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Nordwestmecklenburg Geteilte Meinungen zu Deponie und Vorwürfen
Lokales Nordwestmecklenburg Geteilte Meinungen zu Deponie und Vorwürfen
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16:21 14.11.2018
Über 165 Hektar erstreckt sich die Deponie Ihlenberg bei Selmsdorf (Nordwestmecklenburg). Quelle: Jürgen Lenz
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Selmsdorf

Für Aufregung im Land sorgen die Vorwürfe, die Stefan Schwesig gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Ihlenberger Abfallensorgungsgesellschaft, erhebt. Nach seinen Ausführungen soll auf der landeseigenen Deponie zwischen Selmsdorf und Schönberg Müll mit deutlich mehr Giftstoffen eingelagert worden sein, als vereinbart war.

Willi Mühlenberg aus Selmsdorf sagt: „Grundsätzlich ist meine Meinung gegenüber der Mülldeponie sehr positiv.“ Quelle: Jürgen Lenz

Die Meinungen der Selmsdorfer und Schönberg zu den von Stefan Schwesig erhobenen Vorwürfen und zur Deponie im Allgemeinen gehen weit auseinander. Der Selmsdorfer Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) sagt: „Wir fordern, dass die Angelegenheit umgehend aufgeklärt wird. Dem muss nachgegangen werden.“ Die Gemeinde Selmsdorf habe grundsätzlich Vertrauen zu den Aufsichtsbehörden, aber auch zur Deponieleitung, die die Kommune über vieles zügig informiere. Es gebe allerdings vonseiten der Gemeinde nicht die Möglichkeit, alles zu kontrollieren. Marcus Kreft erklärt: „Mensch und Natur gehen in jedem Fall vor.“

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Der Selmsdorfer Haat-Hedlef Uilderks, Mitglied der Bürgerinitiative „Stoppt die Deponie Schönberg“, sagt: „Es geht um ein hochprofitables Geschäft.“ In der Vergangenheit seien einige Fälle nachgewiesen worden, in denen die Deklaration von Abfällen nicht mit den tatsächlich vorhandenen Schadstoffen und deren Mengen übereingestimmt habe. Das sei nicht nur für Mitarbeiter der Deponie gefährlich, sondern auch für Bewohner der Orte in der Umgebung, für Menschen entlang der Transportwege und für Feuerwehrleute, die brennenden Abfall löschen.

Bernd Räsenhöft aus Schönberg sagt: „Wir müssen unseren Müll irgendwo loswerden und da ist es mir immer noch lieber auf der Deponie, wo ich halbwegs Vertrauen zu haben kann und wo es einigermaßen sicher ist und unter Kontrolle als irgendwo in den Wald gekippt oder nach China und sonstwo exportiert.“ Quelle: Jürgen Lenz

„Es gab auch schon Ermittlungen der Staatsanwaltschaft“, sagt Uilderks. Die Ermittlungen hätten nicht die jetzige Deponieleitung betroffen. Wenn Abfälle nicht ordnungsgemäß deklariert würden, müsse das Konsequenzen haben, fordert der Selmsdorfer.

Willi Mühlenberg aus Selmsdorf sagt: „Grundsätzlich ist meine Meinung gegenüber der Mülldeponie sehr positiv.“ Es könne sich jeder Einzelne davon überzeugen, was dort gemacht werde. Das sei auch für Gruppen möglich – beispielsweise am Tag der offenen Tür. Die Deponie Ihlenberg bestehe ja schon sehr lange. Will Mühlenberg sagt: „Wir haben in unserer Gesellschaft so viel Müll und der muss irgendwo bleiben.“

Bernd Räsenhöft aus Schönberg ist ähnlicher Meinung. Er erklärt: „Wir müssen unseren Müll irgendwo loswerden und da ist es mir immer noch lieber auf der Deponie, wo ich halbwegs Vertrauen zu haben kann und wo es einigermaßen sicher ist und unter Kontrolle als irgendwo in den Wald gekippt oder nach China und sonstwo exportiert.“

Johannes Hagge aus Selmsdorf kann es sich eigentlich nicht vorstellen, das an Schwesigs Vorwürfen etwas dran ist. Er sagt: „Ich glaube, das ist Blödsinn. Als ich vor 21 Jahren hier eingezogen bin, konnte ich die Fenster nicht aufmachen, weil es so gestunken hat. Das ist heute nicht mehr so.“ Ganz anderer Ansicht ist die Selmsdorferin Christa Taufener. Sie sagt: „Es kommt abends oft vor, dass es stinkt. Das kommt aber auch auf die Windrichtung an. An den Vorwürfen könnte was dran sein. Wenn ich an der Deponie vorbeifahre, fahr' ich auch etwas schneller. Andererseits weiß man auch nicht immer, wo das Gemüse herkommt, das man kauft.“

Jürgen Lenz und Malte Behnk

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