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Nordwestmecklenburg Deutsch geschafft: Nun wollen sie ihren Schulabschluss
Lokales Nordwestmecklenburg Deutsch geschafft: Nun wollen sie ihren Schulabschluss
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21:22 18.08.2018
Aya (20) und Sara (18) wollen ihren Abschluss der zehnten Klasse machen. Richterin und Ärztin – das waren ihre Traumberufe. Quelle: Foto: Nicole Buchmann
Wismar

Wenn alles klappt, wird Sara Diab wohl von Herbst an aus der Hansestadt Tag für Tag nach Schwerin fahren. Dort an der Volkshochschule will die 18-Jährige die mittlere Reife machen. Ein Übergang vom Sprachkurs in die reguläre Schule – für sie wie für viele andere junge Frauen und Männer – ist nicht mehr möglich. Die Schulpflicht hat für sie längst geendet. Nun, da sie die drei erforderlichen Zertifikate über entsprechende Deutschkenntnisse und die Berufsreife mit sehr guten Noten nachweisen kann. Fast zwei Jahre hat das gedauert. Und Sara ist eine von den erfolgreichen Lernerinnen. Erst Anfang Juli hatten wir über einen ähnlichen Fall berichtet. Ein junger Afghane hatte mit Bestnoten die Berufsreife im Produktiven Lernen an der Ostsee-Schule nach nur einem Jahr geschafft. Eigentlich sind dafür zwei Jahre vorgesehen. Anschließend bestand er auch den Aufnahmetest für die mittlere Reife an der Volkshochschule in Wismar.

Auch für ihn hatte es nach dem Schulgesetz auf Grund seines Alters keine Möglichkeit mehr gegeben, eine reguläre zehnte Klasse zu besuchen.

Der Weg über die Berufsreife hin zur Volkshochschule ist mitunter wegen des Wissensstandes notwendig, mitunter ist er es nicht. Dann beispielsweise, wenn die jungen Menschen die zehnte Klasse schon in ihren Heimatländern abgeschlossen haben. Wie Aya.

Ihr Zeugnis liegt derzeit im Bildungsministerium, die Übersetzung bezahlt vom Jobcenter, Aya wartet auf die Anerkennung. Jura wollte sie studieren, schon als Kind Richterin werden. Aya und Sara waren 2014 aus Syrien geflüchtet. Versuchten dann zunächst, in der Türkei zurechtzukommen, gingen arbeiten anstatt zur Schule. „Der Weg zum Traumberuf ist unter diesen Umständen lang“, sagt Hilke Berkels, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte im Landkreis Nordwestmecklenburg. Nun sei darüber nachzudenken, wie die Bedingungen und Modalitäten an die Wirklichkeit angepasst werden können, ergänzte Gudrun Sturmheit, Fachdienstleiterin Bildung im Landkreis. „Dabei geht es nicht darum, den Zugang zu Bildung leichter zu machen, sondern eine flexiblere Durchlässigkeit zu erreichen“, sagt Sturmheit.

Die Frage sei beispielsweise, ob jemand, der eine Bäckerlehre machen wolle, zwingend auch Englisch lernen müsse. Aufgabe müsse es sein, junge Leute darin zu unterstützen, erfolgreich ihren Schulabschluss zu machen, sagt Berkels. „Das soll dann für alle gelten, die Hilfe brauchen – nicht nur für junge Zuwanderer.“ Geld stünde dem Landkreis noch aus den Mitteln des Landes zur Verfügung. 400000 Euro.

Was dafür fehlt, sind jedoch Kapazitäten. In Wismar wird es von Herbst an nur einen Kurs geben, der zur mittleren Reife führt. Ein Blick in den Nachbarlandkreis Ludwigslust-Parchim und nach Schwerin offenbart ein ähnliches Bild. Unterstützt werden die Kursteilnehmer dort jedoch mit Nachhilfe. Zudem kümmert sich ein festangestellter pädagogischer Mitarbeiter um die Teilnehmer. Gleiches wird auch in den Landkreisen Rostock und Vorpommern-Greifswald praktiziert. Berkels nennt das eine interessante Idee. „Wir werden uns mit den Bildungskoordinatorinnen der anderen Landkreise zusammensetzen und diese Möglichkeiten in unserem Landkreis besprechen“, kündigte sie an.

„Wir haben schon vor zwei Jahren gesehen, was auf uns zukommt, und uns zusammengesetzt mit Jobcenter und Volkhochschule“, berichtet Heidrun Dräger vom Büro Chancengleichheit im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Derzeit würden junge Frauen und Männer in jeweils einer Klasse die Berufsreife beziehungsweise die Berufsschulreife erwerben. „Nach einem Jahr haben die jungen Leuten dann einen Abschluss“, sagt Dräger. Beide Schulwege bietet die kreiseigene Volkshochschule an. Das berufsvorbereitende Jahr für Ausländer hingegen reiche weder für das Erlernen der Sprache aus noch dafür, den unterschiedlichen Wissensstand der Schüler auszugleichen. „Das wird uns weiter beschäftigen – denn EU-Ausländer haben das gleiche Problem, wenn sie in diesem Alter hier ankommen.“ Das seien schon lange keine Einzelfälle mehr, sagt Dräger. Und die Wirtschaft im Land brauche die jungen Menschen mehr denn je.

Laut Landesverband der Volkshochschulen sind durchschnittlich ein Drittel der Teilnehmer ausländischer Herkunft. „Eine Idee könnte sein, die Kurse zur mittleren Reife von zwei auf vier Semester auszudehnen“, sagt Verbandsgeschäftsführerin Ines Schmidt. Sara, Aya und fünf weitere junge Männer aus der Berufsschulklasse hoffen nun darauf, dass sie ihren Weg zu einem Schulabschluss ohne Unterbrechung weitergehen können.

Nicole Buchmann

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