin der Familienbegegnungsstätte im alten Rathaus. Ein regelmäßiger Hotelbetrieb existiert schon lange nicht mehr im Schloss, doch bald wird es wieder mit viel Leben erfüllt. „Das Schloss Lütgenhof wird zur Klinik – noch dieses Jahr“, kündigt Laura Zimmermann an. Die gebürtige Schwerinerin arbeitet für die Klinikum Schloss Lütgenhof GmbH, die im vierten Quartal 2019 eine Akutklinik für Psychotherapie, integrierte Psychosomatik und personale Medizin eröffnen wird. Das Unternehmen spricht von einem „Zentrum für Stressfolgeerkrankungen.“

„Vorrangig wird es um die Krankheitsbilder Burnout und Erschöpfungszustände gehen“, erläuterte Gerhard Danzer in einer Gesprächsrunde in Dassow. Der promovierte Arzt und Psychologe ist Professor an der Medizinischen Hochschule Brandenburg und Experte für psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Er arbeitete bereits an der Berliner Charité und an der Humboldt-Universität. Gerhard Danzer erklärt: „Burnout ist inzwischen ein eigenes Krankheitsbild.“ Der Professor erläutert seine Rolle bei der Gründung des Klinikums Schloss Lütgenhof: „Seit etlichen Monaten bin ich als Berater und Stratege mit im Boot.“ Danzer befasst sich unter anderem mit der Auswahl des Fachpersonals. Der 1956 in Passau geborene Arzt, Psychologe, Hochschullehrer und Autor ist zuversichtlich, das erklärte Ziel zu erreichen: „Dass wir Ende des Jahres eine Mannschaft haben, die die Patienten gut betreut.“ Bewerbungsgespräche werden seit Monaten geführt. Über offene Stellen informiert die Klinikum Schloss Lütgenhof GmbH auf ihrer Internetseite. 45 Arbeitsplätze wird es nach Auskunft der künftigen Betreiber geben – davon 25 im Bereich Medizin. Ausbildungsplätze sollen in naher Zukunft ebenfalls zu besetzen sein. Personal versucht das Unternehmen vor allem in der Region zu bekommen. Laura Zimmermann versichert zudem: „Die Gewerbesteuern gehen an Dassow.“

Anwesen für Adelige und Grenzsoldaten

1839 bauten Handwerker in Lütgenhof bei Dassow ein Gutshaus für die adelige Familie von Paepcke. Im selben Jahr hatte Kaiser Ferdinand I. von Österreich den Justizrat Moritz Christian Paepcke auf Lütgenhof mit dem Prädikat „Edler von“ in den Adelsstand erhoben. Die Familie ließ das Haus 1890 erweitern und teilweise umbauen. 1945 wurde sie wie alle Großgrundbesitzer in der sowjetisch besetzten Zone im Rahmen der Bodenreform enteignet. Sie übernahm Gut Bredeneek in der Gemeinde Lehmkuhlen (Kreis Plön). Das „Schloss“ genannte Herrenhaus in Lütgenhof diente in dieser Zeit als Flüchtlingsunterkunft. 1947 zog eine „Landwirtschaftsschule und Wirtschaftsberatungsstelle“ ein. Sie wurde später zur „Fachschule für Landwirtschaft“. Viele Schüler spielten in einer Kapelle, traten als Volkstanzgruppe auf oder sangen in einem Chor. 1961 zog die Fachschule nach Zierow um und das Haus wurde zu einem Objekt der Grenztruppen. 1990 ging es in das Eigentum der Bundeswehr über. 1992 verkaufte die Treuhandanstalt die Immobilie an die Mast-Jägermeister-AG. Sie ließ das Haus ab 1995 sanieren und einen weiteren Flügel anbauen. 1999 eröffnete das Anwesen neu als Schlosshotel. Familie Stinnes übernahm es im Jahr 2000.

Eine Ansichtskarte von 1954 zeigt Schloss Lütgenhof als Fachschule für Landwirtschaft. Sie zog 1947 ein. Quelle: privat

Das Klinikum Schloss Lütgenhof wird eine Kapazität von 38 Betten in Einzel- und Doppelzimmern haben. Eine geschlossene Abteilung ist nach Auskunft des Unternehmens nicht vorgesehen.

Die Bausubstanz des Schlosses bleibt im Wesentlichen unverändert. Bereits von 1995 bis 1999 sanierten Handwerker das Anwesen. 2008/2009 folgte eine Renovierung der Zimmer und Gesellschaftsräume des Schlosshotels „zwischen Schilf und Kastanien im Ostseewind“, das mit demselben Vorzug punktete wie in Zukunft die Schlossklinik: eine ruhige, idyllische Lage am Rand des Naturschutzgebietes „Stepenitz- und Maurineniederung“.

Größere Umbauten sind nur in einem Nebengebäude nötig. Dort gestalten Handwerker Räume für Diagnostik, Psychotherapie, EKG und vieles mehr. Die Aufträge wurden vorwiegend an Betriebe in der Region vergeben, sagt Henry Groth, „rechte Hand der Bauleitung.“

Noch versperrt ein Tor mit Kette die Zufahrt zu Schloss Lütgenhof in Dassow. Einen regelmäßigen Hotelbetrieb mit Gastronomie für alle Besucher gibt es seit Langem nicht mehr. Quelle: Jürgen Lenz

Andrea Hinrichs sagt: „Ein großes Anliegen von uns Dassowern ist, dass wir wieder ins Schloss dürfen.“ Es gebe den Wunsch nach einer Gastronomie, die auch diejenigen besuchen dürfen, die keine Patienten des Schlossklinikums sind. Ob dies möglich sein wird oder nicht, steht nach Auskunft der künftigen Betreiber noch nicht fest. Gerhard Danzer sagt: „Es ist noch nicht entschieden, inwieweit wir es öffnen.“

Jürgen Lenz

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