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Nordwestmecklenburg Corona-Krise in MV: Dassow schickt Tagestouristen aus anderen Bundesländern weg
Lokales Nordwestmecklenburg Corona-Krise in MV: Dassow schickt Tagestouristen aus anderen Bundesländern weg
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17:18 04.06.2020
Wohnmobile stehen unweit der Ostsee bei Barendorf. Viele Touristen machen hier Urlaub. Quelle: Jürgen Lenz
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Dassow

Autos und Wohnmobile stehen dicht an dicht auf dem Parkplatz in Barendorf. Kennzeichen verraten, wo die meisten Besitzer herkommen: Lübeck, Ratzeburg, Ostholstein, Hamburg, Lüneburg. Es sind Urlauber, die etwas machen, was im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus verboten ist: nach Mecklenburg-Vorpommern fahren, um ein paar schöne Stunden am Ostseestrand zu verbringen. „Wir haben viele Beschwerden deswegen“, sagt Annett Pahl (SPD), Bürgermeisterin der Stadt Dassow, zu der Barendorf gehört.

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Das Ordnungsamt macht mobil gegen die illegalen Tagesausflüge. „Wir wollen der Entwicklung entgegentreten“, sagt Volker Schuhr, Fachbereichsleiter im Amt Schönberger Land. Jetzt müsse gehandelt werden. Der Tagestourismus dürfe sich nicht etablieren. Schuhr hat sich deshalb auch an die Polizei gewandt.

Ordnungsamt schickt Urlauber zurück

Seit Anfang der Woche sind Mitarbeiter des Ordnungsamtes täglich mehrere Stunden in Gebieten unweit der Ostsee unterwegs. Sie sprechen Urlauber an, weisen sie auf die Rechtslage hin und schicken sie, wenn nötig, zurück.

In normalen Zeiten sind Tagestouristen in Dassow herzlich willkommen, auch der Bürgermeisterin. Doch jetzt gilt in ganz Mecklenburg-Vorpommern: Kurzurlauber haben das Land unverzüglich zu verlassen. So schreibt es die Landesverordnung zum Schutz gegen das Coronavirus vor.

Weit offen ist das Tor des Parkplatzes „Seestern“ in Barendorf bei Dassow. Er gehört der Stadt. Quelle: Jürgen Lenz

Die Landesregierung betont: „Tagesausflüge nach Mecklenburg-Vorpommern sind weiterhin nicht möglich.“ Sie werden erst in der letzten Phase eines Fünf-Stufen-Plans zur Öffnung des Tourismus in MV erlaubt. „Für diese Phase ist noch kein Startpunkt festgelegt worden“, erklärt die Schweriner Landesregierung. Der Termin hängt vom Infektionsgeschehen in Mecklenburg-Vorpommern ab.

Viele Touristen kennen das Verbot nicht

In Gesprächen mit Kurzurlaubern in Dassow wird deutlich: Die meisten Gäste kommen guten Glaubens. Sie wissen nicht, dass Mecklenburg-Vorpommern den Tagestourismus bis auf Weiteres verbietet. Einreisen dürfen Urlauber nur, wenn sie eine Buchung für mindestens eine Übernachtung nachweisen können.

„Wir haben viele Beschwerden“, sagt die Dassower Bürgermeisterin Annett Pahl (SPD). Quelle: Jürgen Lenz

Das Grüne Licht der Schweriner Landesregierung gilt allerdings nicht für Touristen, die ihren Wohnsitz im Ausland haben und auch nicht für Besucher, die aus einer Gegend kommen, in der es in den letzten sieben Tagen vor der Einreise mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner gegeben hat. Ganz anders die Lage im Nachbarland Schleswig-Holstein: Die Kieler Landesregierung hat am 18. Mai das Einreiseverbot für alle Urlauber aufgehoben – auch für Tagestouristen.

Die Dassower Bürgermeisterin befürchtet: „Der touristische Druck wird uns Probleme machen.“ Annett Pahl denkt nicht nur an Verstöße gegen Bestimmungen, die Menschen vor dem Coronavirus schützen sollen. Ebenfalls im Blick hat sie die zahlreichen Wohnmobile, die jetzt in Ortsteilen unweit der Ostsee stehen. „Es hat am Pfingstwochenende eine extreme Zunahme gegeben“, sagt die Bürgermeisterin. Die Wohnmobile würden Parkplätze blockieren. Neben einigen Wohnmobilen lassen sich Urlauber häuslich niederlassen. Sie stellen Campingstühle und Tische raus. Auch das ist verboten. Wo diese Urlauber mit ihrem Abfall abbleiben, weiß die Bürgermeisterin nicht.

Wo dürfen Wohnmobile stehen?

Abgestellt werden darf ein Wohnmobil überall, wo die Straßenverkehrsordnung das Parken erlaubt – also auch auf einem öffentlichen Parkplatz, es sei denn, ein Zusatzzeichen verbietet es. Das Übernachten ist dort nur gestattet, wenn es dazu dient, die Fahrtüchtigkeit des Fahrers wiederherzustellen. Das wilde Campen mit einem Wohnmobil ist grundsätzlich verboten. Tisch und Stühle müssen im Fahrzeug bleiben.

Hintergrund des Ansturms von Wohnmobilen in Dassow: Viele Campingplätze in Mecklenburg-Vorpommern sind ausgebucht, weil sie laut Corona-Verordnung höchstens 60 Prozent ihrer Schlafgelegenheiten vergeben dürfen. Für ein Wohnmobil werden vier Schlafplätze angenommen.

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Von Jürgen Lenz