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Nordwestmecklenburg Dassow: Schüler und Lehrer gedenken des Mauerfalls
Lokales Nordwestmecklenburg Dassow: Schüler und Lehrer gedenken des Mauerfalls
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15:26 08.11.2019
Lehrer Maik Molder führt Schüler in Dassow zu einer Stele. Sie informiert über die frühere Grenze und deren Vorgeschichte. Quelle: Jürgen Lenz
Dassow/Selmsdorf

Doreen Fityka staunt, wie Dassow zur DDR-Zeit aussah. „Ich finde es interessant“, sagt die 15-Jährige. Wo sie in diesem Moment steht, war bis zur Wende von 1989/90 der Todesstreifen, der Deutschland Ost von Deutschland West trennte. Jetzt informiert dort eine Stele über die Grenze und deren Vorgeschichte. Lehrer der Regionalen Schule in Dassow führten am Freitag zahlreiche Kinder und Jugendliche an diese Stelle. Alle Schüler und Pädagogen der Bildungsstätte beteiligten sich an einem Gedenktag anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Mauerfall“.

Schulleiterin Sabine Kurda erklärt: „Es darf niemals vergessen werden, was vor dreißig Jahren geschehen ist.“ Dann nennt die Leiterin der Bildungsstätte einen weiteren Grund für den Gedenktag zum Jubiläum des Mauerfalls: „Wir haben unmittelbar an der Mauer gelebt.“

Unweit der Schule in Dassow verlief der Grenzstreifen mit Mauer, Zäunen und Stacheldraht. Quelle: Archiv Bundespolizeiakademie

Daran erinnerte am Freitag auch der Dassower Burkhard Wunder. Er sagte: „Dassow hat durch die unmittelbare Nähe zur Grenze eine Mauer bekommen.“ Sie stand nördlich der heutigen B 105 und reichte in Richtung Osten bis in die Nähe der damaligen Polytechnischen Oberschule „Ernst Puchmüller“.

Dassower See gehörte zum Westen

Burkhard Wunder und Hans Espenschied waren am Freitag als Zeitzeugen in der Schule. Die beiden Männer vom Heimat- und Tourismusverein „Tor zur OstseeDassow informierten über die Grenze unweit der Stadt und deren Vorgeschichte. Burkhard Wunder machte klar: Am Rand von Dassow verliefen schon vor Jahrhunderten Grenzen. Die Brücke über die Stepenitz war lange Zeit als „Dreiherrenbrücke“ bekannt. Sie grenzte sowohl an das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin als auch an das Fürstentum Ratzeburg und das Hoheitsgebiet der Hansestadt Lübeck, die darüber bestimmte, wer auf dem Dassower See fischen durfte und wer nicht. Zur DDR-Zeit gehörte das Gewässer zum Westen.

Für Schüler las Burkhard Wunder am Freitag eine Geschichte über eine Flucht über den Dassower See von Ost nach West vor. Die Autorin Christine Vogt-Müller hat sie recherchiert und aufgeschrieben.

Am 22. Januar 1990 startet in Dassow der Abbau der Grenzanlagen. Anwohner verfolgen den Abriss der Betonmauer. Quelle: Hartmut Klonowski

Burkhard Wunder und der Vereinsvorsitzende Hans Espenschied informierten am Freitag auch über das Projekt „Grenzenlos von Lübeck bis Boltenhagen“, das Angela Radtke aus Dassow-Vorwerk initiiert und wesentlich geprägt hat. An zahlreichen Stellen nahe der ehemaligen Grenze stehen jetzt Stelen mit Informationen über Geschichte und Gegenwart sowie Karten der Region. Eine weitere Stele wird am 9. November gegen 9 Uhr vom Selmsdorfer Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) und dessen Lübecker Amtskollegen Jan Lindenau (SPD) enthüllt. Sie steht an der Straße, die das Selmsdorfer Gemeindegebiet mit Lübeck-Schlutup verbindet.

Fotos von Dassow zu DDR-Zeit und heute

Hans Espenschied und Burkhard Wunder zeigten den Schülern am Freitag Fotos von Dassow in der Zeit der DDR und von heute. Eines wusste Doreen Fityka schon vorher: dass am Rand von Dassow eine Mauer stand. Verwandte haben es ihr erzählt.

Die Lehrer in der Regionalen Schule in Dassow und deren Zweigstelle in Selmsdorf boten den Schülern am Freitag zahlreiche Gelegenheiten, sich mit Ereignissen zu Zeiten der DDR und der Wende zu beschäftigen. Sabine Kurda berichtet: „Auch die Eltern wurden sensibilisiert und einbezogen.“ Die Schule wandte sich an Mütter und Väter mit der Bitte, ihren Kindern Dinge mitzugeben, die in der DDR weit verbreitet waren. Die Gegenstände werden nach Auskunft der Schulleiterin eventuell am 28. November in einer Ausstellung präsentiert. Dann lädt die Schule zum Tag der offenen Tür ein: in Dassow von 17 bis 19 Uhr, in Selmsdorf von 16 bis 18 Uhr.

Die beiden Dassower Burkhard Wunder (l.) und Hans Espenschied berichten als Zeitzeugen über die Geschichte der innerdeutschen Grenze. Quelle: Jürgen Lenz

Am Freitag konnten Schüler der Klassen fünf bis zehn Fragebögen zum Mauerfall auswerten, Gespräche mit Zeitzeugen führen, einen Dokumentarfilm und die Filmkomödie „Sonnenallee“ ansehen, sich an einem Quiz beteiligen, Musik der Wendezeit hören, zum früheren Grenzstreifen gehen und vieles mehr. Die Grundschüler in Dassow befassten sich bereits am Donnerstag mit Themen rund um das Jubiläum „30 Jahre Mauerfall“.

Dassower Mauer fiel am 22. Januar 1990

Auch Dassow hatte eine Grenzmauer. Sie stand nördlich der Fernverkehrsstraße 105, der heutigen B 105. 1972 hatte das Grenzregiment ihren Bau gefordert. Zuvor gelangen mehrere Fluchten über den nahe gelegenen Dassower See. Im Frühjahr 1979 war die zweieinhalb Kilometer lange Mauer fertig.

Wie erlebte Sabine Kurda das historische Ereignis? Ausgerechnet am Abend des 9. November war sie eher ins Bett gegangen. Am Morgen erfuhr sie in der Schule vom Mauerfall. Sie erzählt: „Ich war dann am Wochenende natürlich auch in Lübeck.“

Über den Autor

Von Jürgen Lenz

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