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Nordwestmecklenburg Ein Spendenkonto für ALS-Patient Jens Richter
Lokales Nordwestmecklenburg Ein Spendenkonto für ALS-Patient Jens Richter
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09:49 17.08.2019
Wird seit Kurzem in der Intensivwohngruppe im Schloss Bernstorf betreut: Jens Richter mit seiner Frau Antje Richter und Sohn Max. Quelle: privat
Klein Siemz

„Das Foto entstand vor einem Jahr“, sagt Anne Haberkorn und zeigt auf ihr Handy. Zu sehen sind drei lächelnde Menschen: Antje und Jens Richter mit Sohn Max. Die beiden Männer sind mit Feuerwehruniformen bekleidet. „Sie sind herzliche Menschen. Es tut mir alles so leid“, meint die 38-jährige Bürgermeisterin der Gemeinde Siemz-Niendorf und zeigt das nächste Foto.

Familie Richter vor einem Jahr auf einem Fest der Feuerwehr. Quelle: privat

Nun ist die Familie vor dem Schloss in Bernstorf zu sehen. Dort ist Jens Richter seit Kurzem in der Intensivpflege-Wohngruppe untergebracht. Der 50-Jährige aus Klein Siemz leidet an ALS, einer unheilbaren degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems. Seit vier Jahren lebt die Familie mit der Diagnose. Die Muskulatur des Feuerwehrmanns und ehemaligen Lkw-Fahrers baut bei vollem Bewusstsein Stück für Stück ab. Er kann nicht mehr laufen, nichts greifen, nicht ohne Hilfe essen und trinken. Er wird daran sterben. Das weiß er.

Schulden nach Umbauarbeiten

Die OZ hatte über ihn und sein Schicksal Anfang Juni berichtet. Viele Anrufe erreichten die Redaktion. Leser fragten, wie sie helfen könnten, ob es ein Spendenkonto gibt. Denn die Familie verschuldete sich mit mehr als 65000 Euro. Ins dreigeschossige Haus in Klein Siemz ist ein Treppenlift eingebaut, das Bad umgebaut worden. Damit Jens Richter noch in den Garten kommt, wurde ans Haus ein Balkon mit Steg ins Grüne montiert. Das Familienauto musste verkauft und durch einen Bus ersetzt werden. Doch auch der war in den vergangenen Wochen für Jens Richter eher unbrauchbar, da es an einem Lift mangelt, über den er in den Bus gehoben werden kann. Antje Richter kann das mit ihrer eigenen Muskelkraft nicht mehr leisten, der Rollstuhl allein wiegt mehr als 100 Kilogramm.

Von der Krankenkasse gab es bisher alles in allem eine Unterstützung von 12000 Euro – ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auf Initiative der Freiwilligen Feuerwehr Siemz-Niendorf ist nun ein Spendenkonto eröffnet worden. „Wir können nicht anders helfen, nur mit Geld“, begründet Anne Haberkorn. Ihr Mann ist Wehrführer bei der Feuerwehr. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, auf diese Art und Weise zu helfen“, meint sie.

Spendenkonto

IBAN: DE46 1405 1000 1000 0303 57

BIC: NOLADE21WIS

Kennwort: ALS Jens Richter

Empfänger: DRK Kreisverband Nordwestmecklenburg

In den Reihen der Feuerwehr ist bereits gesammelt worden. 1300 Euro kamen zusammen. Ein guter Anfang für den Autolift. „Im Internet haben wir ein umgebautes Auto für 30000 Euro entdeckt“, erzählt Antje Richter. Dass ein Spendenkonto eröffnet wurde, rührt sie sehr.

Vom Krankenhaus nach Bernstorf

Antje Richter hatte gehofft, ihren Mann so lange wie möglich zu Hause behalten zu können. Nach einem Infekt mit hohem Fieber ist er vor zwei Wochen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Seit Mai wird er intensiv betreut – 24 Stunden am Tag. Da es in ihrem beauftragten Pflegedienst häufig Personalwechsel gab, „hatte ich große Sorgen, besonders, wenn ich auf Arbeit war“, erzählt Antje Richter, die in der Altenpflege tätig ist.

Mit der Entscheidung, ihren Mann direkt aus dem Krankenhaus nach Bernstorf zu geben, hat sich die 47-Jährige schwergetan. „Wir hatten uns die Gegebenheiten vor Ort vor einigen Wochen schon einmal zusammen angeschaut. Es sind sehr schöne Zimmer, alles gemütlich eingerichtet“, sagt sie. Auch Jens Richter versucht, das Positive zu sehen. Trotz seiner schweren Krankheit hat er seinen Humor nicht verloren. „Ich wollte schon immer König sein und im Schloss leben“, scherzt er.

Das Sprechen fällt ihm mittlerweile schwer. „Er hat sehr abgebaut“, resümiert seine Frau. Den Rollstuhl steuert er über eine Brille mit den Augen – eine Innovation, an die vor Jahren noch gar nicht zu denken war.

Gemeindefest für Familie

Antje Richter würde ihren Mann ab und an gerne nach Hause holen oder bei schönem Wetter spontan eine Spazierfahrt machen. Eine Tour mit einem Rollstuhl-Taxi von Bernstorf nach Klein Siemz kostet mehr als 75 Euro. Doch das muss bestellt werden. „Spontan geht also nichts“, bedauert Antje Richter. Zudem ist Jens Richter auf eine Atemmaske angewiesen, die ihm der Taxifahrer im Notfall nicht aufsetzen kann. „Allein schon deshalb ist die Familie auf einen Autolift angewiesen“, begründet Anne Haberkorn den Sinn des Spendenkontos.

Auch das Gemeinde-Hochzeitsfest am 31. August in Klein Siemz soll dazu genutzt werden, die Familie zu unterstützen. Ab 15 Uhr startet es mit Kaffee und Kuchen, Hüpfburg für Kinder und Spiele rund um das Thema Feuerwehr. „Der Erlös aus der Tombola, die veranstaltet wird, bekommt die Familie“, blickt Anne Haberkorn voraus. Und wenn Jens Richter dann einen guten Tag hat, zieht er ja vielleicht wieder die Feuerwehruniform an.

Erinnerungsfoto mit den Kameraden der freiwilligen Feuerwehr. Quelle: privat

Von Jana Franke

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