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Nordwestmecklenburg Gemeindewehrführer fehlt Ausbildung
Lokales Nordwestmecklenburg Gemeindewehrführer fehlt Ausbildung
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23:22 09.11.2015
Bürgermeister Rainer Berger (re.) hat Stephan Haberkorn zum Gemeinde- wehrführer von Groß Siemz ernannt — trotz der fehlenden Qualifikation.
Groß Siemz

„Ich schwöre, das Grundgesetz und alle in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze zu wahren und meine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen.“

Nachdem Stephan Haberkorn diese Worte gesprochen hatte, ernannte Rainer Berger, Bürgermeister von Groß Siemz, ihn am Dienstag zum Ehrenbeamten. Haberkorn ist damit offiziell Gemeindewehrführer von Groß Siemz.

Bei anderen Feuerwehrleuten ist die Ernennung des 37-Jährigen aber umstritten. Der Grund: Haberkorn fehlt die laut Laufbahnverordnung geforderte Qualifikation. Demnach muss der Wehrführer einer Feuerwehr mit Grundausstattung, wie die in Groß Siemz, mindestens die Ausbildung zum Gruppenführer absolviert haben. Genau die fehlt Haberkorn aber. Das geht aus dem Wahlvorschlag hervor, den Bürgermeister Berger im Januar unterschrieben und das Amt am 15. Oktober abgestempelt hat. In dem zweiseitigen Papier, das der OZ vorliegt, fehlt eine wichtige Angabe. Beim Satz: „Ich habe folgende Lehrgänge besucht“, ist kein Datum beim Gruppenführer eingetragen. Auch nicht beim Zugführer, beim Verbandsführer und beim Leiter einer Feuerwehr. Das heißt, der Groß Siemzer Wehrführer hat keinen dieser Lehrgänge besucht. „Dann hätte er meiner Meinung nach nicht gewählt und auch nicht zum Ehrenbeamten ernannt werden dürfen“, sagt ein Feuerwehrmann vom Vorstand einer Stützpunktfeuerwehr hinter vorgehaltener Hand. „Außerdem darf Kamerad Haberkorn dann keine Einsätze leiten.“

Das hat Amtswehrführer Michael Stange mittlerweile verboten. Seit Juli darf die Groß Siemzer Wehr auch nicht mehr allein ausrücken. Die Nachbargemeinde Schönberg wird immer mit alarmiert.

Normalerweise hat bei Einsätzen auf dem Gemeindegebiet auch immer der ortsansässige Wehrführer das Sagen. In Groß Siemz nicht.

Auf Nachfrage erklärt Schönbergs Feuerwehrchef Jörn Stange: „Weil der Groß Siemzer Wehrführer dafür nicht ausgebildet ist.“

Das Amt Schönberger Land verweist auf Anfrage der OZ darauf, dass sich Haberkorn verpflichtet habe, den Gruppenführerlehrgang innerhalb von zwei Jahren nachzuholen. „Herr Haberkorn ist seit 2010 Gemeindewehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Groß Siemz. Die Voraussetzungen für die Ernennung zum Gemeindewehrführer liegen vor“, heißt es von offizieller Seite.

Im Brandschutzgesetz steht, dass zum Wehrführer gewählt werden kann, wer mindestens vier Jahre einer Feuerwehr angehört und nicht älter als 59 Jahre ist. Die fachliche Qualifikation laut Laufbahnverordnung hat der Groß Siemzer Wehrführer aber nicht. Das weiß auch Bürgermeister Rainer Berger. „Wir arbeiten daran, dass unser Wehrführer die notwendige Ausbildung bekommt. Leider ist die Situation katastrophal, was Ausbildungsplätze für den Gruppenführer angeht“, sagt er.

Das bedeutet letztlich, dass bei der Feuerwehr in Groß Siemz seit fünf Jahren jemand den Hut auf hat, dem laut Feuerwehr-Laufbahnverordnung die entsprechende Qualifikation fehlt.

Groß Siemz ist damit jedoch längst kein Einzelfall im Amt Schönberger Land. Auch in der Gemeinde Roduchelstorf hatte der Wehrführer über Jahre nicht die Ausbildung, um eine Wehr zu führen.

Amtswehrführer Michael Stange hatte deshalb auch dort im Sommer entschieden, dass die Feuerwehr nicht mehr alleine ausrücken darf — sondern nur noch gemeinsam mit der Schönberger Wehr.

Im Amt Klützer Winkel schaut man offenbar kritischer auf die Ausbildung des Feuerwehrpersonals. Nach Informationen der OZ ist es dort ein ungeschriebenes Gesetz, dass nicht ausreichend qualifizierte Leute keine Führungsposten übernehmen dürfen.

Steffen Oldörp

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