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Nordwestmecklenburg Herrnburger Friedhof: Wo Denkmale von Flugzeugabstürzen und Morden erzählen
Lokales Nordwestmecklenburg

Herrnburger Friedhof: Denkmale erzählen von Flugzeugabsturz und Mord

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10:22 01.10.2021
Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Friedhof bereits an der heutigen Stelle. Am Bahnhof öffnete ein Restaurant.
Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Friedhof bereits an der heutigen Stelle. Am Bahnhof öffnete ein Restaurant. Quelle: Jürgen Lenz
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Herrnburg

Ein Besuch des Friedhofs in Herrnburg lohnt sich. Er bietet dem Besucher außergewöhnliche Grabstätten mit außergewöhnlicher Geschichte. Zu finden ist er an der Straße, die in Richtung Schattin führt, rund 300 Meter von der Hauptstraße entfernt.

Auf dem Friedhof erinnert ein Findling an die Opfer eines Flugzeugabsturzes am 24. Januar 1949 nahe Schattin. Sieben Passagiere und der Bordfunker kamen ums Leben. Die Maschine der britischen Luftwaffe war Teil der Berliner Luftbrücke, mit der die Briten und US-Amerikaner den Westteil der Stadt versorgten, nachdem die Sowjets alle Straßen und Zugverbindungen gekappt hatten.

Die Unglücksmaschine befand sich auf dem Landeanflug zum Flughafen in Lübeck-Blankensee. Nach Recherchen des Herrnburgers Rainer Volkmar stürzte bereits am 17. November 1948 ein Flugzeug der Luftbrücke am Duvennester Moor ab und ein weiteres am 22. März 1949 in der Feldmark bei Grönau.

20 Soldaten starben in Lazarettzug

Ein anderes Denkmal auf dem Friedhof ist 20 Menschen gewidmet, die 1945 ums Leben kamen. Die deutschen Soldaten starben in einem Lazarettzug der Wehrmacht. Er stand auf einem Abstellgleis des Herrnburger Bahnhofs, offenbar ohne Aussicht auf Weiterfahrt. Nach Rainer Volkmars Auskunft transportierten Bauern die Leichname zum Friedhof.

Kleiner Junge ermordet

International für Schlagzeilen sorgte Mitte der 20er Jahre der Prozess gegen den polnischen Landarbeiter Josef Jakubowski. Eine Steinplatte mit dem Bild eines Engels mit Taube erinnert an den zweieinhalbjährigen Ewald Nogens, der am 24. April 1923 nahe Palingen tot aufgefunden wurde. Der Mord wurde Jakubowski zur Last gelegt.

Ein Scharfrichter töte ihn am 15. Februar 1926. Spätere Ermittlungen ergaben: Die Familie des kleinen Ewald hatte ein Komplott geschmiedet und dem fremden Landarbeiter den Mord in die Schuhe geschoben.

Von Jürgen Lenz