Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Deponie-Chefs treten Vorwürfen entgegen
Lokales Nordwestmecklenburg Deponie-Chefs treten Vorwürfen entgegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:28 23.11.2018
Bis zu 100 Meter hoch ist die Deponie Ihlenberg - und damit deutlich höher als die namensgebende Erhebung. Quelle: Jürgen Lenz
Selmsdorf

 Informieren, Zusammenhänge erläutern, auf Fragen antworten: Beate Ibiß und Norbert Jacobsen setzen als Geschäftsführer der Ihlenberger Abfallentsorgungsgesellschaft den Kurs fort, den sie bei ihrem Amtsantritt im Frühjahr 2015 eingeschlagen haben – auch nach öffentlich gemachten Vorwürfen von Stefan Schwesig, der unmittelbar vor Ende seiner Arbeit für die IAG den Deponie-Chefs vorwarf, ihre Entscheidungen zur Annahme von Abfällen würden dem Hauptziel des landeseigenen Unternehmens widersprechen: die mit der Ablagerung verbundenen Risiken minimieren.

Am Donnerstagabend stellten sich die beiden Geschäftsführer den Fragen und Sorgen von Einwohnern der Gemeinde Selmsdorf. Jacobsen kritisierte, Schwesig habe die Deponieverordnung teilweise nicht verstanden. Seine Angaben seien in wesentlichen Punkten „fachlich vollkommen verkehrt.“

Deponie will für Transparenz stehen

Die beiden Geschäftsführer besuchten am Donnerstagabend ein Treffen des Selmsdorfer Bau- und Umweltausschusses. Beate Ibiß betonte, die Deponie Ihlenberg wolle weiter für Transparenz stehen. Sie nehme die Sorgen von Menschen in der Region sehr ernst.

Der Selmsdorfer Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) sagte: „Wichtig ist, dass eine Informationsveranstaltung für die Bürger stattfindet.“ Mit diesem Wunsch und der Forderung nach lückenloser Aufklärung stößt Kreft bei den Chefs der IAG dem Vernehmen nach auf offene Türen.

„Wir haben nichts zu verstecken.“

Beate Ibiß sagt: „Wir haben nichts zu verstecken.“ Sobald ein externes Gutachten im Aufsichtsrat vorliege, seien sie und Jacobsen bereit, in einer Einwohnerversammlung auf jede Frage zu antworten. Die Geschäftsführung befürworte das Gutachten. Es werde am 29. November im Aufsichtsrat vorgestellt.

„Wir prüfen schärfer, als es das Gesetz vorgibt“, sagt Norbert Jacobsen, Geschäftsführer der IAG. Quelle: Jürgen Lenz

Beate Ibiß wandte sich am Donnerstagabend gegen Vorwürfe, die IAG sorge nicht dafür, dass Risiken für Mensch und Umwelt minimiert werden. Die Deponie-Chefin betonte: „Wir hängen den Gesundheits- und Arbeitsschutz zusammen mit dem Betriebsrat sehr hoch.“ Gerade in den Gesundheits- und Umweltschutz werde von der IAG sehr viel investiert – eine Angabe, die der Betriebsrat bestätigt.

Keine Gefährdung der Mitarbeiter

Jacobsen betonte: „Es besteht keine Gefährdung von unseren Mitarbeitern.“ Auch gebe es keine negative Beeinträchtigung für die Umwelt. Abfallproben mit sehr hohen Schadstoffwerten seien die absolute Ausnahme. Stefan Schwesig habe aber so getan, als ob sie die Regel wären. Von mehr als 13 000 Proben seien nur elf tatsächlich so relevant gewesen, wie Schwesig es dargestellt habe. Das Kontrollsystem der IAG solle dazu diesen, diese „Ausreißer“ zu vermeiden. Würden sie trotzdem festgestellt, werde dies der zuständigen Behörde gemeldet. Gegebenenfalls würden weitere Transporte des Anlieferers nicht angenommen und, wenn nötig, bereits deponierter Abfall wieder ausgebaut.

Einen Rückbau habe er noch nicht erlebt, es sei aber schon vorgekommen, dass Anlieferungen zurückgewiesen wurden, sagte Jacobsen am Donnerstagabend nach einer Frage des Selmsdorfer Haat-Hedlef Uilderks. Jacobsen betonte: „Wir prüfen schärfer, als es das Gesetz vorgibt.“ Wenn eine einzelne Probe die zulässigen Werte überschreite, lasse sich daraus nicht der Schluss ziehen, dass eine Gefahr für Mensch und Umwelt besteht. Die IAG habe viele Sicherungsmaßnahmen.

Aus dem Ausland kommt weniger als fünf Prozent des Abfalls. Jacobsen betonte: „Unserer Hauptaufgabe ist, die Entsorgungssicherheit in Norddeutschland sicherzustellen.“

Mehr lesen:  Deponie Ihlenberg: MV verstärkt Ermittlungen

Lübecker Politiker erheben schwere Vorwürfe

Oppositionsantrag zur Deponie Ihlenberg wird im Landtag unterstützt

Schwere Vorwürfe gegen Wirtschaftsminister

Gift im Müll? Schwesigs Mann erhebt Vorwürfe gegen Deponie Ihlenberg

Jürgen Lenz