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Nordwestmecklenburg Herrnburg wieder ohne Pastor
Lokales Nordwestmecklenburg Herrnburg wieder ohne Pastor
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20:10 06.04.2018
Pastor Stephan Meyer mit Kindern der Kita „Peermoor“ im Juli 2017 beim Richtfest einer neuen Kindertagesstätte in Herrnburg. Quelle: Foto: Dirk Hoffmann
Herrnburg

Mit der Verweildauer der für sie zuständigen Pastoren hat die Kirchengemeinde Herrnburg offenbar nicht viel Glück. Allein zwischen 1995 und 2016 wechselten sich vier Amtsinhaber ab, und seit dem 1. April ist die Stelle nun wieder vakant.

Pastor Stephan Meyer (51), dessen zweijähriger Probedienst zum 31. März auslief, hat keinen unbefristeten Arbeitsvertrag bekommen und steht auch in keinem Dienstverhältnis mehr mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche). Bis zur Neubesetzung der Pfarrstelle wird Pastor Mathias Kretschmer aus Wismar die pfarramtlichen Aufgaben in der Kirchengemeinde ab dem 8. April vertretungsweise übernehmen.

So viel zu den Fakten. Bei den Menschen in Herrnburg und Umgebung allerdings hat die Nichtverlängerung des befristeten Arbeitsvertrages von Pastor Stephan Meyer ein großes emotionales Spannungsfeld erzeugt. Nicht nur in den sozialen Medien spielt das Thema eine große Rolle, auch während einer nicht repräsentativen Zeitungsumfrage hat sich herauskristallisiert, dass viele Gesprächspartner die Entscheidung der Nordkirche nicht nachvollziehen können. Im direkten Umfeld des ehemaligen Pastors allerdings halten sich die Menschen sehr bedeckt. So hat zum Beispiel Wolfgang Kotyrba, der 2.

Vorsitzende des Kirchengemeinderates, der Zeitung ausrichten lassen, dass er zurzeit nicht mit Pressevertretern sprechen möchte. Nach uns vorliegenden Informationen habe sich der Kirchengemeinderat aber für eine Weiterbeschäftigung von Stephan Meyer eingesetzt.

Derweil hat eine Petition im Internet, die die „Wiedereinstellung des bisher tätigen Gemeindepastors Stephan Meyer und Fortführung des einzigartigen Engagements für und mit der Gemeinde Herrnburg/Lüdersdorf“ fordert, bis gestern Nachmittag mehr als 360 Unterstützer gefunden, die ihre Meinung zum Teil auch mit ausführlichen Kommentaren untermauern.

Lediglich ein Unterzeichnender sprach sich dagegen aus. Initiiert worden ist die Petition von Boris Niederquell. Der 38-jährige Kieferchirurg lebt seit zwei Jahren in Herrnburg und galt zuvor eher als unregelmäßiger Kirchengänger. Das habe sich nach dem Kennenlernen von Pastor Stephan Meyer grundsätzlich geändert. Boris Niederquell attestiert dem Geistlichen eine besondere Art und Weise, die Menschen begeistern und mitreißen zu können. „Er hat die kirchliche und die weltliche Gemeinde einander nähergebracht“, betont er und lobt Veranstaltungen, die den Rahmen üblicher Gottesdienste nicht bedienen – wie zum Beispiel Taizé-Gottesdienste oder die Jäger einzuladen.

Sich einer bestimmten Gruppe zuzuwenden, das ist auch bei den Mitgliedern der Herrnburger Ortswehr sehr gut angekommen, wie Ortswehrführer Oliver Boest bestätigt und zugleich von Feuerwehrandachten erzählt. „Wir sind völlig entsetzt und enttäuscht“, schildert der 38-Jährige die Stimmung unter seinen Mitstreitern. Es werde befüchtet, die Entscheidung der Nordkirche sei am grünen Tisch getroffen worden, ohne die wirklichen Verhältnisse zu kennen. „Pastor Meyer hat Kirche so gelebt, wie wir es vorher nicht kannten“, lobt er. Die Ortswehr bezieht ausführlich Stellung auf ihrer Facebook-Seite.

Das Landeskirchenamt der Nordkirche habe aus „dienstrechtlichen Gründen – nach sorgfältiger Prüfung und Überlegung – entschieden“, den Vertrag von Pastor Stephan Meyer „nicht zu verlängern und ihn nicht unbefristet nach dem zweijährigen Probedienst zu übernehmen“, informiert Pressesprecher Christian Meyer vom Kirchenkreis Mecklenburg auf Anfrage. Unserer Zeitung liegt auch ein Schreiben des Wismarer Propstes Marcus Antonioli vor, das Ostermontag während des Gottesdienstes in Herrnburg verlesen worden war und in dem Pastor Stephan Meyer ausdrücklich für sein Engagement gedankt wird.

„Jedoch sind in der Gesamtwürdigung seines Dienstes Zweifel aufgekommen, ob tatsächlich eine uneingeschränkte Diensteignung gegeben ist. Dazu gibt es unterschiedliche Sichtweisen, die noch in einem Gespräch zwischen dem Kirchengemeinderat, dem Landeskirchenamt und mir, dem zuständigen Propst, zu klären sind“, heißt es weiter. Der Propst wisse, dass die Entscheidung viel Unverständnis, ja Unwillen hervorrufe. Er bat die Gemeindeglieder, sie zumindest zu respektieren.

Info: www.openpetition.de/petition/online/gemeinde-herrnburg-luedersdorf-ohne-pastor

Pfarrstelleninhaber seit 1995

Die Kirchengemeinde Herrnburg gehört zur Kirchenregion Grevesmühlen in der Propstei Wismar im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Die Kirchengemeinde Herrnburg hat 1528 Gemeindeglieder (Stand Ende 2016, die Statistik für 2017 wird erst Mitte 2018 veröffentlicht).

Pfarrstelleninhaber in Herrnburg seit 1995:

Pastor Albrecht Martins (1995-2005);

Pastorin Saskia Röschmann-Tluczykont (2005-2012);

Pastor Dr. Martin Brunn (2012-2015);

Pastor Peter Parge (Beauftragung im Ruhestand, 2015-2016);

Pastor Stephan Meyer 1.4.2016 bis 31.3.2018

Cornelia Roxin

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