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Nordwestmecklenburg Heimatserie: Mecklenburgs Universitäten und Hochschulen
Lokales Nordwestmecklenburg Heimatserie: Mecklenburgs Universitäten und Hochschulen
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20:10 20.07.2018
Steffen Stuth, Leiter des Kulturhistorischen Museums, schaut sich die Gründungsurkunde der Universität Rostock in der Ausstellung „Rostock jetzt 800“ an. Diese Urkunde war bis Mitte Juli zu sehen, dann kehrte sie ins Landeshauptarchiv zurück. Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Wismar

Die Herzöge Johann IV. und Albrecht V. von Mecklenburg und der Rat der Hansestadt gelten als Begründer der Rostocker Universität. 1418 verfassten sie ein Ersuchen um Gründung der Hochschule. Unter Mitwirkung des Schweriner Bischofs Heinrich II. von Nauen wurde das Papier an Papst Martin V. gesandt. Dieser stimmte am 13. Februar 1419 der Gründung zu. Am 12.

Die Herzöge Johann IV. und Albrecht V. von Mecklenburg und der Rat der Hansestadt gelten als Begründer der Rostocker Universität. 1418 verfassten sie ein Ersuchen um Gründung der Hochschule.

Morsius erster Bibliothekar

Das Jahr 1569 kann als

Gründungsjahr der Universitätsbibliothek Rostock angesehen

werden. Der Dekan Nathan Chyträus, der von 1543 bis 1598 lebte, schenkte das erste Buch und legte damit den Grundstein für die Bibliothek, die heute über rund 2,2 Millionen Bände verfügt.

Im Jahre 1615 wurde Joachim

Morsius der erste Rostocker

Universitätsbibliothekar.

November 1419 fand die feierliche Eröffnung der Universitas Rostochiensis statt. Sie war damit die erste Universität Nordeuropas. Das Gründungsprivileg des Papstes beschrieb als wichtige Aufgabe der Universität „die Vertreibung der Finsternis durch das Licht des christlichen Glaubens sowie des Wissens und der Weisheit“. In diesem Sinne übte die Kirche in den ersten Jahrzehnten der Universität den entscheidenden geistigen Einfluss aus. Doch mit dem Voranschreiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung entstanden Wissenschaften, die sich auf antike Vorbilder bezogen. Im Jahre 1542 wurde die Universität protestantisch und zog bedeutende Humanisten an. Schon bald galt die Universität als eine „Leuchte des Nordens“. Ein Begriff, den der Rostocker Ratsherrensohn und Dichter Peter Lindenberg um 1590 in einem Lobgedicht auf seine Heimatstadt prägte.

Infolge politischer Wirren musste die Universität 1437 auf kirchlichen Druck nach Greifswald umziehen. Dort hatte sie ihren Sitz bis 1443. Von 1487 bis 1488 befand sich dieser aufgrund eines weiteren Auszugs in Lübeck. 1760 wurde die Hochschule in eine dem Rat unterstellte Universität in Rostock und eine fürstliche Universität in Bützow geteilt, jedoch im Jahre 1789 wiedervereinigt. Nachdem die Universität 1827 von der Stadt auf das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin übergegangen war, wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch einen großzügigen Ausbau, unter anderem von neuen Kliniken, wieder der Anschluss an das Niveau anderer deutscher Universitäten erreicht. Ausdruck des wieder gewachsenen Selbstbewusstseins war der Bau eines Hauptgebäudes am Blücherplatz. Es wurde 1867 bis 1870 nach einem Entwurf des Schweriner Hofbaurates Hermann Willebrand im Stil der Neorenaissance errichtet.

Als am 12. November das 500. Universitätsjubiläum gefeiert wurde, erhielt mit Albert Einstein einer der bedeutendsten Wissenschaftler die Ehrendoktorwürde. Ab 1933 stellte sich die Hochschule ganz in den Dienst der Nationalsozialisten. Rostocker Studenten gehörten zu denen, die am 10. Mai 1933 auf dem heutigen Vögenteichplatz die Bücher fortschrittlicher Autoren dem Feuer übergaben. Mehrere Gelehrte verloren sofort ihre Stellung, darunter die jüdischen Wissenschaftler David Katz und Hans Moral.

Nach dem Krieg wurde die Universität am 24. Februar 1946 wiedereröffnet. Im selben Jahr begann auch Arno Esch (1928-1951) ein Studium der Rechtswissenschaften in Rostock. Weil er sich unter anderem für das Recht auf Kriegsdienstverweigerung einsetzte, wurde er am 18. Oktober 1949 verhaftet und im Juli 1950 in Schwerin von einem sowjetischen Militärtribunal wegen Spionage und Bildung einer konterrevolutionären Organisation verurteilt. Anschließend wurde er nach Moskau gebracht und dort am 24. Juli 1951 erschossen.

Im Jahre 1950 wurde eine landwirtschaftliche Fakultät eröffnet, 1951 ein Fachbereich für Schiffbau, der ab 1963 Technische Fakultät hieß. Ab 1951 wurde das marxistisch-leninistische Grundlagenstudium für Studenten aller Fachrichtungen obligatorisch. 1976 erhielt die Hochschule den Namen des DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck, den sie 1990 aber wieder ablegte.

Nach der Wende wuchs die Anziehungskraft der Universität weiter. So waren im Wintersemester 2016/17 exakt 13 864 Studenten immatrikuliert. Insgesamt wurden im Jahr 2016 von der Universität 327

Professoren und 2900 Mitarbeiter direkt beschäftigt. Derzeit gibt es mehr als hundert verschiedene Studiengänge.

