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Nordwestmecklenburg „Die MV Werften sind ein Geschenk für Wismar und die Region“
Lokales Nordwestmecklenburg „Die MV Werften sind ein Geschenk für Wismar und die Region“
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21:10 07.01.2017
Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) an seinem Lieblingsort im Wismarer Hafen. Im Hintergrund befindet sich die Dockhalle der MV Werften, wo bald Kreuzliner gebaut werden. Quelle: Foto: Peter Preuss
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Wismar

LN: Herr Beyer, das vergangene Jahr hat Ihnen mit den MV Werften ein großes Geschenk bereitet. Ist es so?

Beyer: Ja! Das ist für die Stadt und Region eine Riesenchance.

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LN: Erwarten Sie von den MV Werften auch Steuereinnahmen?

Beyer: Erstmal erwarte ich neue Jobs, Aufträge für Firmen unseres Landes und weitere Firmenansiedlungen. Darüber hinaus wird es einen kräftigen Entwicklungsschub insgesamt geben. Menschen aus der Region und weitere, die hierher ziehen werden, haben für sich und ihre Familien eine Zukunft. Wenn dann auch zusätzliche Steuereinnahmen kommen, werde ich bestimmt nicht nein sagen.

LN: Sie haben kürzlich davon gesprochen, dass Wismar bald eine Heimat sein könnte für etwa 50 000 Menschen. Eine Vision?

Beyer: Natürlich ist das auch eine Vision. Sie ist aber nicht aus der Luft gegriffen. Wir haben erfreulicherweise seit einigen Jahren wachsende Einwohnerzahlen, mehr Kinder werden geboren, und wir haben mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Das hängt auch damit zusammen, dass viele Unternehmen wachsen, investieren und mehr Leute einstellen. Das ist super, und deshalb spreche ich von einer wachsenden Stadt. Dann darf man auch mal die Vision von einer Stadt mit 50 000 Einwohnern haben.

LN: Schon jetzt sind Kita- und Schulplätze in Wismar knapp. Ganz zu schweigen von Wohnraum. Gleiches gilt für Gewerbeflächen. Wann und wie sprengt Wismar seine Stadtgrenzen?

Beyer: Zu allererst werden wir mit der eigenen Infrastruktur nachziehen. Das heißt konkret, dass neue Kitas gebaut werden. Auch in die Schulen werden wir investieren. Bezüglich des Wohnraumes widerspreche ich Ihnen, denn wir haben ausreichend vermietbaren Wohnraum. Was wir brauchen, sind weitere Wohngrundstücke. Deswegen werden die Flächen in Wendorf, an der Lübschen Burg, Am Klußer Damm, am Friedenshof und andere doch auch erschlossen. Aber, Sie haben natürlich Recht, die Entwicklung wird auch die Umlandgemeinden betreffen. Ich will nicht die Grenzen sprengen, aber intensive Gespräche mit den Gemeinden führe ich und werde ich weiterführen. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hornstorf, bezüglich des Großgewerbegebietes am Autobahnkreuz, ist ein gutes Beispiel.

LN: Aufgrund der Finanzkrise 2008 und der Kreisgebietsrefom musste Wismar Federn lassen, vor allem in finanzieller Hinsicht. Das Innenministerium bestimmt mit beim Geldausgeben. Was bleibt auf der Strecke?

Beyer: In der Tat ist es so, dass wir durch die Kreisgebietsreform jährlich etwa vier Millionen Euro weniger zur Verfügung haben. Das kann man nicht so ohne Weiteres wegstecken. Deshalb wurde durch die Stadt vor allem in den Bereichen investiert, in denen Fördermittel zur Verfügung stehen. Diese Investitionen können sich sehen lassen. Die Stadt ist schöner und die Infrastruktur besser geworden. Künftig müssen wir uns natürlich den Bereichen widmen, für die es bisher nicht so viele Fördermittel gab.

LN: Während das UNESCO-Welterbe dank vieler Fördermittel hübsch gemacht wurde, sind aber seit der Wende einige vernachlässigt worden. Beispiel Kagenmarkt zwischen Philosophenweg und Altstadt, die ehemalige Malzfabrik oder der Bereich rechts neben der Hochbrücke in Richtung Rostock. Warum wurden diese Ecken in der städtebaulichen Entwicklung bislang nicht angefasst?

