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Nordwestmecklenburg Modellprojekt: So plant Grevesmühlen die digitale Stadt
Lokales Nordwestmecklenburg Modellprojekt: So plant Grevesmühlen die digitale Stadt
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16:45 15.11.2019
Online shoppen? In der heutigen Zeit Standard. Aber warum auf großen Onlineplattformen bestellen, wenn das Lieblingsgeschäft von nebenan auch Angebote im Netz bereithält? Quelle: Pexels
Grevesmühlen

„Ich möchte, dass wir digital so schön werden, wie wir analog schon sind!“ Eine klare Aussage des Grevesmühlener Bürgermeisters Lars Prahler. Aus dem „möchte“ könnte ein „wir sind“ werden – erst recht, nachdem es nun schwarz auf weiß steht, dass das Projekt „Digitale Stadt Grevesmühlen“ zu 90 Prozent vom Bund gefördert wird. Das für fünf Jahre festgelegte Projektvolumen von 750 000 Euro wird mit 675 000 Euro unterstützt und Grevesmühlen kann damit konkreter formulieren, was eigentlich für die Zukunft gewünscht ist.

Modellprojekt „Smart Cities“

Die Stadt ist eine von insgesamt 13 Städten in Deutschland, die zum Modellprojekt „Smart Cities“ gehört. Bundesinnenminister Horst Seehofer dazu: „In der Stadt trifft die Digitalisierung auf das Leben der Menschen. Für die Chancen und Herausforderungen, die sich daraus ergeben, brauchen wir zukunftsfähige Konzepte. Die ersten geförderten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie der digitale Wandel einer Stadt zum Nutzen der Menschen vor Ort gestaltet werden kann.“

Grevesmühlen ist dabei. Das allein ist schon ein großer Erfolg – und noch viel größer das Lob von Professor Matthias Wißotzki von der Hochschule Wismar, der kürzlich zum Digitalbotschafter des Landes Mecklenburg-Vorpommern ernannt worden ist: „Grevesmühlen ist Vorreiter und am weitesten im Vergleich zu anderen Städten.“

Prof. Matthias Wißotzki von der Hochschule Wismar Quelle: Jana Franke

Studenten erarbeiten Visionen für Grevesmühlen

Die Kooperation mit der Hochschule ist besiegelt. 21 Studenten beschäftigen sich nun in zehn Wochen mit Grevesmühlen und seinen Visionen, die eine Arbeitsgruppe aus ehrenamtlich Tätigen, der Stadtverwaltung, der Stadtwerke, des Zweckverbandes und der Wobag erarbeitete. Aus verschiedenen Perspektiven schauen die Studenten auf das Vorhaben: Was will der Gast, was der Einwohner und was der Unternehmer?

Gewerbetreibende gehen online

Ein schwieriges Unterfangen in Anbetracht der Tatsache, dass 37 Prozent der Grevesmühlener Bevölkerung älter als 60 Jahre und digital teilweise auf unbekannten Pfaden unterwegs sind und bis vor Kurzem nur 50 Prozent der Einzelhändler im Internet zu finden waren und nicht einmal eine Hand voll einen eigenen Webshop hatte? Vielleicht, aber nicht unmöglich. Steffen Weihe, Beauftragter Digitale Stadt Grevesmühlen, erreichte auf dem Stadtportal „Grevesmühlen erleben“ bisher 100 Einträge, davon 80 Prozent Einzelhändler, die für sich und ihr Geschäft werben.

Kostenloses WLAN in der Innenstadt

Der Wille des Modernen ist also da – und der Masterplan gefunden: Das kostenfreie WLAN in der direkten Innenstadt ist bereits umgesetzt. „Nun schauen wir, in welchen Bereichen der Stadt dieses Angebot noch umgesetzt werden kann“, verrät Lars Prahler. Die Visionen sind konkret und reichen von Speisekarten im Netz über digitale ärztliche Sprechstunden bis hin zur Parkplatzsuche via Handy. Wo befindet sich der Stadtbus und wann ist er an meiner Haltestelle? Welches Angebot hat das Lieblingsgeschäft um die Ecke, das ich bestellen und morgen abholen kann? Autonome Fahrzeuge, die die Gäste des Piraten Open Air vor der Vorstellung noch schnell in die Stadt bringen? Es muss nicht nur ein Traum bleiben.

Viel Überzeugungsarbeit nötig

Hinfallen und wieder aufstehen – das gehört in den nächsten Jahren dazu. Wichtig sei, so Professor Matthias Wißotzki, sich mit anderen Städten zu vernetzen – zusammenzuarbeiten, sich auszutauschen, damit das Hinfallen nicht ganz so wehtut. Und Überzeugungsarbeit leisten. „Es ist kein Projekt der Stadtverwaltung, sondern ein Projekt für die Bevölkerung“, verdeutlicht Lars Prahler.

Grevesmühlen hat mutig angefangen – und will es mutig weiterführen. Eines stellt Bürgermeister Lars Prahler klar: Das analoge schöne Grevesmühlen soll nicht abgeschafft werden, das digitale schöne Grevesmühlen aber ein ergänzendes Angebot sein. „Digitale Stadt ist kein Luxus, es ist Pflicht.“Lesen Sie auch: 675 000 Euro für Digitalausbau in Grevesmühlen Parkplatz- und Arztsuche online

Von Jana Franke

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