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Nordwestmecklenburg Hobbymalerin aus Neu Degtow auf künstlerischen Pfaden in Polen
Lokales Nordwestmecklenburg Hobbymalerin aus Neu Degtow auf künstlerischen Pfaden in Polen
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13:41 05.11.2019
Dorit Markwart (57) im Kinderzimmer ihres Sohnes, das nun als Atelier dient. Quelle: Jana Franke
Neu Degtow

Plötzlich sind die Kinder aus dem Haus. Und nun? Die Frage stellen sich wohl viele Eltern. Komplett neu müssen sie ihr Leben mit viel mehr Freizeit als zuvor gestalten. So ging es auch Dorit Markwart aus Neu Degtow, nachdem ihre Söhne (37 und 21 Jahre) und ihre Tochter (34) ausgezogen waren.

Warum eigentlich nicht wieder zum Pinsel greifen? Schließlich hatte ihr das vor Jahren in der Reha großen Spaß gemacht. Zurück im Alltag ist das neue Hobby mehr und mehr in den Hintergrund geraten. Gesagt, getan – und Kurse belegt. Mittlerweile ist das ehemalige Kinderzimmer ihres jüngsten Sohnes mit hübsch anzusehenden Bildern bestückt. Mehrfach nahm sie an der OZ-Aktion „NWM kreativ“ teil.

Urlaub für Workshop genutzt

Ihre Liebe zur Acrylmalerei geht sogar so weit, dass die 57-Jährige kürzlich an einem Kunstprojekt in Polen teilgenommen hat, dafür sogar ihren Urlaub „opferte“. „Mein Mann musste zehn Tage alleine zurechtkommen“, sagt sie lachend. „Stacja Kultura“ heißt das Projekt, was übersetzt „Station der Kultur“ bedeutet und für das 15 Plätze ausgeschrieben waren.

In der OZ hatte sie von der besonders reizvollen Einladung gelesen und sich im polnischen Siemczyno (ehemals Heinrichsdorf) – etwa 80 Kilometer von Stettin entfernt – beworben. Auf einem ehemaligen Rittergut kamen mit ihr Künstler aus der Ukraine, Russland und Polen zusammen – Bildhauer, Maler und Keramiker zum Beispiel. „Es war eine intensive Woche“, schwärmt Dorit Markwart. „Und ich habe für mich so viel mitgenommen. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Es hat alles übertroffen.“

In diesem alten Rittergut in Polen konnten die Künstler ihre Ideen umsetzen. Quelle: privat

Kommuniziert habe sie mit Händen und Füßen, denn die Künstler waren der deutschen Sprache nicht mächtig und mit ihrem Schulrussisch kam Dorit Markwart auch nicht weit.

Bis auf Benzin kostete die Reise nichts. Der Workshops wird von vielen Sponsoren unterstützt und fand in der Art erst das zweite Mal statt. Einzige Bedingung: Mindestens zwei bis drei Arbeiten müssen entstehen. Die werden verkauft, um einen weiteren Workshop im kommenden Jahr zu finanzieren. Wer Dorit Markwart kennt, weiß, dass zwei bis drei Bilder überhaupt kein Problem darstellen. In zehn Tagen entstanden sogar sechs Bilder. Die Ideen sprießen geradezu.

Unter dem Dach in gemütlichem Ambiente schufen die Künstler ihre Werke. Unten links ein weiteres Bild von Dorit Markwart. Quelle: privat

Wissen Stück für Stück aufgebaut

Eine Kunstschule besuchte die Ehefrau von Dr. Bernd Markwart nicht, nur einzelne Kurse. „Den Rest habe ich mir irgendwie angeeignet, viel gelesen und so mein Wissen Stück für Stück aufgebaut“, berichtet sie.

Natürlich spiegeln sich in ihren Bildern auch Empfindungen wider. Da ist das in Polen Entstandene, das in Blau gehalten Stufen und steile Wege zeigt: „Das ist mein Lebensweg, der nicht immer einfach war, von der Geburt bis heute“, umschreibt sie. Inspiriert habe sie Polen an sich. „Mein Opa kommt aus Stettin. Ich habe mich gefreut, in seine Heimat zu reisen. Gern hätte ich meine Freude mit meiner Oma geteilt, aber sie ist leider dement“, erzählt Dorit Markwart.

Dieses Bild malte Dorit Markwart unter anderem in Polen – es spiegelt ihren Lebensweg wider. Quelle: privat

Unter jedem ihrer gemalten Werke steht „Riten“ und das entsprechende Jahr, in dem das Bild entstand. „Ich hätte auch ‚DM‘ für ‚Dorit Markwart‘ schreiben können, aber irgendwie sieht das doof aus“, erklärt sie lachend. Riten haben sie ihr Opa immer genannt. In einer Wotenitzer Tischlerei aufgewachsen, saß sie dort oft auf einem alten Brennofen und hat den Angestellten beim Hobeln des Holzes zugesehen. „Ich habe den Geruch geliebt und lief gern durch die Späne“, erinnert sie sich.

Wunsch einer Malschule

Dorit Markwart wird nicht müde, auch immer wieder mal etwas Neues auszuprobieren. Erstmals arbeitete sie mit Rostpigmenten, so dass sich das Bild mit der Zeit sogar verändert. „Ich bin gespannt, wohin mich der Weg führt“, sagt sie. Gern würde sie eine Malschule gründen. „Aber dafür muss ich noch viel lernen.“ Das Malen gebe ihr innere Zufriedenheit. „Ich vergesse dabei die Zeit“, meint sie. „Manchmal bin ich selbst erstaunt, was am Ende entstanden ist.“

Sie hofft auf einen dritten Workshop in Polen, für den sie sich erneut bewerben möchte. Dann muss ihr Mann wohl oder übel erneut zehn Tage ohne sie auskommen.

Dieses Bild malte Dorit Markwart unter anderem in Polen. Quelle: privat

Von Jana Franke

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