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Nordwestmecklenburg Der Zufall bescherte dem Flughafen einen Investor
Lokales Nordwestmecklenburg Der Zufall bescherte dem Flughafen einen Investor
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20:34 04.07.2014
Viele Passagiere am Flughafen Lübeck — so stellen sich die neuen Eigentümer die Zukunft in Blankensee vor. Quelle: Guido Kollmeier
Lübeck

Gesundheitswesen, Luftfahrt, öffentliche Infrastruktur, Medien, erneuerbare Energien, Rohstoffe — der neue Inhaber des Lübecker Flughafens ist in vielen Branchen unterwegs. Die PuRen-Gruppe mit Sitz in Peking hat den Airport gekauft und übernimmt den Betrieb zum 1. August, wenn die Bürgerschaft zustimmt.

Der Deal entspringt allerdings einem Zufall. Der Lauenburger Bürgermeister Andreas Thiede (CDU), der PuRen seit vier Jahren kennt, hatte Vertreter aus China zu Besuch. Thiede: „Wir haben über verschiedene Projekte gesprochen, als sie fragten, ob ich nicht einen Flughafen für sie hätte.“ Thiede hatte und verwies auf den insolventen Regionalairport in Blankensee. Zusammen mit der Wirtschaftsförderung Schleswig-Holstein stellte er den Kontakt zum Flughafen her. Lauenburgs Bürgermeister ist einer der wenigen, der die chinesische Firma seit Jahren kennt. „Es ist ein sehr großes und finanzstarkes Unternehmen.“ PuRen würde auch mehrere Krankenhäuser in China betreiben.

Die erst vor vier Wochen gegründete deutsche Tochtergesellschaft PuRen Germany sitzt in Lauenburg. Ihr Firmensitz soll vom Fürstengarten in den Sandkrugweg nach Schnakenbek verlegt werden, wo die Chinesen für eine Million Euro ein Anwesen erworben haben. Alleiniger Gesellschafter der deutschen Tochter ist Yongqiang Cheng, Vorstandschef der Gruppe.

Damit die Chinesen den Betrieb in Blankensee auch wirklich übernehmen können, muss die Bürgerschaft als Verpächter der Flächen dem Deal in ihrer Sondersitzung am 10. Juli zustimmen. PuRen Germany muss bis Mitte Juli mit einem Kapital von zwei Millionen Euro ausgestattet sein. Dafür erhalten die Chinesen bis zu 5,5 Millionen Euro Investitionszuschuss von der Stadt, die auch schon dem Vorgänger Prof. Mohamad Rady Amar und seiner Yasmina Flughafenmanagement GmbH zugesagt worden waren.

Der neue Eigentümer sagt auch Experten im China-Geschäft nichts. Schulterzucken bei der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft in Kiel. Bei der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung HWF ist man skeptischer, vor allem nach den schlechten Erfahrungen mit dem Investor Pang am Flughafen Parchim in Mecklenburg. „Wir kennen die Firma PuRen nicht", sagt Sprecher Andreas Köpke. Man habe daher das Büro in Shanghai gebeten, nähere Auskünfte einzuholen. Die sollen Anfang kommender Woche vorliegen. Manuel Gimple, Vorsitzender der deutsch-chinesischen Wirtschaftsvereinigung in Norddeutschland: „Wir hoffen, dass es am Flughafen Blankensee positiv weitergeht.“ Seine Erfahrung sei, dass chinesische Unternehmen durchaus „einen strategischen Ansatz verfolgen, wenn sie Firmen kaufen“. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck begrüßt, dass ein Investor gefunden wurde. „Der Investor PuRen Germany ist Mitglied der IHK“, erklärt Hauptgeschäftsführer Lars Schöning, „persönliche Kontakte hat es allerdings bisher nicht gegeben.“ Eine detaillierte Bewertung könne die Kammer erst abgeben, wenn das Konzept vorliegt. Schöning: „Die bisherigen Verlautbarungen sind aber im Sinne der Wirtschaft.“

PuRen will den Medizintourismus ankurbeln. Das begrüße das Uniklinikum, erklärt UKSH-Sprecher Oliver Grieve: „Der Medizintourismus gewinnt für Schleswig-Holstein zunehmend an Bedeutung.“ Süddeutsche Kliniken wie München, Heidelberg oder Freiburg seien da besser im Geschäft, würden schätzungsweise 2000 ausländische Patienten pro Jahr behandeln. Am UKSH seien es 400.

Die 93-köpfige Belegschaft des Airports ist erst einmal erleichtert, dass es weiter geht. Der neue Betriebsratsvorsitzende Kristian Kagel: „Wir sind positiv überrascht, dass in so kurzer Zeit ein Investor gefunden wurde.“ Vor allem einer, der den Airport „in allen Facetten“ weiterführen wolle und sämtliche Mitarbeiter übernehme. Kagel: „Alle Arbeitsplätze sind gerettet.“

Die Linke drängt die Stadtverwaltung darauf, bis zur Sondersitzung umfassende Informationen über die Chinesen zusammenzustellen. „Ich erwarte, dass die Vorlage auch darüber Auskunft gibt, was hinter dem Investor steht und in welchem Zustand seine Firmen sind“, erklärt der Bürgerschaftsabgeordnete Ragnar Lüttke, „bisher ist die Informationslage sehr dünn.“

LÜBECKS STRASSEN
Moenring: Die Straße im Stadtteil St. Jürgen gehört zum Neubaugebiet Bornkamp, in dem alle Straßen geografische Bezeichnungen haben. Moen ist eine Insel im dänischen Teil der Ostsee.
Sie kann als Schwesterinsel von Rügen bezeichnet werden. Die Inselgebiete, welche aus Muschelkalk bestehen, wurden zur selben Zeit durch tektonische Bewegungen an die Erdoberfläche gedrückt. Die beiden Inseln gehören zu einer größeren Landmasse, von der in dieser Region nur noch die beiden genannten Inseln übrig sind.
Quelle: „Warum der Kohlmarkt ,Kohlmarkt‘ heißt“, Archiv der Hansestadt Lübeck, Verlag Schmidt-Römhild, 29,80 Euro.

tja/wh/jvz/dor

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