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Nordwestmecklenburg Ein Hamburger Handwerker saniert das Schloss
Lokales Nordwestmecklenburg Ein Hamburger Handwerker saniert das Schloss
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20:10 23.08.2018
Die Schlossbesitzer: Ingo Müller (61) und seine Frau Nimnuan Arokha. Das Haus, das 1906 erbaut wurde, ist gerade eingerüstet, weil das Dach repariert werden muss. FOTOS (2): KERSTIN SCHRÖDER
Rosenthal

Das Ortsschild von Rosenthal scheint, das letzte Mal vor längerer Zeit geputzt worden zu sein. Überzogen mit einem grünlichen Schimmer steht es etwas schief am Rand einer alten Pflasterstraße. Die zieht sich durch den gesamten Ort, entlang an hohen Bäumen, abgelegenen Höfen – bis hin zum Gutshaus. Hinter dem Eingangstor zupft gerade Nimnuan Arokha Unkraut vom Gehweg. Ihr Mann Ingo Müller steht hoch oben auf einem Baugerüst. „Das Dach muss repariert werden“, erzählt der Hamburger.

Das Schloss Rosenthal ist 1906 von Ernst Bock erbaut worden. Der hat sein Geld mit Zuckerrüben verdient. Seit der Wende gehört das Herrenhaus einem Hamburger Handwerker.

Er ist nicht nur Handwerker, sondern auch Besitzer von Schloss Rosenthal. Zusammen mit seiner Frau erledigt er viele Arbeiten am Haus und auf dem Grundstück selber. Natürlich hat er auch die Geschichte des Herrenhauses recherchiert. Erbauer ist Ernst Bock. „Er stammte aus einer Kaufmannsfamilie, wollte aber unbedingt Landwirt werden“, erzählt Ingo Müller. Deshalb sei Bock nach Rosenthal gekommen, habe den Boden fruchtbar gemacht und Zuckerrüben angebaut. Dafür habe er umliegende Felder künstlich entwässert. In Güterloren sind die Rüben dann zur Zuckerfabrik nach Wismar gebracht worden. „Bock hat Anteile an der Fabrik besessen, das Haus in Rosenthal hat er 1906 erbauen lassen, nur wenige Meter von dem alten entfernt“, berichtet Ingo Müller.

Ein Bild vom Familien-Stammbaum des früheren Besitzers hängt im Flur der Hochparterre. In der beginnt auch eine breite, beeindruckende Holztreppe, die in die oberen Etagen führt. Gewohnt hat hier Ernst Bock nur mit seiner Frau. „Eigene Kinder hatten sie nicht, aber eine Ziehtochter“, erzählt Müller. Den Grundriss des Hauses habe er nicht verändert, aber die Nutzung: Heute wohnt nicht nur eine Familie in dem Schloss, sondern es gibt acht Wohnungen. „Und alle sind vermietet“, freut sich der Hausherr. In einer der Wohnungen lebt sein Vater Karl-Heinz. Er ist vor Kurzem 94 Jahre alt geworden, er lebt gerne in Rosenthal. „Es ist wunderschön hier, man kann von überall in die weite Landschaft schauen“, schwärmt der Senior. Zum Gutshaus selbst gehört auch ein großer Park, von dessen altem Baumbestand noch ein paar besonders alte Exemplare erhalten sind und den Mietern an sonnigen Tagen draußen viel Schatten spenden.

Im Zweiten Weltkrieg wird die Erfolgsgeschichte von Ernst Bock gestoppt. Die Wismarer Zuckerfabrik ist mehrfach Ziel alliierter Luftangriffe, der Besitz zerfällt. Im September 1945 stirbt der Besitzer. Das Haus wird zur Herberge für Flüchtlinge und Umsiedler, später zieht die Wismarer Kreislandwirtschaftsschule dort ein.

Mitte der 1980er-Jahre wird noch ein wenig in die Bausubstanz des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes investiert. „Damals wurde das Dach gemacht und die Treppe vor dem Eingang aufgemauert“, berichtet Ingo Müller. Er hat das Schloss kurz nach der Wende bei einer Versteigerung erworben. „Ich war interessiert, weil das Haus eine gute Grundsubstanz hatte und ich wusste, wie man es sanieren kann“, erklärt der Handwerker.

Nach und nach hat der Heizungsbau-Experte das alte Herrenhaus saniert und so den Glanz der frühen Jahre zurück nach Rosenthal geholt. In fünf Jahren, wenn Ingo Müller beruflich in den Ruhestand geht, will der Hamburger mit seiner Frau auch ganz in das kleine Dorf ziehen. Er hofft, dass bis dahin die alte, holprige Pflasterstraße, die sich durch den kompletten Ort schlängelt, erneuert wird.

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Kerstin Schröder

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