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Nordwestmecklenburg Ehrenamt ist nicht gleich Ehrenamt
Lokales Nordwestmecklenburg Ehrenamt ist nicht gleich Ehrenamt
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20:32 17.10.2014
Hans-Jürgen Vitense bekommt für seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Testorf-Steinfort 700 Euro monatlich. Quelle: Anett Meinke
Selmsdorf

Testorf-Steinforts Bürgermeister Hans-Jürgen Vitense spricht klare Worte. „Die Erhöhung der Aufwandsentschädigung war längst überfällig!“ Seit 25 Jahren ist er Bürgermeister der Gemeinde und findet, dass gemessen an seinen Aufgaben noch immer zu wenig Geld gezahlt wird.

Bereits im August vergangenen Jahres hat das Ministerium für Inneres und Sport in Mecklenburg-Vorpommern eine neue Entschädigungsverordnung verabschiedet. Ehrenamtlich tätige Menschen in den Landkreisen, Ämtern, Gemeinden und Zweckverbänden können seitdem nach Beschluss in den jeweiligen Gremien höhere Aufwandsentschädigungen erhalten. In Nordwestmecklenburg hat der Kreistag erst vor kurzem über eine Erhöhung abgestimmt. Das Sitzungsgeld für Kreistagsmitglieder und sachkundige Einwohner wurde von 30 auf 40 Euro erhöht, zudem wurde die monatliche Pauschale für Fraktionsvorsitzende gestaffelt. Zuvor gab es einheitlich 520 Euro. Abstriche dagegen gab es bei den Fraktionsgeldern. Nur noch 50 statt 70 Euro soll nun jede Kreistagsfraktion pro Fraktionsmitglied monatlich bekommen.

Mit den beschlossenen Veränderungen ist der Kreistag unter dem vom Gesetzgeber vorgegebenen möglichen Höchstmaß geblieben. Auch in einigen Kommunen Nordwestmecklenburgs haben sich Zahlungen zur Aufwandsentschädigung verändert oder es wird gegenwärtig darüber diskutiert.

Doch im Landkreis engagieren sich noch viel mehr Menschen, ohne deren ehrenamtliche Tätigkeiten einiges anders oder eben auch gar nicht laufen würde. Da sind zum Beispiel die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren, die rund um die Uhr abrufbar sein müssen und immer wieder auch ihr Leben riskieren. Nicht zu vergessen die unzähligen kleinen und größeren Vereine, ohne deren Wirken auf sportlichem, kulturellem und sozialem Gebiet vieles liegen bleiben würde. Vereine, die keine Sponsoren besitzen, können sich nur über Mitgliedsbeiträge finanzieren. Das bedeutet, dass Aufwandsentschädigungen entweder gar nicht oder nur sehr vereinzelt gezahlt werden.

Testorf-Steinforts Bürgermeister Hans-Jürgen Vitense erhält seit April dieses Jahres eine pauschale Aufwandsentschädigung von 700 Euro. Vorher waren es 500 Euro. „Man darf dabei aber nicht vergessen, dass dieses Geld auch versteuert werden muss“, betont Vitense. Gemessen an seinen Aufgaben würde er eine höhere Aufwandsentschädigung als angemessen ansehen. Durch die vor zehn Jahren per Dekret vom Innenministerium erfolgte Zusammenlegung des Amtes Grevesmühlen-Land mit dem der Stadt Grevesmühlen in eine Verwaltungsgemeinschaft sei einiges an Mehrarbeit für ihn als ehrenamtlicher Amtsinhaber entstanden. „Wir werden durch eine fremde Verwaltung technisch abgewickelt“, erklärt Hans-Jürgen Vitense, „haben aber kein wirkliches Mitspracherecht oder Kontrollmöglichkeiten, was die Entscheidungen über die Gelder angeht, die die Gemeinden des Amtes Grevesmühlen-Land für Verwaltungsaufwendungen an die Stadt Grevesmühlen weiterreichen müssen. Doch die eigentliche Verantwortung für unsere Gemeinden bleibt erhalten.“ Es fehle der leitende Verwaltungsbeamte, „der uns verantwortungsvoll führt und begleitet, wie es in allen anderen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern ist.“