Beyer: Aber Halt, Herr Preuß, am Kagenmarkt haben wir doch gewaltig investiert, nicht nur wir, sondern auch die Wohnungsunternehmen und die Firma Markant. Außerdem baut zwischen Rabenstraße, Poeler Straße und Philosophenweg ein privater Investor zusätzlich altersgerechte Wohnungen. Weitere Aufwertungen werden sicher nach Fertigstellung der Straßenunterführung in der Poeler Straße folgen.

Die Malzfabrik ist Privateigentum. Für den ganzen Bereich dort gilt, dass wir zunächst wissen müssen, wie der künftige Verlauf der Hochbrücke sein wird. Auf der anderen Seite der Hochbrücke, im Bereich Gerbergrund, soll übrigens ebenfalls eine neue Kita gebaut werden. Auch das wird das Quartier aufwerten.

LN: Stichwort: Parken in der Altstadt. Das Parkraumkonzept wurde evaluiert. Verraten Sie uns erste Ergebnisse?

Beyer: Nun, den Evaluierungsbericht haben wir online gestellt. Er ist über die Textrecherche im Bürgerinformationssystem zu finden. Es werden ein paar Anpassungen empfohlen. Wichtig ist mir vor allem, dass wir neue Stellplätze, zum Beispiel am Bahnhof - Hinter dem Lindengarten, das Parkhaus am Alten Hafen und auch die Parkpalette im Bereich Turmstraße zügig errichten.

LN: Wird die Altstadt eines Tages autofrei sein?

Beyer: Nein! Jedenfalls nicht in absehbarer Zeit.

LN: Der Breitbandausbau ist vor allem für die Unternehmen zwingend nötig. Wie sieht es aus mit einem kostenlosen W-Lan in der Stadt, wovon natürlich auch der Tourismus profitieren würde? Neubrandenburg macht es jetzt vor. Wann zieht Wismar nach?

Beyer: Die Vorbereitungen laufen. Wenn alles gut geht, werden wir im Bereich einiger städtischer Gebäude ab Ende Januar, beziehungsweise im Februar, öffentliches kostenloses W-Lan haben.

LN: Im Landkreis Nordwestmecklenburg ist Wismar für Flüchtlinge die Nummer eins. Aber eine Wohnung und Aufenthaltsgenehmigung allein reichen nicht aus, um hier ankommen zu können. Wie ist aus Ihrer Sicht die Stimmung in Wismar bezüglich der Zugezogenen?

Beyer: Unaufgeregt! Jeder der Beteiligten macht seinen Job gut. Ich muss vor allem den Wohnungsunternehmen, dem Jobcenter und den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Kompliment machen. Viele Flüchtlinge bringen sich ebenfalls gut ein.

LN: Welche ist in diesem Zusammenhang die dringendste Aufgabe und wie wollen Sie die lösen?

Beyer: Die Aufgabe lautet, Integration im umfassenden Sinne. Letztlich geht es auch darum, dass die Familien, die zu uns gekommen sind, in die Lage versetzt werden, ihren Lebensunterhalt allein zu verdienen. Wie gesagt, da sind alle gefragt. Und das beginnt bereits auch in der Schule. Ich finde es schon beeindruckend, wie gut unsere Schulen sich darauf eingestellt haben.

LN: Schließen Sie die Augen. Stellen Sie sich vor, Sie stehen an Bord eines Segelschiffes. Das Schiff passiert die Wendorfer Seebrücke, gleitet im Hafen der Stadt entgegen. Sie haben die Augen immer noch geschlossen. Was hören Sie?

Beyer: Oh, das ist etwas Besonderes. Von der linken Seite höre ich die Rammschläge der Hafenerweiterung und das Piepen der Fahrzeuge bei Egger und Ilim Timber. Von der Seebrücke höre ich freundliche Hallo- und Willkommensrufe. Aus dem Hafen schallt mir geschäftiges Stimmengewirr in unterschiedlichen Sprachen entgegen.

Interview: Peter Preuß

 

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