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Nordwestmecklenburg Gemeinden dürfen Seegras nicht länger deponieren
Lokales Nordwestmecklenburg Gemeinden dürfen Seegras nicht länger deponieren
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20:10 01.06.2015
Sobald eine Gemeinde das angespülte Seegras, besser gesagt das Treibsel, anrührt, wird sie zum Besitzer und ist für den weiteren Verbleib verantwortlich. Quelle: Dana Dolata
Malchow

Seegras, der Stoff, aus dem die Träume sind. Die Albträume der Ostseegemeinden. Denn sobald sie das Treibgut aus dem Meer anfassen, werden sie zu deren Besitzern und sind dafür verantwortlich. Und damit beginnen für die Orte von Dassow bis Boiensdorf die Probleme. Seit 2005 dürfen biogene Rohstoffe wie Seegras laut Abfallgesetz nicht mehr deponiert werden.

Jedenfalls nicht offiziell. Von Boltenhagen bis zum Salzhaff haben viele Gemeinden es zumindest in Zwischenlagern dennoch gemacht.

Damit soll nun endgültig Schluss sein. So will es das Land und hat die Kreisverwaltung zum Handeln aufgefordert. Roland Finke, Leiter des Fachdienstes Umwelt in Nordwestmecklenburgs Kreisverwaltung, kennt das Problem, seit er dort vor fünf Jahren anfing. „Ob in Boltenhagen, an der Wohlenberger Wiek, in Zierow oder auf Poel, alle Gemeinden machen irgendwelche Dinge mit dem Seegras, aber alles was sie machen, ist rechtswidrig“, sagte Roland Finke bei der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft des Kreistages in Malchow auf der Insel Poel. Genau genommen mache sich jede Gemeinde, die Treibgut vom Strand länger deponiere, strafbar.

Würden sie Seegras, Algen und Co. einfach am Strand liegen lassen, wäre rein rechtlich alles in Ordnung. Aber dann würde es Proteste von den Urlaubern hageln, gefolgt von Abreisen und Umsatzeinbußen in den Ostseegemeinden, weiß auch Roland Finke.

Aber was ist zu tun? „Das Beste wäre natürlich, wenn wir das, was wir vom Strand geholt haben, wieder zurückbringen könnten“, sagte Sachgebietsleiter Frank Scholz von der Unteren Abfallbehörde. Doch zunächst einmal sei das Treibsel vor allem eines: nass. Bei einer Lagerung würde eine Gärung beginnen, in deren Folge Sickerwasser austrete, das „durchaus mit häuslichem Abwasser vergleichbar ist“, so Scholz. In trockener und eventuell zerkleinerter Form könne der Rest dann wieder an den Strand gebracht werden.

Ein entsprechend sicheres Zwischenlager, in dem das Sickerwasser aufgefangen wird, habe derzeit nur die Insel Poel, sagten die beiden Männer aus der Kreisverwaltung. „Poel ist die Speerspitze, das Modellprojekt in diesem Verfahren“, betonte Roland Finke und Poels Bürgermeisterin Gabriele Richter (parteilos) erwiderte: „Da sind wir nicht stolz drauf.“ Denn die Änderung des Flächennutzungsplans und der Umbau des alten Silos im Ortsteil Kaltenhof hätten in erster Linie Geld gekostet. „Etwa 90000 Euro“, sagt Gabriele Richter. Geld, das die Gemeinde kaum wiedersehen wird, Pilotprojekt hin oder her.

Ausschussmitglied Franz-Josef Boge (parteilos) hat als Bürgermeister von Zierow ebenfalls immer wieder mit Seegras zu kämpfen. „Wir schieben es mit dem Radlader einfach wieder ins Meer, uns bleibt nichts anderes übrig“, erklärte er und rechnete vor: In einem Spitzenjahr nehme Zierow 13000 Euro über den Tourismus ein. „Die Strandberäumung kostet aber rund 25000 Euro.“ Trotz dieser Unterdeckung wollte der Bürgermeister vom Fachdienstleiter gern wissen, ob er weiter so verfahren könne. Das könnte ein Weg sein, entgegnete Frank Scholz, „wenn es außerhalb von Naturschutzgebieten und ohne Beeinträchtigung von Biotopen abläuft“. Die Verwaltung brauche aber eine genaue Darstellung über das Verfahren, bevor sie endgültig entscheiden könne.

Einen Königsweg habe noch keiner gefunden, so Roland Finke. „Es gab ja verschiedene Ansätze, Seegras zu verwerten. Leider hat sich keiner als wirtschaftlich erwiesen“, bedauerte die Ausschussvorsitzende Petra Kesper (Bündnis 90/ Grüne). Am Ende beschloss der Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft ein Treffen mit allen betroffenen Bürgermeistern und den Mitgliedern des Fachdienstes Umwelt im Frühherbst. „Dann werden wir gemeinsam nach Lösungen suchen“, beendete Petra Kesper diesen Tagesordnungspunkt. In einem war sie ganz sicher: „Das Thema Seegras und Treibsel wird uns noch lange beschäftigen.“

Treibsel und Pflanzen
Treibsel oder Schwemmgut sind alle Gegenstände, die im Meer oder Binnengewässern auf der Wasseroberfläche treiben. Dazu zählen natürliche Materialien wie Äste und Wasserpflanzen, aber auch Müll wie Plastikflaschen oder Tüten und ähnliches, zudem Wrackteile und so weiter.
Als Seegras werden verschiedene grasähnliche, im Meer lebende Samenpflanzen bezeichnet. Im Gegensatz zum Seetang haben Seegräser Wurzeln und können blühen. Sie säumen in großen Mengen die Küstenregionen. Es gibt 16 Arten der Seegrasgewächse, von denen einige bis in eine Tiefe von 15 Metern wachsen.

Sylvia Kartheuser

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