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Nordwestmecklenburg Das tun Städte und Gemeinden für den Klimaschutz
Lokales Nordwestmecklenburg Das tun Städte und Gemeinden für den Klimaschutz
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19:45 08.02.2019
Wie in Zukunft Energie sparen? Jetzt sind Ideen aus den Gemeinden gefragt. Drei Ämter machen es vor. Quelle: PEXELS
Grevesmühlen/Wismar

Ob in der großen oder in der kleinen Politik, im Redenschwingen zum Thema Klimaschutz nehmen sie sich alle nichts. Worte wie „keine Zeit mehr verlieren“, „unbedingt Schaden abwenden“, „ökologisch verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen“ und „entschlossenes Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ kommen schnell über die Lippen. Aber wie der französische Schriftsteller und Historiker Ernest Renan schon zu sagen pflegte, bedeutet Reden nichts, die Tat alles.

Über regionale Energiekonzepte, verbunden mit Möglichkeiten der Energieeinsparung, wird auch im Landkreis Nordwestmecklenburg seit geraumer Zeit diskutiert. Diverse Ausschüsse, Stadt- und Gemeindevertretungen beschäftigen sich mit dem Thema. Bis auf wenige Ausnahmen würde der Landkreis nach Aussage von Hans-Jörg Rotermann, parteiloses Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft des Kreistages, aber nicht wirklich mit gutem Beispiel vorangehen.

Überzeugen der Gemeinden läuft zäh

Lediglich drei von neun Ämtern haben nach Aussage von Heiko Boje, beim Landkreis für die Regionalentwicklung zuständig, Klimaschutzprojekte angestoßen – zumindest auf dem Papier. Als einen „Wunschkatalog“ bezeichnet er die Energiekonzepte der Ämter Gadebusch, Rehna und Lützow-Lübstorf, die natürlich auf Freiwilligenbasis entstanden sind. Richtig viel Arbeit steckte das Amt Lützow-Lübstorf in die Energiebilanz. Um herauszufiltern, was in den Dörfern – auch bei Privatpersonen – in Richtung Klimaschutz passiert ist, sind Ehrenamtliche von Haus zu Haus gegangen und haben die Daten erfasst.

„Immerhin haben sich drei Ämter beteiligt, besser als nichts“, kommentiert Heiko Boje und verdeutlicht, dass das Überzeugen anderer Gemeinden und Ämter eher zäh sei. Die Sonne koste kein Geld, aber die Anlagen, die das Licht in Energie umwandeln, verdeutlicht er. Die mitunter klammen Kassen der Gemeinden würde ein Investieren in den Klimaschutz deutlich erschweren und auch Privathaushalte würden von den Anschaffungskosten abgeschreckt sein.

Bioenergiedörfer bleiben wohl noch lange ein Traum

Bei den Gemeinden kann der Landkreis nur initiieren und begleiten. Aber was tut er selbst für den Klimaschutz? An einigen der mehr als 30 kreiseigenen Gebäuden wie Schulen und Verwaltungen seien Fotovoltaikanlagen installiert, so unter anderem auf dem Dach des Gymnasiums „Am Tannenberg“ in Grevesmühlen. Zudem sei dort eine Hackschnitzelanlage verbaut. Die Malzfabrik im Ort ist an das Fernwärmenetz angeschlossen. Andernorts, wie in Wismar zum Beispiel, kritisiert Hans-Jörg Rotermann, würde mit millionenschweren Sanierungen von Schulen, wie der Integrierten Gesamtschule, das Thema zu wenig angepackt. Eine Diskussion um das Entwickeln eines Energiekonzepts für Wismarer Schulen soll nun noch einmal in den Bauausschuss des Kreistages aufgegriffen werden. Bisher gebe es nur ein teilweises Energiemonitoring, und das ist für Petra Kesper, Vorsitzende des Umweltausschusses, nichts Halbes und nichts Ganzes.

Bioenergiedörfer, wie Bollewick im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, bleiben wohl noch lange ein Traum. Aber in die Städte Grevesmühlen und Wismar geschaut, sind die auf einem guten Weg dorthin, doch haben sie auch starke Partner, wie den Zweckverband oder Stadtwerke, hinter sich. In Grevesmühlen wird schon seit einiger Zeit auf nachhaltige Weise Strom und Energie erzeugt – und zwar in einer Menge, mit der die gesamte Stadt versorgt werden kann. Zur Stromerzeugung nutzen die Grevesmühlener Stadtwerke Windkraftanlagen, Fotovoltaik, Biogas aus eigener Produktion oder Solarthermie. Der örtliche Zweckverband betreibt ein Klärgas-Blockheizkraftwerk, in dem das bei der mechanischen und biologisch-chemischen Reinigung der Abwässer entstehende Gas zur Wärme- und Stromerzeugung unter anderem im Gewerbegebiet Nordwest genutzt wird. Punkten kann der Ort auch mit seinem Verein „Stadt ohne Watt“, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, mit spannenden Projekten den Energieverbrauch so zu verändern, dass Grevesmühlen sich allein mit regenerativen Energien versorgt.

Wismar spart bereits 44 Tonnen CO2 im Jahr ein

Auch Wismar bleibt nicht stehen: Zwei Mini-Blockheizkraftwerke (BHKW) sorgen seit Mai 2018 für eine effizientere Wärmeversorgung am Platz des Friedens. Gemeinsam mit der Wobau haben die Stadtwerke im Hochhaus in der Rudolf-Breitscheid-Straße das klimaschonende Pilotprojekt realisiert, mit dem die bestehende Heizungsanlage unterstützt wird. Die Motoren werden mit Erdgas betrieben. 160 000 Kilowattstunden Strom und 360 000 Kilowattstunden Wärme werden pro Jahr erzeugt – und das mit einem erstaunlichen Wirkungsgrad von 90 Prozent. Herkömmliche Großkraftwerke erreichen häufig nur Wirkungsgrade von rund 40 Prozent. Gegenüber einer konventionellen Stromerzeugung spart allein diese kleine Anlage bereits 44 Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr ein.

Ein weiterer Vorteil der dezentralen Lösung: Am Platz des Friedens entsteht die Wärme dort, wo sie auch gebraucht wird und muss nicht mit Energieverlusten über weite Strecken transportiert werden. Mit Wärme versorgt werden auch eine Ladenzeile, eine Kita und eine Schule in der Nähe. Mit dem gleichzeitig erzeugten Strom wird die gesamte Heizungsanlage betrieben, der Rest wird in das Stromnetz eingespeist.

Geoportal

Der Landkreis Nordwestmecklenburg entwickelte für seine Internetseite mit Fördermitteln ein Energieportal – eine Bestandssammlung von Windrädern, Biogas- und Fotovoltaikanlagen mit jeweiligen Leistungen und Elektrotanksäulen. Genutzt wird es von der breiten Masse eher weniger, vor allem Fachplaner und Investoren nutzen den kostenlosen Dienst. Hinterlegt ist auch ein Wirtschaftlichkeitsrechner, der aufzeigt, ob sich ein Fotovoltaikanlage auf dem eigenen Haus lohnt.

In Nordwestmecklenburg soll demnächst ein Klimasparbuch verteilt werden. Es beinhaltet Vorschläge, wie man seinen Alltag Schritt für Schritt klimaschonend umgestalten kann. Erscheinen soll es in einer Auflage von 10000.

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