Zu den Gelehrten an der Rostocker Alma Mater gehörte der Humanist Ulrich von Hutten (1488-1523). Ihn verschlug es im Dezember 1509 unter dramatischen Umständen von Greifswald dorthin. In der vorpommerschen Universitätsstadt hatte er als Schiffbrüchiger bei Professor Lötz Quartier und Unterstützung gefunden. Er war aber schon bald mit ihm so in Streit geraten, dass er es vorzog, bei Nacht und Nebel zu fliehen. Unterwegs wurde er jedoch von Beauftragten seines Gastgebers überfallen, ausgeraubt und misshandelt. Schwer krank kam er in Rostock an. Nach seiner Genesung hielt er an der Universität Vorlesungen.

Auch der Theologieprofessor David Chyträus (1530-1600) lehrte in Rostock und hatte sechs Mal das Amt des Rektors inne. Als ehemaliger Schüler und Mitarbeiter von Philipp Melanchton war er in dessen Sinne bestrebt, den Humanismus mit der reformatorischen Lehre Martin Luthers zu verbinden.

Professor Joachim Jungius (1587-1657) gründete in Rostock im Jahre 1622 die erste Akademie der Wissenschaften in Deutschland. Zu den bemerkenswertesten Studenten jener Zeit zählte der dänische Adlige Tycho de Brahe (1559-1601), der später ein bedeutender Astronom wurde. Sein Studienaufenthalt in Rostock ist mit einem Duell verbunden, bei dem der 20-Jährige einen Teil seiner Nase verlor. Er soll, um die Verletzung zu kaschieren, eine Nasenprothese aus einer Gold-Silber-Legierung getragen haben.

Axel Oxenstierna (1583-1654), späterer schwedischer Kanzler, studierte 1599 in Rostock. Der niederdeutsche Schriftsteller Fritz Reuter (1810-1874) begann 1831 in Rostock ein Jura-Studium. Rudolf Steiner (1861-1925), Begründer der Anthroposophie, erwarb seinen Doktortitel 1891 und der Schriftsteller Uwe Johnson (1934-1984) studierte von 1952 bis 1954 Germanistik. Die   erste Frau, die sich an der Universität Rostock einschrieb, war Elisabeth Bernhöft. Sie studierte ab 1909 Germanistik.

Wismars Hochschule lehrte anfangs in Kirchengebäude

Ein Vertrag zwischen der Seestadt Wismar und dem Architekten Robert Schmidt (erster Rektor) war quasi die Gründungsurkunde für die Hochschule Wismar als Ingenieur-Akademie. Am 9. Mai 1908 setzten beide Seiten ihre Unterschrift unter den Vertrag. Die Hochschule ist damit die älteste Ausbildungsstätte für Ingenieure in Mecklenburg-Vorpommern.

Mangels anderer Möglichkeiten war das Hofhaus der Heilig-Geist-Kirche zunächst Sitz und Schulgebäude der anfangs privaten Lehranstalt. Der Unterricht begann im September 1908. 13 Studenten hatten sich dazu eingeschrieben. Die Bildungseinrichtung bestand zunächst aus den Abteilungen Maschinenbau und Bauingenieurwesen, später kamen Architektur, Elektrotechnik und Maschinen-Elektroingenieurwesen hinzu. Rund die Hälfte der damaligen Studenten kam aus Ost- und Nordeuropa. 1922 ging die Ingenieur-Akademie als Städtisches Polytechnikum ins Eigentum der Stadt Wismar über. 1937 wurde das Bauingenieurwesen ausgegliedert und das Studienangebot um die Studienrichtung Flugzeugbau erweitert.

Der heute in Warnemünde beheimatete Bereich Seefahrt der Hochschule verfügt über eine lange Tradition. Er ging aus der 1846 gegründeten Großherzoglichen Navigationsschule in Wustrow auf dem Fischland hervor. Die Ausbildung wurde 1954 von der Warnemünder Ingenieurschule für Schiffbautechnik übernommen, und mit Gründung der Ingenieurschule für Seefahrt Warnemünde-Wustrow 1969 wurden beide Einrichtungen vereint. 1989 erfolgte eine Umbenennung zur Hochschule für Seefahrt Warnemünde-Wustrow. Nach der Auflösung der Hochschule im Jahre 1990 erfolgte die rechtliche Übernahme durch die Universität Rostock. Der Bereich Seefahrt gelangte 1992 als neuer Fachbereich zur Hochschule Wismar.

1948 erhielt der Maler Prof. Werner Laux den Auftrag, im Norden der Sowjetischen Besatzungszone die Landeskunstschule Mecklenburg in Putbus auf Rügen einzurichten. Es stellte sich aber heraus, dass der Ort aufgrund seiner dezentralen Lage ungeeignet war.

1949 wurde sie deshalb unter dem Namen „Gestaltende Technik – Arbeitsschule für Güte und Form“ in Wismar fortgeführt. Ein Jahr darauf entstand dort die Fachschule für gestaltende Technik, 1951 die Fachschule für angewandte Kunst. 1953 zog sie als Fachschule für angewandte Kunst nach Heiligendamm um. Ab 1970 wurde die Ausbildung auf die Abteilungen Raumgestaltung/Innenarchitektur, Produktgestaltung, Schmuckgestaltung, Farb- und Oberflächengestaltung/Baukeramik eingeengt und 1992 mit dem Status eines Fachbereiches (Design/Innenarchitektur) ebenfalls der Hochschule Wismar angeschlossen. Der Wechsel von Heiligendamm zurück nach Wismar erfolgte im Sommer 2000. Der nunmehrige Fachbereich zog in einen Neubau auf dem dortigen Campus. wg

Werner Geske

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