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Nordwestmecklenburg Tarifstreit beim DRK: Geschäftsführung kontra Gewerkschaft
Lokales Nordwestmecklenburg Tarifstreit beim DRK: Geschäftsführung kontra Gewerkschaft
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13:25 07.12.2019
Das DRK Krankenhaus an der Klützer Straße in Grevesmühlen. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Der Tarifstreit am DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen geht weiter. Inzwischen hat sich eine Tarifkommission gegründet, die Gewerkschaft ver.di hat große Teile der Belegschaft mobilisiert. Die Mitarbeiter fordern eine Anpassung der Löhne und Gehälter, die bis zu 30 Prozent unter dem liegen, was in den umliegenden Krankenhäusern gezahlt wird. Die Geschäftsführung kritisiert derweil das Verhalten einiger Mitarbeiter und wehrt sich gegen die Vorwürfe der Gewerkschaft. Geschäftsführer Jan Weyer stellt sich dazu im Interview den Fragen der OSTSEE-ZEITUNG.

Wie steht das DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen in diesem Jahr wirtschaftlich da? Es gibt Gerüchte um den Fortbestand des Hauses.

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Jan Weyer, Geschäftsführer der vier DRK-Krankenhäuser in MV Quelle: DRK

Jan Weyer: Nach Verlusten in den Vorjahren konnten wir in diesem Jahr die Konsolidierung des Hauses erfolgreich fortsetzen und werden das Jahr 2019 mit einem ausgeglichenen Ergebnis abschließen. Vor dem Hintergrund, dass mehr als 40 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland rote Zahlen schreiben, ist das eine gute Entwicklung. Zu verdanken ist dieser Erfolg unseren großartigen Mitarbeitern, die unsere Patienten mit beispielhaftem Engagement hochprofessionell und liebevoll versorgen.

Auf dieser Grundlage ist das DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung in Nordwestmecklenburg – und das wird auch in Zukunft so bleiben. Landrätin Kerstin Weiss, Bürgermeister Lars Prahler, Gesundheitsminister Harry Glawe und DRK-Präsident Werner Kuhn haben sich ausdrücklich zum Krankenhausstandort Grevesmühlen bekannt.

Die Gewerkschaft hat die Bildung einer Tarifkommission angekündigt. Gibt es eine solche Kommission? Ist die Geschäftsleitung informiert darüber?

Wir haben von der Bildung einer Tarifkommission einzig aus der OZ erfahren, gleiches gilt für den Betriebsrat. Aussagen dazu können wir nicht machen, da uns hier schlichtweg keine Informationen vorliegen.

Gibt es Kontakt zwischen Gewerkschaft und Geschäftsleitung?

Ein Vertreter der Gewerkschaft ver.di hat auf Einladung des Betriebsrates an einer Mitarbeiterversammlung im Mai 2019 teilgenommen und über Belange der Gewerkschaft informiert. Weiterer Kontakt besteht nicht, es gab und gibt weder eine ver.di-Anfrage zu Gesprächen noch eine Aufforderung zu Verhandlungen. Auch der Betriebsrat wurde nicht angesprochen.

Welche Auswirkungen hat der Tarifstreit auf die Stimmung im Krankenhaus?

Ich erlebe quasi täglich, dass die Mitarbeiter mit Sorge erfüllt sind und Unverständnis dafür zeigen, dass hier leichtfertig der gute Ruf des Hauses beschädigt wird.

Ist der Betriebsrat in die Auseinandersetzung eingebunden, beziehungsweise war der BR informiert über die Forderungen der Gewerkschaft?

Der Betriebsrat war zu keinem Zeitpunkt informiert, auch nicht über den offenen Brief. Weder dem Betriebsrat noch der Krankenhausleitung sind Forderungen der Gewerkschaft bekannt.

Einer der Vorwürfe lautet, die Geschäftsführung sei nicht zu Gesprächen mit den Mitarbeitern bereit gewesen. Was sagen Sie dazu?

Ich finde es schade, dass solche haltlosen Behauptungen von außen verbreitet werden. Die gesamte Krankenhausleitung steht jedem Mitarbeiter zeitnah für Gespräche zur Verfügung. In den meisten Fällen sofort, ohne Terminabsprache!

Laut Gewerkschaft fordern die Mitarbeiter mehr Geld, zumindest eine teilweise Angleichung an die Gehälter anderer Häuser. Inwieweit ist das realisierbar?

Es ist unbestritten, dass die Pflege in Deutschland unzureichend bezahlt wird. Auch in anderen Bereichen ist eine angemessene Vergütung unter den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen schwer realisierbar. Wir arbeiten in einem staatlich regulierten System. Die Preise, die wir für eine Patientenversorgung abrechnen können, sind uns vorgeschrieben. Wir können nur innerhalb dieses Preisrahmens entscheiden, wie viele Patienten ein Mitarbeiter versorgt und wie sich seine Vergütung gestaltet.

Die Bundesregierung hat erkannt, dass es unter den jetzigen Rahmenbedingungen nicht gelingt, ausreichend Fachkräfte für das Krankenhaus zu gewinnen. Mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz hat sie zumindest für die Mitarbeiter in der Pflege eine Kehrtwende in der Finanzierung der Gehälter eingeleitet: Ab dem nächsten Jahr wird für Mitarbeiter in der patientennahen Pflege die Selbstkostendeckung eingeführt. Das heißt: Die Kosten, die entstehen, werden auch erstattet. Auf dieser Grundlage wird es möglich sein, die Gehälter in diesem Bereich spürbar anzupassen.

Wie stellt sich derzeit die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung dar? Gibt es weitere Betriebsversammlungen angesichts der angespannten Situation?

Die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Krankenhausleitung ist nach meinem Empfinden sehr pragmatisch, vertrauensvoll und offen. Es finden monatliche Beratungen mit den Bereichsleitern statt, ebenso mit der Verwaltung und der Krankenhausleitung unter Beteiligung der Chefärzte. Auch monatliche Beratungen zwischen Krankenhausleitung und Betriebsrat gehören zur Kommunikationskultur in unserem Krankenhaus. Jeder hat in diesen Beratungen die Möglichkeit, Probleme anzusprechen, Wünsche und Anregungen zu äußern. Weiter gibt es ein betriebliches Vorschlagswesen, über das Mitarbeiter anonym oder namentlich Vorschläge und Hinweise einbringen können. Betriebsversammlungen finden mindestens zweimal im Jahr statt. Die Krankenhausleitung nimmt an diesen Versammlungen teil, berichtet und stellt sich den Fragen der Mitarbeiter.

Gibt es an den anderen drei Standorten ähnliche Auseinandersetzungen?

Es gibt auch an den Standorten Grimmen und Neustrelitz Aktivitäten der Gewerkschaft ver.di zur Mitgliedergewinnung.

Lesen Sie auch:

Offener Brief der Mitarbeiter.

So berichtete die OZ bisher über den Tarifstreit.

Mitarbeiter bieten Klinikleitung die Stirn.

Von Michael Prochnow

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