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Nordwestmecklenburg Die natürlichen Feinde der Petrijünger
Lokales Nordwestmecklenburg Die natürlichen Feinde der Petrijünger
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21:21 01.08.2018
Beißt nix: Das Problem ist vor allem an der Stepenitz bekannt. Fischotter und Kormorane fressen die Bestände auf. Quelle: Foto: Pexels
Grevesmühlen

Als ein beliebtes Gewässer zum Angeln ist die Stepenitz bekannt – gewesen. Tummelten sich von Börzow bis Rodenberg mitunter 50 bis 60 Angler an dem Nebenfluss der Trave, zählt Michael Engling, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes, heute ein bis zwei, die auf einen Fang hoffen. Doch Fischotter und Kormorane machen den Anglern einen Strich durch die Rechnung. Nicht zuletzt deshalb hätten Anglervereine an der Stepenitz in den vergangenen 20 Jahren auch einen großen Mitgliederschwund zu verzeichnen, bedauert der 56-Jährige und kritisiert den übertriebenen Schutz der Umweltverbände.

Kreisanglerverband beklagt: Kormorane und Otter schmälern Fischbestände / Stepenitz mittlerweile bedeutungslos für Angler.

„Seit 1990 hat sich die Anzahl der Kormorane im Land Mecklenburg-Vorpommern verdreifacht. Mir geht es nicht um Ausrottung“, betont er. Vielmehr müsse die Population eingedämmt werden. Etwa 100000 Kormorane würde es in Mecklenburg-Vorpommern geben, die 18000 Tonnen Fisch fressen, verdeutlicht Michael Engling. „Wegen der Kormorane und der Fischotter ist die Stepenitz für Angler eigentlich bedeutungslos geworden“, resümiert er. Die Gewässer dürften nicht dem natürlichen Selbstlauf überlassen werden.

1204 Mitglieder zählt der Kreisanglerverband Nordwestmecklenburg – darunter 133 Jugendliche. Organisiert sind sie in 20 Vereinen aus dem Altkreis Grevesmühlen und Gadebusch. 125 Hektar Gewässerfläche stehen den Anglern zur Verfügung, davon 87 Kilometer Fließgewässer (Stepenitz, Maurine und Radegast) und 16 stehende Gewässer, wovon der Menzendorfer See mit 35 Hektar der größte ist. Der zweitgrößte ist mit 29 Hektar der Vielbecker See. Der wird vom Kreisanglerverband bewirtschaftet, während die anderen in der Obhut des Landesanglerverbandes liegen. „Wir investieren viel Geld in den Fischbesatz. Deshalb ist der Vielbecker See zu einem attraktiven Gewässer für Angler geworden“, freut sich Michael Engling. Pro Jahr werden 30 Kilogramm Aale und 300 Kilogramm Karpfen eingesetzt. Da es sich bei den Aalen um vom Aussterben bedrohte Fischarten handelt, wird der Besatz von der EU gefördert. „In Schweden und Norwegen sind schon Fangverbote verhängt worden. Ich hoffe, dass es bei uns nicht auch so kommen wird“, schildert der Verbandsvorsitzende.

Von der EU finanziell unterstützt wird auch der Aalbesatz in anderen Gewässern im Landkreis: Ploggensee, Menzendorfer See, Oberteich in Schönberg, Wallgraben in Klütz, Boinhägener Moor und Selmsdorfer Torfmoor. Insgesamt 38 Kilogramm ausgesetzte Aale waren es im Mai, in Zahlen sind das 4500 bis 5000 Aale. „Die sind acht bis zehn Zentimeter groß“, erklärt Michael Engling. Geangelt werden dürfen die Tiere erst, wenn sie eine Größe von 50 Zentimetern haben. Das Heranwachsen dauert bis zu acht Jahre.

Angelberechtigung und Fischereischein

Von Ostern bis Anfang Juni sind in Grevesmühlen und Klütz 15

erwachsene Angler

ohne Angelberechtigung erwischt worden. Festgestellt worden sind sie von ehrenamtlichen Fischereiaufsehern, die beim Landesanglerverband geführt werden. Gegen die Angler wurde

Strafanzeige gestellt.

Eine Angelberechtigung wird für den

jeweiligen See ausgestellt. In MV besteht

für den Fischfang

mit der Handangel

die Pflicht, den gültigen Fischereischein beim Ausüben des

Angelns bei sich zu

führen. Fischerei-

scheinpflicht besteht ab vollendetem 14. Lebensjahr. Mit ihm wird dem Angler die Sachkunde zum waidgerechten Umgang mit

dem Fisch bestätigt.

Jana Franke