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Nordwestmecklenburg Dem zerstörerischen Nagekäfer auf der Spur
Lokales Nordwestmecklenburg Dem zerstörerischen Nagekäfer auf der Spur
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12:57 14.06.2019
Isabelle Huk (24) sammelt in einem Nebenraum des Bechelsdorfer Schulzenhauses Nagekäfer auf. Quelle: Jürgen Lenz
Schönberg

Im Bechelsdorfer Schulzenhaus ist der Wurm drin – und zwar im wörtlichen Sinn. In dem fast 500 Jahre alten Hauptgebäude des Freilichtmuseums in Schönberg hat sich der Holzwurm ausgebreitet. Wobei „Holzwurm“ nicht ganz das richtige Wort ist. „Es ist kein Wurm, sondern die Larve eines Käfers“, stellt Isabell Huk richtig. Die Studentin der Hochschule Wismar kennt sich mit Holzschädlingen bestens aus. Im Bechelsdorfer Schulzenhaus recherchiert sie das Vorkommen des Nagekäfers und seiner Feinde. Sie hat festgestellt: „Hier ist ein großer Befall.“

Isabell Huk studiert Bauingenieurwesen. Ihre Professorin ist für das Fach „Technischer Holzschutz“ zuständig und schlug ihr das Thema vor, mit dem sie sich nun für ihre Bachelorarbeit beschäftigt. Auf das Bechelsdorfer Schulzenhaus kam die Studentin durch einen Hinweis der Denkmalbehörde. „Sie haben mich hierher weitergeleitet“, berichtet Isabell Huk. Ihre Recherchen betreibt die 24-Jährige nicht nur im Bechelsdorfer Schulzenhaus. Weitere Forschungsobjekte sind ein Ferienhaus in Boltenhagen und ein Stall der alten Meierei in Rehna. Auch diese Gebäude sind von Holzschädlingen befallen.

Eine Grundlage für Isabell Huks Untersuchungen im Bechelsdorfer Schulzenhaus ist ein sogenanntes Monitoring. Die Studentin misst Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht. Um zu sehen, wo die Holzschädlinge ihre Fluglöcher verlassen, hat sie einige Stellen mit Papier abgeklebt. „Die Hauptflugzeit ist im Juni“, sagt die Studentin. Sie erklärt: „Die Käferform ist nur dafür da, um sich fortzupflanzen.“

Allwöchentlich sieht sich Isabell Huk die Klebefallen an, die sie in einem Nebenraum des Bechelsdorfer Schulzenhaus angelegt hat. Es sind Plastikstreifen mit einer klebrigen Oberfläche. „Ich kontrolliere wöchentlich“, berichtet die Studentin. Gefunden hat sie nicht nur den Gewöhnlichen Nagekäfer, der hier vor allem vorkommt, sondern ebenso einen seiner natürlichen Feinde, den Blauen Nagekäfer.

Tierchen, die auf den Fußboden gefallen sind, sammelt Isabell Huk auf. Dann füllt sie sie in kleine Behälter.

Findet sie die Forschungen und Ergebnisse interessant? „Ja, natürlich“, antwortet die Studentin. Sie ist froh, dass der Schönberger Museumsleiter ihr sofort die Recherchen erlaubt hat. Olaf Both erläutert auf dem Denkmalhof: „Ich finde es immer gut, wenn Menschen sich für die Gebäude hier und die Probleme interessieren.“ Vor zwei Jahren beispielsweise habe eine Studentin aus Leipzig ein Modell des Schulzenhauses gebaut.

Das Bechelsdorfer Schulzenhaus ist knapp 200 Jahre alt. Seit Ende der 1960er-Jahre steht es in Schönberg. Quelle: Jürgen Lenz

Wie berichtet, empfehlen Mitarbeiter der auf holzzerstörende Insekten spezialisierten Firma Noldt Consulting eine intensive Grundreinigung und eine Bekämpfung des gesamten Gebäudes mittels Heißluft, feuchte-regulierter Warmluft oder Begasung. Die erhofften Zuschüsse hat das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege nach Olaf Boths Auskunft jedoch nicht bewilligt. Der Museumsleiter sagt: „Wir tun, was wir können, um das Geld woanders herzubekommen.“

Infos für Besucher

Geöffnet ist der Denkmalhof „Bechelsdorfer Schulzenhaus“ in Schönberg dienstags von 13 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags von 11 bis 18 Uhr, sonnabends von 13 bis 18 Uhr sowie zu anderen Zeiten nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 038 828 / 348 993. Eintrittspreis: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro. Ein Kombiticket für den Denkmalhof, Johann-Boye-Straße 7, und das Volkskundemuseum im Koch’schen Haus, Am Markt 1, kostet 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Kinder bis sechs Jahre genießen freien Eintritt.

Isabell Huk wird nach ihrem Bachelor ein Masterstudium in Wismar beginnen. Ein Exemplar ihrer Bachelorarbeit wird im Schönberger Museum einzusehen sein.

Jürgen Lenz

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