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Nordwestmecklenburg Firma will Seegras zu Dünger machen
Lokales Nordwestmecklenburg Firma will Seegras zu Dünger machen
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21:15 24.07.2014
Kurdirektorin Claudia Hörl, Bauhofleiter Wilfried Nix und Martin Staemmler (v.l.) am Seegraslager der Gemeinde Boltenhagen. Quelle: Malte Behnk
Boltenhagen

Die Bauhofmitarbeiter im Ostseebad Boltenhagen haben kaum eine ruhige Minute. Seit Himmelfahrt wird, bedingt durch den Nordostwind, verstärkt Seegras an den Strand gespült. Fast täglich sind die Mitarbeiter des Bauhofes von 5 Uhr morgens an damit beschäftigt, das Seegras zu entfernen, damit Urlauber und Einwohner einen ungetrübten Tag am Strand verbringen können. Inzwischen sind schon 7500 Tonnen Seegras auf einem genehmigten Lagerplatz der Gemeinde bei Tarnewitz gelandet, die durchschnittliche Menge der vergangenen Jahre lag bei nur 4000 Tonnen — und die Saison ist noch nicht vorbei.

Einige Gemeinden mit Strand haben lediglich einen Zwischenlagerplatz, auf dem das Seegras aber nicht dauerhaft deponiert werden darf, denn es unterliegt dem Abfallrecht. Die Stadt Klütz darf ihren Zwischenlagerplatz schon nicht mehr nutzen und sucht jetzt nach anderen Lösungen. Früher oder später muss sich auch Boltenhagen Gedanken machen, wenn die jetzige Lagerkapazität ausgereizt ist, was mit den Mengen an Seegras geschehen soll. Da kommt Martin Staemmler aus Sandhagen ins Spiel. Er betreibt die Hanseatische Umwelt CAM GmbH, die mit Produkten für Landwirtschaft und Garten wie Kompost, Dünger und Erden handelt. Er möchte in Zusammenarbeit unter anderem mit Landwirtschaftsbetrieben in Christinenfeld und Gägelow, dem Amt Klützer Winkel und dem Verband Mecklenburgische Ostseebäder (VMO) das Ziel erreichen, dass ein Großteil des angeschwemmten Treibsels (Mischung aus Seegras, anderen Algenformen und Fremdstoffen) behandelt als Düngeprodukt für den konventionellen wie den ökologischen Landbau zugelassen wird. „Eine Studie hat ergeben, dass der Kohlenstoffanteil in den Böden immer mehr abnimmt. Mit marinen Biomassen wie dem Seegras, Komposten und Pflanzenkohle lässt sich das wieder regulieren. Im konventionellen Landbau ist das nach entsprechender Aufbereitung durch eine aerobe Behandlung schon zugelassen, im Ökolandbau noch nicht“, sagt Martin Staemmler. In seinem Betrieb werden auch besonders fruchtbare Erden für Gartenbau und Landwirtschaft hergestellt, auch mit Treibsel aus der Ostsee. Zusammen mit einer großen Gesellschaft aus Westfalen wurde auch ein Bodenverbesserer entwickelt, mit welchem erste Wachstumsversuche auf Sportrasenflächen im Bereich der ersten Bundesliga sehr positiv abgeschlossen wurden.

„Der Stadt Klütz nehmen wir seit etwa zehn Jahren das Treibsel ab. Das kostet zwischen 16 und 18 Euro pro Kubikmeter beziehungsweise Tonne. Dafür sieben wir den Sand aus und trennen den verwertbaren Algensand von grobem Material, das wir kompostieren“, erklärt Staemmler. Aus seiner Sicht könnten Kommunen künftig so auch Geld einnehmen. Einen Euro pro Tonne Seegras hält er für realistisch. „Für uns wäre es schon gut, wenn am Ende eine schwarze Null stehen würde. Jetzt kostet die Entfernung des Seegrases viel Geld“, sagt Wilfried Nix, Leiter des Boltenhagener Bauhofes. Rund 135 000 Euro wurden in den vergangenen Jahren für die Strandreinigung im Kurverwaltungshaushalt eingestellt, die in diesem Jahr jedoch nicht ausreichen werden. „Es wäre viel effektiver, das Seegras zu nutzen, als es hier nur zu deponieren und Kosten zu erzeugen“, findet Kurdirektorin Claudia Hörl, der der Bauhof untersteht. „Wir werden uns immer mehr mit dem Klimawandel und daraus resultierenden Änderungen der Flora und Fauna der Ostsee auseinandersetzen müssen. Es ist Natur, und von ihr sind wir nun mal abhängig. Die Abnahme von Sauerstoff in der Ostsee wird unter anderem durch ungewollte Nährstoffeinträge verursacht. Die Entnahme des Treibsels aus dem Wasser verringert den Nährstoffeintrag“, sagt Claudia Hörl.

Malte Behnk

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