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Nordwestmecklenburg Das Gutshaus und seine Gäste
Lokales Nordwestmecklenburg Das Gutshaus und seine Gäste
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20:10 19.07.2018
Thorstorf

Bernd Miebach hatte eine Vision vor Augen, als er das Gutshaus in Thorstorf im Jahr 1999 kaufte. Er und seine Frau – sie haben inzwischen sechs Kinder, das älteste 22 Jahre, das jüngste 13 – wollten ein Gutshaus, in dem man sich als Familie wohlfühlen kann. „Natur, Tiere, nichts Übertriebenes, bodenständige Entspannung.“ Zunächst, erzählt der Geschäftsmann, dessen Hauptwohnsitz Hamburg ist, und der inzwischen einige historische Immobilien in Nordwestmecklenburg erworben hat, wohnte er selbst mit seiner Familie zeitweise in Thorstorf.

Bernd Miebach hat das Thorstorfer Gutshaus im Jahr 1999 gekauft. Er ist ein großer Fan der Region.

Die Serie

Jede Woche stellen die Lübecker Nachrichten ein Dorf aus dem Landkreis vor. Dabei werden

Geschichten von Menschen

erzählt, die dort leben, über

Veränderungen berichtet, die

sich vollzogen haben, über die

Sorgen der Einwohner, was sich entwickelt hat oder noch entwickeln soll.

Alt Farpen ist im nächsten Teil

an der Reihe.

Später sollten Mieter einziehen. Doch letztlich ist das Gutshaus ein Ferienort geworden. Einer, der das Potential besitzt, Menschen immer wieder anzuziehen.

„Mittlerweile haben wir viele Gäste, die Jahr für Jahr wiederkehren, die man inzwischen schon gut kennt. Aus Hamburg, aus Berlin, immer öfter auch aus weiter südlich.“, erzählt der 61-Jährige, dem man sein Alter irgendwie nicht ansieht.

Miebach hat eine Firma für Trinkwassersprudler. Das Gutshaus in Thorstorf betrachtet er eher als eine nachhaltige Investition. Etwas, das den Ruhestand sichert, den Kindern bleibt. Dass die daran Interesse haben werden, davon geht er aus.

Was auch nicht utopisch erscheint – in jedem Fall, was den zweitjüngsten Spross der Familie, Klara (14) angeht. Im Sommer, wenn Ferien in Hamburg sind und die Familie überwiegend im Klützer Winkel lebt – die Miebachs selbst wohnen in einem Haus in Grevenstein – kommt sie fast täglich nach Thorstorf, um auf dem Gut allein, oft auch mit den Kindern der Feriengäste, auf einem der insgesamt fünf Pferde, die zum Gutshaus gehören, auszureiten.

Bernd Miebach ist ebenso begeistert von der Region, wie seine Tochter und seine Gäste. „Es ist doch einfach perfekt hier“, sagt er. „Landschaft, die Ostsee, Ruhe und auch Kultur, Lübeck und Wismar gleich um die Ecke, Schloss Bothmer, die Festspiele MV. Und wenn dann noch so ein fantastischer Sommer einkehrt, wie in diesem Jahr, was will man denn mehr?“

Das findet unter anderem auch der Künstler-Freundeskreis, der derzeit gerade Urlaub im Gutshaus macht – in einer der Wohnungen, die allesamt Namen von Ostseebädern tragen: Boltenhagen, Travemünde, Groß Schwansee, Poel, Warnemünde. Manch einer hat vielleicht schon einmal etwas von der A-Capella-Band „Muttis Kinder“ gehört? Claudia Graue, Marcus Melzwig und Christopher Nell sind „Muttis Kinder“.

Genau wie ihre Freunde leben sie in Berlin – und genießen das ausgiebige Frühstück, das man im Gutshaus in Thorstorf bei so einem Wetter jeden Morgen an einem langen Tisch im Freien haben kann. Alle Freunde haben sich während des Schauspielstudiums an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock kennengelernt. Das A-Capella-Trio gründet sich im Jahr 2003. Neben eigenen Engagements an deutschen Theaterbühnen sind sie immer noch mit ihrem Trio unterwegs. Konzerte und Auftritte führen sie nicht nur quer durch Deutschland, auch regelmäßig zu Theater- und Musikfestivals nach Russland, Kroatien, Rumänien, Taiwan, Singapur oder sogar nach Kanada.

Bernd Miebach findet interessant, was für Menschen sich im Gutshaus einfinden. Auch Werner Törber (84), der seit 1960 in einer Wohnung im Gutshaus wohnt, lange mit seiner Frau, die inzwischen schon verstorben ist, hat kein Problem mit den Gästen. „Ich komme gut klar“, sagt er und lächelt verschmitzt, „auch mit Herrn Miebach. Das war kein Problem als er hierher kam.“ Und so kann Werner Törber, der in Blieschendorf geboren wurde, natürlich auch seine eigenen Hühner auf dem Hof halten.

Daten und Fakten

Thorstorf gehört zur Gemeinde Warnow und liegt nördlich

des Kernortes. Die Landesstraße

L 02 verläuft südöstlich und

die B 105 südlich. Südlich liegt

der Santower See. Nordöstlich liegt die Wohlenberger Wiek,

eine südliche Ausbuchtung

der Wismarer Bucht.

Thorstorf wurde bereits im

Jahr 1279 erwähnt. Der Orts-

name ist slawischen Ursprunges und bedeutet so viel wie

Krähenort. Im 16. Jahrhundert

war es Sitz eines Zweiges der

Familie von Bassewitz. Später

wurde es Domäne; das heutige Gutshaus, das die Familie

Miebach aus Hamburg im Jahr 1999 erworben und renoviert

hat, stammt aus dem 19. Jahrhundert, wurde 1885 erbaut.

Von Thorstorf aus kommend

gabelt sich die Straße am

östlichen Ende von Bössow

an einer alten Eiche. An dieser Stelle steht ein Gedenkstein,

der an die Gefallenen des Deutsch-Französischen

Krieges von 1870/71 erinnert.

Aus dieser militärischen

Auseinandersetzung

entwickelte sich das geeinte

Deutsche Reich.

Die Eiche soll um 1875 durch

den Holzvogt des Gutes

Thorstorf, Hans-Joachim Vollert, gepflanzt worden sein.

In Thorstorf leben gegen-

wärtig 83 Einwohner.

In Warnow insgesamt leben

derzeit 355 Menschen.

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