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Nordwestmecklenburg Grevesmühlen: Welche Probleme die zwölf Dorfstraßen bereiten
Lokales Nordwestmecklenburg Grevesmühlen: Welche Probleme die zwölf Dorfstraßen bereiten
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19:00 10.02.2020
Nicht selten auf das Navi angewiesen: Taxifahrer Björn Burmeister (l.) und Dustin Thiele. Quelle: Jana Franke
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Grevesmühlen

Nicht ohne mein Navi! Nun gut, vielleicht nicht stets und ständig, aber oft benötigen die Taxifahrer Björn Burmeister und Dustin Thiele eine Wegbeschreibung via Satellit. Björn Burmeister fährt gern nach dem auf seinem iPhone installierten Navi. „Das ist stets aktuell“, nennt er nur einen Vorteil.

Dustin Thiele nutzt Google Maps. Auf Aktualität beziehungsweise Richtigkeit kann man sich hier jedoch nicht unbedingt verlassen. Beispiel gefällig? Das hat Dustin Thiele schnell parat und zückt sein Handy. Auf dem ist zu sehen, dass Degtow zwischen Wotenitz und Grevesmühlen liegt. Dabei liegt der Ort eher in Richtung Wismar.

Google Maps ist – wie in diesem Beispiel zu sehen – nicht immer ein verlässlicher Partner. Degtow befindet sich hier zwischen Wotenitz und Grevesmühlen. Quelle: Screentshot

Beim Google-Imperium nachhakt, blieben die OZ-Nachfragen leider unbeantwortet. Zu gern hätten wir auch gewusst, wie oft das Unternehmen die sogenannten Street View-Autos auf Reisen schickt. Kilometer für Kilometer fahren sie die europäischen Straßen ab und scannen mit einer 360-Grad-Kamera die Orte. Gerade jetzt, wenn Städte und Ämter die vielen Dorf- und Hauptstraßen umbenennen, wäre das für Google-Maps-Nutzer wichtig.

Vielerorts wurden die Verhältnisse geordnet

Im Amtsbereich Grevesmühlen-Land haben die meisten Gemeinden die mehrfach vorkommenden Straßennamen in ihren Ortsteilen bereits geordnet. Groß war vor allem die Herausforderung in der Gemeinde Stepenitztal, zu der nach der letzten großen Fusion insgesamt 16 Ortsteile gehören. „Nachdem die Straßennamen und Hausnummern verändert wurden, gab es haufenweise Beschwerden von Anwohnern aus Stepenitztal. Immer wieder kam es vor, dass die Post diese oder jene neue Adresse nicht fand“, erinnert sich Ivon Rath vom Bauamt der Stadt Grevesmühlen, die die Gemeinden im Amt Grevesmühlen-Land bei der Umsetzung der Straßenumbenennungen unterstützt hat. „Ungefähr nach einem halben Jahr normalisierte sich dann alles.“

Dieses Problem kennen auch die beiden Taxifahrer Björn Burmeister und Dustin Thiele. Auch für sie und ihre Kollegen von Funktaxi in Grevesmühlen war es eine Herausforderung, Kunden zu finden. „Als alle Dorfstraßen noch Dorfstraßen hießen, war es wegen der Gewohnheit einfacher“, meint Björn Burmeister. Jetzt würden Kunden, die ein Taxi rufen, Anhaltspunkte wie „roter Zaun“ oder „gegenüber der Bushaltestelle“ geben, damit sie leichter gefunden werden.

Umbenennung keine gesetzliche Pflicht

Per Gesetzgeber ist keine Gemeinde nach erfolgter Fusion zur Umbenennung von Straßen verpflichtet. „Es liegt im Ermessen der Gemeinden“, erklärt Grevesmühlens Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Pirko Scheiderer. Neben Stepenitztal haben auch Roggenstorf und die Gemeinde Upahl, die zum 1. Januar 2019 mit Plüschow fusionierte, Umbenennungen vorgenommen.