50 Euro für Kindertraining
50 Euro im Monat erhalten die Trainerinnen des Turn- und Akrobatikvereins (TAV) Selmsdorf als Aufwandspauschale. „Natürlich wäre es schön, wenn man mehr Geld bekommen würde. Da mache ich niemandem etwas vor“, erklärt Trainerin Beate Speiser. Aber für sie steht Geld nicht im Vordergrund.
„Wenn ich in die Halle komme, dann entspanne ich mich. Ich brauche die sportliche Arbeit mit den Kindern. Es gibt mir persönlich so viel, es gibt den Kindern viel.“ Beate Speiser lebte eine Weile in München und trainierte dort Kinder in einem Turnverein — für monatlich 600 Euro. „Vereine in Bayern finanzieren sich ganz anders. Zum einen durch viel höhere Mitgliedsbeiträge, zum anderen ist im Süden das Sponsoring von Vereinen durch Firmen ziemlich weit verbreitet. Und dass es dort vielen Firmen gut geht, ist kein Geheimnis“, schildert sie. Das monatliche Minus von 550 Euro bei gleichem Aufwand hielt Beate Speiser aber nicht davon ab, sich in Selmsdorf für Kinder zu engagieren. Sie ist durchschnittlich acht Stunden in der Woche mit dem Training der Kinder beschäftigt, hinzu kommen all die Wettkämpfe im Land und bundesweit, Weiterbildungen, Tagungen des Sportbundes. Da kommt einiges an Zeit und auch an privatem Geld zusammen, das für den Verein investiert wird — aber das gerne, wie Beate Speiser betont. am
Wehrführer: Anerkennung ist wichtiger als Geld
René Reimann ist Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Hanshagen, die mit der Freiwilligen Feuerwehr Upahl fusionierte. „Bei uns gab es keine Erhöhung der Aufwandsentschädigung. Ich als Wehrführer und mein Stellvertreter erhalten 25 Euro im Monat, der Hauptmaschinist bekommt 20 Euro. Gezahlt wird quartalsweise. Die anderen Kameraden erhalten keine Pauschale.“ Dieser Fakt werde durchaus unter den Feuerwehrleuten, die jederzeit abrufbereit sein müssen und einiges leisten, diskutiert. „Nicht bei jedem Einsatz riskiert man gleich sein Leben“, sagt Reimann, „aber man sieht schon so einiges. Gerade auch bei den Einsätzen auf der Autobahn. Hinzu kommt die ganze Technik, die man verstehen und bedienen können muss, und all die Lehrgänge. Pro Woche eine Übung, Fahrzeugpflege, außerdem engagieren wir uns stark bei den kulturellen Veranstaltungen in den Gemeinden. Osterfeuer, Herbstfeuer, Laternenumzüge und noch einiges mehr, was ohne unsere Hilfe nicht laufen würde“, zählt er auf.
Doch Reimann betont wie die meisten im Land ehrenamtlich tätigen Menschen: „Ich bin nicht bei der Feuerwehr, um Geld zu verdienen. Ich mache das, weil ich das gerne tue. Mich reizt auch die Technik und es ist der persönliche Bezug zu meiner Gemeinde, den ich mit dieser ehrenamtlichen, verantwortungsvollen Arbeit zum Ausdruck bringe.“ Letzteres ist nach Reimanns Meinung auch der Grund dafür, dass es immer noch Nachwuchs gibt. „Trotz der relativ aufwendigen Ausbildung für angehende Feuerwehrmänner. Das ist schon viel Zeit, die in die Ausbildung investiert werden muss, viele Wochenenden.
Das macht man nur, wenn man das wirklich will. Auf keinen Fall wegen des Geldes.“ Wichtig sei den Kameraden die Anerkennung. „In den Gemeinden haben wir sie. Auf Landesebene haben wir manchmal das Gefühl, dass unsere Arbeit nicht so richtig gewürdigt wird. Und sicher: Nein würde keiner von uns sagen, wenn es mehr Geld gäbe.“
Ehrenamtsstiftung
In Mecklenburg-Vorpommern soll eine Ehrenamtsstiftung gegründet werden. Mit dieser sollen vor allem ehrenamtliche Initiativen, die keiner großen Organisation angehören, unterstützt werden. Verantwortlich fühlen soll sich die Stiftung für Beratungen, Förderungen, Vernetzung und Würdigung des Ehrenamtes. Jährliche Veranstaltungen wie ein „Tag des Ehrenamtes“ sind unter anderem Ziel. In MV ist fast jeder Dritte ehrenamtlich tätig.
Im Kreistag ist kein Geld zu verdienen
„Wer im Kreistag sitzt, weil er hofft, mit der Politik auf dieser Ebene Geld zu verdienen, ist da falsch. Im Kreistag ist kein Geld zu verdienen.“ Christian Albeck ist seit 2004 Mitglied im Kreistag — zuletzt als Kreistagspräsident — und weiß deshalb, wovon er spricht. Als Stellvertreter des Kreistagspräsidenten Klaus Becker erhält Christian Albeck eine monatliche Pauschale von 220 Euro. Albeck betont: Er mache Politik, „um etwas zu bewegen im Kreis.“ Er findet aber den Spielraum für politischen Einfluss insgesamt zu gering bemessen. „Als Kreistagsmitglieder entscheiden wir gerade einmal über 0,6 Prozent des Kreishaushaltes. Das ist nicht sehr viel. Und das frustriert manchmal schon.“am

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