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Nordwestmecklenburg Der zähe Kampf ums Stadtbild
Lokales Nordwestmecklenburg Der zähe Kampf ums Stadtbild
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15:53 04.07.2019
Die Baulücke in der August-Bebel-Straße. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Im Januar 2004 wurde das Gebäude in der August-Bebel-Straße abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen. Doch das Vorhaben scheiterte. Auch 15 Jahre später hat sich nichts getan. Und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Trotz einer rechtskräftigen Entscheidung, die die Stadt erwirkt hat. Es gebe ein Baugebot, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung. Seit über zehn Jahren fordert die Stadt vom Eigentümer, der seit geraumer Zeit abgetaucht ist, etwas zu unternehmen an dieser Stelle. Ohne Erfolg.

An anderen Stellen hat sich der Druck der Stadtverwaltung ausgezahlt. Denn die Zahl der Bauruinen in Grevesmühlen sei inzwischen deutlich gesunken. Die ehemalige Sparkasse in der August-Bebel-Straße, die kurz nach der Wende leergezogen worden war, gehörte dazu. Ebenso wie das Eckhaus Bebel-Straße/Schulstraße. In beiden Fällen hat die Wobag, das kommunale Wohnungsunternehmen der Stadt, nach jahrelangen Verhandlungen den Zuschlag erhalten und Wohn- und Geschäftshäuser errichtet.

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Ehemalige Verkaufsstelle sorgt für Frust bei den Anwohnern

Doch noch immer gibt es Gebäude in der Stadt, die die Gemüter erregen. Als Bürgermeister Lars Prahler zusammen mit dem Bauamt, Vertretern des Ordnungsamtes und des Bauhofes in mehreren Stadtteilen unterwegs war, um mit den Anwohnern zu sprechen, machten die Leute aus dem AWG-Viertel ihrem Ärger Luft. Die ehemalige Verkaufsstelle in dem Areal steht seit etlichen Jahren leer. Warum denn dort nichts passiere, wollten die Anwohner vom

Die ehemalige Verkaufsstelle im AWG-Viertel. Quelle: Michael Prochnow

Bürgermeister wissen. „Weil die Stadt nur reagieren kann, wenn beispielsweise eine Gefahr von dem Grundstück ausgeht oder absehbar ist, dass dauerhaft nichts passiert“, so Prahler. Im Fall der ehemaligen Verkaufsstelle sei der Eigentümer der Stadt bekannt, auch durch Auseinandersetzungen im Hinblick auf andere Immobilien. „Aber die rechtlichen Möglichkeiten der Stadt sind begrenzt. Und jeder Widerspruch gegen eine Entscheidung verzögert das Verfahren weiter.“

Ehemaliges Carport ist heute offiziell eine Rankhilfe für Rosen

Das ehemalige Carport auf dem Karl-Liebknecht-Platz ist offiziell eine Rankhilfe. Quelle: moritz

Bestes Beispiel ist das ehemalige Carport auf dem Karl-Liebknecht-Platz. Dort hatte ein Anwohner einen Unterstand für sein Auto errichten lassen. Rechtswidrig, wie Stadt und Landkreis feststellten. Der Rechtsstreit ist beendet, das Carport als solches darf nicht mehr genutzt werden. „Der Eigentümer hat das Bauwerk als Rankhilfe für Rosen deklariert, ein Carport gibt es dort offiziell nicht mehr“, erklärte Lars Prahler den Anwohnern. Der Eigentümer wollte sich auf Anfrage der Redaktion nicht zu den Immobilien äußern.

Denkmalschutz sorgt für Probleme

In der Kleinen Seestraße sorgt ein Bauzaun bei Autofahrern und Fußgängern für Frust, weil der Zaun den ohnehin sehr schmalen Gehweg versperrt und in der Vergangenheit teilweise soweit auf die Straße ragte, dass er die Autofahrer behinderte. Dem Eigentümer sind in diesem Fall die Hände gebunden, die Absicherung verbindlich. Denn wie der Landkreis mitteilte, stehe das Gebäude unter Denkmalschutz mit den entsprechenden Auflagen. Bedeutet: Abriss nicht möglich.

Der Gebäudekomplex in der Schweriner Landstraße in Grevesmühlen. Quelle: Jana Franke

In einem anderen Fall hat die Stadt sich der Ruine angenommen, das Gebäude am Tannenbergsportplatz hat die Stadt Grevesmühlen vor wenigen Monaten gekauft. Was daraus werden soll, steht noch nicht fest. Geplant ist der Abriss der Ruine.

So funktioniert ein Baugebotsverfahren

Laut Paragraf 176 des Baugesetzbuches kann eine Kommune von einem Eigentümer verlangen, dass er die Vorgaben der Verwaltung umsetzt. Oder anders ausgedrückt: Wenn mit einem Grundstück innerhalb einer angemessenen Frist nichts passiert, kann die Stadt oder die Gemeinde rechtliche Schritte einleiten. So heißt es in Absatz 7: „Mit dem Baugebot kann die Verpflichtung verbunden werden, innerhalb einer zu bestimmenden angemessenen Frist den für eine bauliche Nutzung des Grundstücks erforderlichen Antrag auf Erteilung einer bauaufsichtlichen Genehmigung zu stellen.“ Absatz 8: „Kommt der Eigentümer der Verpflichtung nach Absatz 7 auch nach Vollstreckungsmaßnahmen auf Grund landesrechtlicher Vorschriften nicht nach, kann das Enteignungsverfahren nach § 85 Abs. 1 Nr. 5 auch vor Ablauf der Frist nach Absatz 1 eingeleitet werden.“

 

Michael Prochnow

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