Pirko Scheiderer, Leiterin des Haupt- und Ordnungsamtes der Stadt Grevesmühlen in ihrem Büro im Rathaus. Quelle: Annett Meinke

In der Gemeinde Warnow existieren noch doppelte Straßennamen. Ebenfalls in Rüting. Spitzenreiter ist die Stadt Grevesmühlen. In 13 Ortsteilen existieren zwölf Dorfstraßen. Der Bauausschuss der Stadtvertretung hatte sich nach Beratung gegen eine Umbenennung ausgesprochen.

Holger Hinze, Bürgermeister der Gemeinde Rüting, sieht das Thema in seiner Gemeinde entspannt. „Bisher ist mir wegen der beiden Dorfstraßen in Diedrichshagen und Schildberg noch nichts wirklich gravierend Problematisches zu Ohren gekommen“, sagt er. „In unserer Gemeinde sind wir der Ansicht, dass es jede Menge anderer Probleme zu lösen gibt, als die Dorfstraßen-Frage.“

Amt kann Straßen umbenennen, ohne Bürger zu Fragen

Dennoch: Das Ministerium für Inneres des Landes Mecklenburg-Vorpommern scheint nach Auskunft des Haupt- und Ordnungsamtes der Stadt Grevesmühlen daran interessiert, dass mit den Straßennamen im Land alles seine Ordnung hat. Es könne passieren, erklärt Amtsleiterin Scheiderer, „dass, wenn zum Beispiel eine Situation einträte, in der die Sicherheit und Ordnung nachweislich gefährdet ist, das Ermessen der Gemeinde nicht mehr zählt.“ Dann kann das Haupt- und Ordnungsamt entscheiden und die Straßen umbenennen, ohne Bürger zu befragen oder sie in die Entscheidung einzubinden.

In den Gemeinden, in denen die Straßen umbenannt wurden, sind jeweils Einwohnerversammlungen abgehalten und über die neuen Straßennamen mit den Bürgern abgestimmt worden.

Adresse nach Norm führt Post oft in die Irre

Seltsamerweise entstehen für die Post, wie Bürger dem Bauamt sowie dem Haupt- und Ordnungsamt in Grevesmühlen immer wieder berichteten, dann am wenigsten Probleme, wenn die Formulierung der Anschrift gerade nicht der so oft eingeforderten DIN-Norm entsprechen. Laut DIN, die vom Bund mit der Post und anderen großen Wirtschaftsunternehmen vereinbart wurde, steht zuoberst Vorname und Name des Empfängers. In der Zeile unter dem Namen kann der Ortsteil stehen, darunter die Straße mit Hausnummer und ganz unten dann die Postleitzahl mit dem Gemeindenamen.

Wie sich gezeigt hat, findet die Post aber eher den richtigen Weg, wenn der Ortsteil hinter der Postleitzahl steht – was eben eigentlich laut DIN nicht sein soll.

Gefahr: Wenn Rettungskräfte den Weg nicht finden

Wenn Post nicht ankommt, ist das ohne Frage ein Problem. Doch Sicherheit und Ordnung sind wohl erst dann gefährdet, wenn Feuerwehren nicht dorthin gelangen, wo es brennt, sondern ganz woanders hingeleitet werden, weil die Navigationsgeräte ihnen nicht die richtige Adresse anzeigen.

Ähnlich gefährlich wird es, wenn dringend ein Krankenwagen gebraucht wird, der per Navi nicht den richtigen Weg findet. Das kann passieren, wenn es Doppelbelegungen bei den Straßennamen einer Gemeinde gibt, aber auch wenn es neue Straßennamen gibt und die Navigationsgeräte kein Update erfahren haben.

Regelmäßige Aktualisierungen können eine teure Angelegenheit sein. Und nicht jeder Navihersteller reagiert sofort. Dennoch hat sich die Zeit drastisch verkürzt. Tomtom aktualisiert zum Beispiel alle 48 Stunden. Früher waren es alle sechs Monate.

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Von Annett Meinke und Jana Franke

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