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Nordwestmecklenburg Nachwuchs fehlt: Fahrlehrer dringend gesucht
Lokales Nordwestmecklenburg Nachwuchs fehlt: Fahrlehrer dringend gesucht
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06:30 03.08.2019
Mit vier Fahrlehrern ist das Unternehmen von Thomas Krohn (l.) in Grevesmühlen gut aufgestellt. Aber auch er handelt. Busfahrer Florian Steinkamp (28) startet eine Ausbildung zum Ausbilder. Quelle: JANA FRANKE
Grevesmühlen

Fahrschüler hat Thomas Krohn genug. Pauschal 300 nennt er. Auf die kommen vier Fahrlehrer: Der 56-Jährige selbst, Olaf Lellwitz (53), Alexander Siewert (36) und Dirk Grimm (48). Über kurz oder lang sind Wartezeiten also vorprogrammiert.

Auf die umliegenden Fahrschulen und das Land Mecklenburg-Vorpommern geblickt, bilden die beiden letztgenannten Fahrlehrer eher eine Ausnahme. Das Durchschnittsalter liegt nämlich bei mehr als 50 Jahren. Der Geburtstagskalender in der Broschüre des Fahrlehrerverbandes MV, die vierteljährlich veröffentlicht wird, zeigt es schwarz auf weiß: Nur wenige werden erst 40, noch weniger erst 30, die meisten 50 bis 80. Das bestätigt Uwe Beckmann von der Gerlach & Beckmann GbR mit Geschäftsstellen in Schönberg, Dassow, Herrnburg, Grevesmühlen und Klütz. Seine Fahrlehrer sind 52- bis 69 Jahre alt. Sechs Fahrlehrer sind im Unternehmen – fünf Hauptangestellte und einen Rentner, der unterstützt.

Stellenangebote laufen ins Leere

Seit fünf Jahren nimmt Uwe Beckmann den Fahrlehrermangel bewusst wahr. „Die Älteren scheiden aus und es kommen keine Jüngeren nach.“ Er und sein Firmenpartner Holger Gerlach wollten selbst Fahrlehrer ausbilden, haben es aber letztlich aufgegeben, da das Interesse verschwindend gering war. Und Stellenangebote auf der Homepage liefen bisher ins Leere.

Auch Thomas Krohn, der neben der Fahrschule ein Busreiseunternehmen führt, begegnet dem Problem Fachkräftemangel. Busfahrer Florian Steinkamp wird nun zum Fahrlehrer ausgebildet. Zwölf Monate dauert der Weg – sieben Monate reine Theorie von Straf- und Verkehrsrecht über Pädagogik bis hin zu Kfz-Technik – und viereinhalb Monate Praxis mit theoretischer und praktischer Lehrprobe vor einer Prüfungskommission. Am 19. August geht es los, für den theoretischen Block muss der 28-jährige Familienvater jeden Tag nach Bargteheide fahren.

Arbeitszeiten schrecken ab

Geld verdient er in den zwölf Monaten nicht, er kann aber eine Förderung beantragen. Ein Grund, so glaubt Thomas Krohn, warum sich kaum noch jemand für den Beruf Fahrlehrer interessiert. Er vermutet noch eine weitere Sache: „Den Job will keiner mehr machen, da die Arbeitszeiten meist am Nachmittag beginnen und durch Nachtfahrten mit den Fahrschülern erst gegen 22 und 23 Uhr enden“, mutmaßt er.

Zudem kostet eine Ausbildung zum Fahrlehrer viel Geld. Thomas Krohn beziffert sie mit mehr als 16 000 Euro. Er als Unternehmer kann das allein nicht tragen, eine Förderung gibt es vom Arbeitsamt.

In einem Jahr hätte Thomas Krohn mit Florian Steinkamp praktisch einen Fahrlehrer mehr – für Pkw-Fahrer mit Anhänger, sogenannter B-Führerschein. „Damit ist er aber noch kein Ausbilder für Lkw-Fahrer“, schildert Thomas Krohn. Für diesen Weg gibt es eine weitere, im mittleren vierstelligen Bereich kostende Ausbildung und Florian Steinkamp muss nachweislich 600 Stunden Lkw gefahren sein. Will er Busfahrer ausbilden, muss er auch hierfür die Schulbank drücken. Ebenso als Fahrlehrer für den Motorradführerschein.

„Eigentlich war nie gesetzt, dass ich Fahrlehrer werde, als ich hier anfing“, erzählt Florian Steinkampf. Als Busfahrer hat er seine Berufung gefunden. „Das Busreisegeschäft ist lebendig und ich bin gebraucht worden“, erzählt er seine Anfänge. Dann kam das Bierchen mit seinem Chef Thomas Krohn, „und wir haben philosophiert, ob er Fahrlehrer werden will“, erzählt Krohn. „Für mich war klar, dass ich das dann mache“, so Steinkamp.

Ausbildungsbetriebe überschaubar

Thomas Krohn darf Fahrlehrer ausbilden, die Anzahl der Ausbildungsbetriebe ist in Nordwestmecklenburg überschaubar. Und wenn er in Rente geht und keinen Nachfolger für sein Unternehmen findet, ist es noch eines weniger. Sein 27-jähriger Sohn Felix absolviert gerade eine Fahrlehrerausbildung bei der Bundeswehr und hat sich für zehn Jahre verpflichtet. „Schon als Siebenjähriger hat er gesagt, dass er meine Fahrschule übernehmen möchte. Vielleicht klappt es ja“, erzählt Thomas Krohn lächelnd.

Jana Franke

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