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Nordwestmecklenburg Nach Glyphosat-Verbot: Grevesmühlen kämpft gegen Unkraut in der Innenstadt
Lokales Nordwestmecklenburg Nach Glyphosat-Verbot: Grevesmühlen kämpft gegen Unkraut in der Innenstadt
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12:00 10.09.2019
In den Fugen des Kopfsteinpflasters in der Grevesmühlener Innenstadt wächst das Unkraut. Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Als grüne Stadt bezeichnet sich Grevesmühlen, weil es neben zahlreichen Alleen und Parks etliche Grünpflanzen in der Stadt gibt. Doch mittlerweile ist Grevesmühlen deutlich grüner als vielen Einwohnern lieb ist. „Auf den Straßen der Innenstadt wächst das Unkraut fast 20 Zentimeter hoch“, sagt Jörg Bendiks, Stadtvertreter und Mitglied der Linken. „Es sieht nicht nur nicht schön aus, es stört auch.“ Und zwar nicht nur ihn, sondern auch Bürgermeister Lars Prahler, der inzwischen auch die Ursache für die ausufernde Flora kennt. „Unser Bauhof hat seit dem Glyphosat-Verbot ein richtiges Problem“, erklärt das Stadtoberhaupt. „Die Entscheidung, auf dieses Mittel zu verzichten, ist umweltpolitisch natürlich richtig. Aber uns als Kommune stellt dieser Schritt vor ein gewaltiges Problem, denn es gibt kein anderes wirksames Mittel, um das Unkraut kurz zu halten.“ Und so sprießt es vor allem in den Fugen der Kopfsteinpflasterstraßen und an den Rändern der Geh-, Rad- und Fahrwege munter weiter.

Das steckt hinter der Anwendung von Glyphosat

Kann Glyphosat auf nicht-landwirtschaftlichen Flächen angewandt werden?

Auf Nichtkulturland darf Glyphosat nur mit ausdrücklicher Genehmigung der zuständigen Landesbehörde eingesetzt werden. Die Anwendung glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel auf Flächen, die von der Allgemeinheit genutzt werden, wie öffentliche Parks und Gärten, Sport- und Freizeitplätze, Schulgelände und Kinderspielplätze ist stark eingeschränkt.

Auf diesen Flächen obliegt es den zuständigen Städten, Gemeinden oder Landkreisen, sachgerechte Unkrautbekämpfungsmaßnahmen zu definieren und verantwortungsvoll mit Pflanzenschutzmitteln und auch Ausnahmegenehmigungen umzugehen. Die Tatsache, dass glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel grundsätzlich zugelassen sind, schließt nicht aus, dass Kommunen in eigenem Ermessen andere Mittel beschaffen und anwenden. Pflanzenschutzmittel dürfen darüber hinaus grundsätzlich nicht auf befestigten Flächen, wie Gehwegen, verwendet werden. (Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung)

Mit der Drahtbürste gegen ungeliebtes Grün

Die einzige Lösung, um das Unkraut derzeit zu bekämpfen, ist eine mechanische. Heißt: Der Bauhof müsste mit einer Drahtbürste an einem der Fahrzeuge durch die Straßen fahren. Das ist sowohl theoretisch als auch praktisch durchaus machbar. „Aber leider würden wir dabei die Fugen zwischen den Steine auch leerfegen, und das ist wenig sinnvoll“, erklärt Lars Prahler. „Wie gesagt, im Moment haben wir keine Lösung für das Problem.“

Umweltschutz geht vor

Dass das Verbot von Glyphosat richtig sei, daran gibt es im Grevesmühlener Rathaus keine Zweifel. Zumal der Bauhof in allererster Linie nachhaltig und verantwortungsvoll handeln würde, so Grevesmühlens Stadtsprecherin Regina Hacker. „Ein hohes Ziel ist es, unsere Umwelt zu schonen und zu erhalten.“ Die Leiterin des Bauhofes, Manuela Harder, würde regelmäßig geschult vom Pflanzenschutzdienst des Landes, und diese Erkenntnisse würde auch umgehend umgesetzt.

Straßen mit Kopftsteinpflaster sind ein Problem

Die Nachfrage beim Landkreis, wie die Straßenmeisterei mit dem Problem ungehe, lautet; „In der Kreisstraßenmeisterei wird grundsätzlich kein Glyphosat eingesetzt. Da in der Regel durch den Kreis Befestigungen aus Asphalt unterhalten werden, ist hier das Problem mit dem Unkraut nicht so groß. Auf den Einzelflächen die zum Beispiel mit Pflaster befestigt sind, erfolgt die Unkrautbeseitigung mechanisch.“ Die weiteren Grünflächen wie Böschungen, Verkehrsinseln beziehungsweise in Teilen Bankette würden gemäht.

Kommune sucht nach Alternativen

Während die konventionelle Landwirtschaft bis zum endgültigen Verbot auf die chemische Keule angewiesen ist bei der Unkrautbekämpfung, suchen die Kommunen nun nach Alternative. Fündig geworden sind sie bislang nicht, wie das Beispiel aus Grevesmühlen zeigt. Denn der Bauhof der Stadt kann sich über Langeweile nicht beklagen, zumal der Umfang der Aufgabe auch künftig zunimmt. Im Zuge der Planungen für eine Fahrradbahn auf dem Areal der ehemaligen Müllhalde an der Sandstraße wies Bürgermeister Lars Prahler schon im Vorfeld daraufhin, dass zwar möglichst viel Grünfläche dort entstehen solle. „Aber gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass das Areal pflegeleicht bleibt.“ Bedeutet: Die Bepflanzung soll so ausgewählt werden, dass nicht jede Woche gemäht werden muss.

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Von Michael Prochnow

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