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Nordwestmecklenburg Die Urlauber stehen an erster Stelle
Lokales Nordwestmecklenburg Die Urlauber stehen an erster Stelle
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20:10 02.08.2018
Das Gutshaus Stellshagen im Jahr 1928 und 90 Jahre später. Erbaut worden ist es vom Urgroßvater von Gertrud Cordes, die das Bio- und Gesundheitshotel, das im Gutshaus beherbergt ist, betreibt. Quelle: Fotos: Privat, Jana Franke
Stellshagen

Eine Stichwortsuche bei Google unter dem Begriff „Stellshagen“ beweist es: Der Ort ohne das Gutshaus wäre wie Berlin ohne den Fernsehturm. Um beides kommen Gäste nicht herum. Nur ist es in Stellshagen deutlich ruhiger als in der Hauptstadt der Bundesrepublik. Und deshalb zieht es viele Urlauber in den kleinen Ort im Amt Klützer Winkel. Unruhiger wird es dort dadurch aber keineswegs. Dafür sorgt Gertrud Cordes, Betreiberin des Bio- und Gesundheitshotels, höchstpersönlich. Beispiel? Für ein Foto an dem Gedenkstein für ihre Mutter sollte sie für die OZ posieren. Dort aber ruhte eine Urlauberin im Liegestuhl. Der Fototermin wurde auf später verschoben. Das zeichnet die 63-Jährige aus: Urlauber stehen an erster Stelle. Schließlich, so sagt Gertrud Cordes, sei die Urlaubszeit heilig und begrenzt. Lange würde die arbeitende Bevölkerung darauf warten, ihn genießen zu können. Und dann stören für ein Foto? Nein!

Seit 1996 betreibt Gertrud Cordes das Bio- und Gesundheitshotel – sogar Prominente checken hier ein.

Die Geschichte des Gutshauses reicht bis in die 1920er Jahre zurück. Franz Bach aus Hamburg, der Urgroßvater von Gertrud Cordes, erbaute das Herrenhaus für seinen Sohn, der den Namen seines Vaters trug. Zusätzlich kaufte er ihm vom Großgrundbesitzer von Plessen zwischen Klütz und Damshagen 160 Hektar Land ab, die Franz Bach landwirtschaftlich nutzte. 14 Zimmer hatte das Haus. Für seine Angestellten baute Franz Bach später Siedlungshäuser.

Aufgewachsen im Gutshaus ist Lore Cordes, die Mutter von Gertrud Cordes, als Tochter von Franz Bach. Als der Krieg in die Idylle des Klützer Winkels einbrach, fanden viele Flüchtlinge Unterschlupf im Gutshaus, in Scheunen und in den Siedlungshäusern. Letztlich wurde Familie Bach zwangsenteignet und floh nach Hamburg. Dass die Flächen und das Haus irgendwann wieder in den Besitz der Familie kamen, lag an Stellshagenern, die berichteten, dass das Gutshaus verkauft würde, nachdem Haupt- und Nebengebäude zuletzt als Schule und Internat genutzt wurden. „Ich war zu der Zeit Heilpraktikerin in Niedersachsen. Meine Mutter war Feuer und Flamme, als sie von dem Verkauf hörte“, erinnert sich Gertrud Cordes. Nach verschiedenen Verhandlungen gab sie letztlich das höchste Gebot ab. Nicht nur Familie Cordes war froh über die Rückkehr in die Heimat, offensichtlich auch die Einwohner Stellshagens. Hatten sie die Familie Bach doch in guter Erinnerung.

Was folgte ist eine Erfolgsgeschichte. Gertrud Cordes baute das Gutshaus zu einem Hotel aus und machte sich einen Namen. Nicht umsonst taucht sofort das Gutshaus auf, wenn Stellshagen bei Google eingegeben wird. Mitunter sei es zwar ein harter Weg gewesen, aber sie habe es nicht bereut, sagt sie. Ihr Mann bewirtschaftet die Ackerflächen rundrum, insgesamt beschäftigen sie 160 Mitarbeiter.

Einer von ihnen, Horst Gehm, ist der Großneffe des Chauffeurs von Franz Bach. Der 61-Jährige ist quasi in dessen Fußstapfen geschlüpft und chauffiert die Gäste bei An- und Abreise vom Bahnhof zum Hotel und umgekehrt.

Mit ihrem Alleinstellungsmerkmal – vegetarische Kost und Therapieangebote im Gesundheitszentrum – lockt Gertrud Cordes viele Gäste in das Naturidyll Stellshagen. „Meine Mutter hat das Haus geliebt.

Ihren Lieblingsplatz hatte sie neben ihrem Gingko am Gutshausteich“, erinnert sie sich. Im vergangenen Jahr ist Lore Cordes im gesegneten Alter von 97 Jahren verstorben. In Erinnerung bleiben wird sie. „Sie war die treibende Kraft, dass ich das durchgezogen habe“, sagt Gertrud Cordes. Zur Erinnerung ist besagter Gedenkstein aufgestellt worden.

Prominente erholen sich im Klützer Winkel

Welcher Promi regelmäßig seinen Urlaub im Gutshaus verbringt, darüber legt Gertrud Cordes den Mantel des Schweigens.

Bekannt ist, dass Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Mathias Brodkorb jeden Sommer dort ist – und das schon seit 16 Jahren, wie er verrät. Recherchen der Ostsee-Zeitung haben ergeben, dass auch weitere Politiker, Schaupieler und Moderatoren schon in der Abgeschiedenheit des Gutshauses Stellshagen ausgespannt haben. Doch darüber redet Gertrud Cordes nicht. Das zeichnet sie aus. Urlauber, ob prominent oder nicht, stehen bei ihr eben an

erster Stelle.

Jana Franke

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