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Nordwestmecklenburg „Der Mensch muss lernen, mit dem Wolf zu leben“
Lokales Nordwestmecklenburg „Der Mensch muss lernen, mit dem Wolf zu leben“
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21:09 29.01.2019
Im Podium diskutierten (v.l.) Landwirt Kurt Klaczinski, Stefan Schwill vom Nabu, OZ-Chefredakteur Andreas Ebel, Landwirtschaftsminister Till Backhaus, Schäfer Ingo Stoll und Jäger Ulf-Peter Schwarz. Mehr als 120 Gäste waren gekommen. Quelle: DIETMAR LILIENTHAL
Grevesmühlen

Etwa 80 Wölfe – sechs Rudel und drei Paare – in Mecklenburg-Vorpommern. Daneben 112 gerissene und 42 verletzte Tiere im vergangenen Jahr. Soweit die Statistik aus dem Landwirtschaftsministerium in Schwerin. Vor fast 160 Jahren galt der Wolf als ausgerottet, dann kehrte er zurück und sorgt nun, aus dem baltischen Raum kommend, mehr und mehr für Angst. Auch in Nordwestmecklenburg.

Wie viel Wolf verträgt ein Land? Die OSTSEE-ZEITUNG lud am Dienstag zu einer Podiumsdiskussion in den Kreistagssaal der Malzfabrik in Grevesmühlen. Mehr als 120 Gäste waren gekommen. Im Podium begrüßte OZ-Chefredakteur Andreas Ebel Landwirt Kurt Klaczinski aus Pötenitz, Jäger Ulf-Peter Schwarz aus Plüschow, Schäfer Ingo Stoll aus Langsdorf, den Landesvorsitzenden des Nabu, Stefan Schwill, sowie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Letztgenannter stellte klar: Der Wolf habe ein Recht auf Leben. „Aber wer als Weidetierhalter einen ordnungsgemäßen Grundschutz nicht leistet, der füttert ihn an.“ Doch gerade solch ein Grundschutz wie Zäune geht richtig ins Geld. Ingo Stoll, der 1500 Schafe zählt, investierte 60000 Euro in seine Vorrichtungen, um zumindest zwei seiner fünf Schafherden vor Wölfen zu schützen. 15 Prozent Fördermittel habe es gegeben. Wenig, wenn man bedenkt, dass sich Schafzüchter am unteren Ende der Einkommensskala befinden. Deshalb, betonte Till Backhaus, müssten präventive Maßnahmen zu 100 Prozent erstattet werden. Doch ist es damit getan? Damit ist der Wolf als Gefahr ja noch immer da!

„Der Mensch muss lernen, mit dem Wolf zu leben“, verteidigte Stefan Schwill. Andere Länder würden es vormachen, mahnt er zu einem entspannteren Umgang mit dem Tier. Im Vergleich zu Gefahren im Straßenverkehr oder durch andere Tiere wie Hunde ist die Gefahr, die von Wölfen ausgeht, verschwindend gering“, glaubt er. Das sieht Landwirt Kurt Klaczinski anders. Mit den Tränen kämpfte er, als er von seinen gerissenen und verletzten Galloway-Rindern erzählte. Er glaubt an einen Wolf als Täter, aber einen offiziellen Nachweis gibt es nicht. Für einen Test, der spätestens 24 Stunden nach dem Riss durchgeführt werden muss, kam der Tierarzt nicht an die verängstigten Tiere heran. Er fühlte sich vom Landwirtschaftsministerium nicht genügend aufgeklärt, dass es Wölfe in der Region gibt, spricht sogar von Verheimlichung. Es könne nicht sein, dass Handyaufnahmen nicht ernst genommen werden. Gegen derartige Vorwürfe wehrte sich Till Backhaus vehement.

Rechtssicherheit sieht Backhaus in einer Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes. Wölfe dürften getötet werden, wenn sie immer wieder Nutztier-Herden angreifen oder die Scheu verlieren und sich Menschen nähern. Obergrenzen für den Wolfbestand, die Backhaus befürwortet, würden das Problem nach Ansicht von Stefan Schwill nicht lösen. „Sinnvoller wäre es, stabile Rudel so erziehen, dass sie merken, dass es wehtut, wenn sie an Weidetiere gehen“, glaubt er. „Sobald wahllos auf die Wölfe geschossen wird, wird die Lücke durch andere, zugewanderte Wölfe besetzt.“

Ulf-Peter Schwarz hat bereits einen Wolf in freier Wildbahn gesehen – allerdings in Kanada. „Ich habe ihn nicht erlegt, es war ein faszinierender Anblick“, gestand er. In Nordwestmecklenburg sieht er noch kein Problem mit dem Wolf, wünscht sich aber eine Rechtssicherheit für den Jäger. „Der Wolf hat vergessen, dass der Mensch für ihn eine Gefahr darstellt“, kommentierte er.

Realismus müsse einkehren, forderte Wolf-Dietmar Vetter aus Warin, der im Publikum Platz genommen hatte. Unweit von ihm sei ein Rudel Wölfe nachgewiesen worden. Der Wolf müsse Angst vor Menschen bekommen und nicht umgekehrt. Vor einigen Wochen habe er noch gedacht, dass von durchziehenden Wölfen keine Gefahr ausgeht. Er wurde eines Besseren belehrt, nachdem Züchter ihre gerissenen Tiere entsorgen mussten.

Gerhard Kusch, Kreisjagdverband Rostock: „Es gibt keine Jäger, die ohne Sinn und Verstand durch die Gegend ballern.“ Quelle: Dietmar Lilienthal
Landwirt Wolf-Dietmar Vetter aus Warin: „Der Wolf muss Angst vor dem Menschen bekommen und nicht umgekehrt“. Quelle: Dietmar Lilienthal
Pferdezüchterin Ute Keller aus Zierow: „Wir haben keine wolfssicheren Zäune, Fort Knox ist für uns nicht bezahlbar.“ Quelle: Dietmar Lilienthal

Jana Franke

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