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Nordwestmecklenburg Hakenkreuze nach Tod von syrischem Jungen in Schönberg: Mann angeklagt
Lokales Nordwestmecklenburg Hakenkreuze nach Tod von syrischem Jungen in Schönberg: Mann angeklagt
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13:24 26.04.2019
Die Dassower Straße in Schönberg: Hier ist ein neunjähriger syrischer Junge gestorben. Quelle: Michael Prochnow
Schönberg

Die Schweriner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 23 Jahre alten Mann aus Schönberg erhoben wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung. Hintergrund ist der Unfalltod eines neun Jahre alten syrischen Jungen, der bei einem Verkehrsunfall im Juni vergangenen Jahres in Schönberg ums Leben gekommen war. Wenige Wochen später waren an der Unfallstelle ein Hakenkreuz und der Schriftzug „1:0“ auf den Gehweg gemalt worden.

Die Staatsanwaltschaft geht vor dem Hintergrund der Fußballweltmeisterschaft 2018 davon aus, dass der Angeklagte mit dem demonstrativ an der Todes- und Gedenkstätte besprühten Zeichen und Schriftzug den tragischen Unfalltod jedes Kindes allein wegen dessen Herkunft menschenverachtend mit einem „Tor für Deutschland“ gleichsetzen und als eine – aus seiner nationalen Sicht – zu begrüßende „1:0-Führung“ in einem Wettkampf gegen Flüchtlinge darstellen wollte.

Im Rahmen der Ermittlungen waren noch drei weitere Männer ins Visier der Kripo und des Staatsschutzes geraten. Allerdings konnte ihnen eine Tatbeteiligung nicht mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden, teilte die Staatsanwaltschaft mit: „Das gegen sie geführte Ermittlungsverfahren ist daher eingestellt worden.“

Am 20. Juni war der Junge, der mit seiner Familie als Flüchtling in Schönberg lebte, mit dem Fahrrad in der Dassower Straße unterwegs. Er geriet unter einen Traktor, das Kind starb drei Tage später an den schweren Verletzungen. Der Vorfall sorgte damals für Entsetzen in Schönberg. Blumen und ein Foto des Jungen wurden an der Unfallstelle aufgestellt.

Am 8. Juli dann der erste Fall. Mit weißer Kreide wurde ein Hakenkreuz auf den Gehweg gemalt. Drei Wochen später, am 28. Juli, sprühte jemand erneut ein Hakenkreuz auf den Gehweg an der Unfallstelle, mit dem Zusatz 1:0.

Das erste Hakenkreuz hatte bereits für einen Aufschrei in der Region gesorgt, doch nachdem das Nazi-Symbol übermalt worden war, dachte kaum noch jemand an den Vorfall. Bis dann das zweite Hakenkreuz mit dem Zusatz auftauchte. Die Nachricht ging durch die Medien, bundesweit. Der Fokus richtete sich auf die Kleinstadt in Nordwestmecklenburg.

Am Ende schlossen sich die Menschen zu einer Mahnwache zusammen. Zeigten Flagge.

Parallel liefen die Ermittlungen der Kriminalpolizei und des Staatsschutzes. Schnell war klar, dass der beziehungsweise die Täter aus dem Ort oder zumindest aus der Nähe stammen müssen. Und so scheint es auch zu sein. Bereits wenige Tage nach dem zweiten Vorfall vermeldet die Staatsanwaltschaft, dass zwei Tatverdächtige, 22 und 23 Jahre alt, ermittelt worden seien. Später weiten die Ermittler die Spurensuche auf weitere Verdächtige aus. Übrig geblieben ist die Anklage gegen den 23-Jährigen. Und die Frage: Warum tun Menschen so etwas?

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