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Nordwestmecklenburg Immer mehr anonyme Bestattungen in Wismar
Lokales Nordwestmecklenburg Immer mehr anonyme Bestattungen in Wismar
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20:10 18.07.2015
Wolfgang Nowack gießt die Blumen auf dem Grab seiner Schwiegereltern auf dem Wismarer Ostfriedhof. Quelle: Norbert Wiaterek
Wismar

Der Trend ist eindeutig: In Wismar nimmt die Zahl der anonymen Beisetzungen weiter zu. Im vergangenen Jahr machten sie schon 70 Prozent aller Beerdigungen aus. Folgen:

Keine Trauerfeier am Grab, kein Grabstein. Blumen oder anderer Schmuck sind später meist nicht oder nur an vorgesehenen Plätzen erlaubt. Die Hinterbliebenen brauchen sich um die Grabpflege keine Gedanken machen, haben dafür aber auch keinen Ort zum Trauern und sparen Geld.

Wolfgang Nowack bevorzugt diese Beisetzungsform. „Es ist doch nicht schön, wenn Gräber verwahrlosen, weil Hinterbliebene keine Zeit für die Pflege haben“, sagt der 64-Jährige aus Wismar, während er die dunkelroten Blumen auf dem Grab seiner Schwiegereltern Elli und Richard Großkreutz gießt. Gerne pflegt Nowack, der einst Gabelstapler auf der Werft steuerte, diese Begräbnisstätte und die seines Kumpels Willi Plawan, beide auf dem Wismarer Ostfriedhof. Der Freund und die Schwiegereltern wurden in Erdwahlgräbern beigesetzt.

Auch Karin Kontny gönnt den Blumen auf der großen Grabstätte ihrer Familie Wasser. „Mein Großvater hatte die Fläche 1928 gekauft.“ Ob die 68-Jährige dort einmal beigesetzt wird? „Ich kann mir auch eine Stelle in einer Urnengemeinschaftsanlage vorstellen. Aber nicht anonym. Es gehört zur Trauerbewältigung, dass Hinterbliebene einen Ort haben, wo sie hingehen können“, meint Karin Kontny. Dies sieht auch Grit Schaller-Uhl so. „Ich finde individuelle Orte des aktiven Trauerns wichtig“, sagt die Friedhofsverwalterin. „Die Menschen haben das Bedürfnis, Abschied von lieben Verwandten und Freunden zu nehmen und sich dabei gegenseitig zu trösten. Viele pflanzen, zupfen Unkraut, harken, suchen so auch den Kontakt zu den Verstorbenen. Das Pflanzen und das Sehen, wie alles gedeiht, ist auch ein Prozess, der tröstet. Aus dem Tod entsteht neues Leben.“ Schaller-Uhl rät, sich nicht erst bei einem Trauerfall, sondern möglichst frühzeitig über die verschiedenen Beisetzungsmöglichkeiten zu informieren, etwa beim Tag des Friedhofs oder direkt bei der Verwaltung: „Wir helfen gerne, zeigen Alternativen auf.“

In Wismar existieren viele Möglichkeiten, Verstorbene würdevoll beizusetzen — und wenn gewünscht mit der späteren Grabpflege keine Hinterbliebenen zu belasten. Wer nicht anonym beerdigt werden möchte, kann sich beispielsweise auch für eine Urnenwahlgrabstätte (für bis zu zwei Urnen) in Rasen- beziehungsweise Rabatten-Gemeinschaftsanlagen entscheiden. In der Gebühr ist die dauerhafte Pflege für zwei Jahrzehnte enthalten.

Besonders gefragt sind Urnenwahlgrabstätten an Bäumen. Besucher des Ostfriedhofs finden ein neu hergerichtetes Feld mit der Nummer 27 hinter dem Eingang Wiesenweg auf der linken Seite. Dünne blaue Bänder, um Baumstämme geschlungen und mit Plaketten verbunden, kennzeichnen die freien Stellen. Dem allgemeinen Trend zur Anonymität wirkt laut Schaller-Uhl „eine leise Bewegung zu größeren Grabstätten“ entgegen. „Es gibt Urnenfelder mit deutlich größeren Grabflächen und durchaus gezielte Entscheidungen zu großen Erdwahlgräbern. Interessant ist auch die Nachfrage nach Grabstätten in alten Gitterstellen, die damit wieder belebt und gepflegt werden.“

Die Pflanzenverwendung bei der Grabgestaltung ist interessant und abwechslungsreich. „Es gibt viele robuste Stauden und Gräser, die wesentlich pflegeextensiver sind als die klassische Wechselpflanzung. Zudem gibt es neben den pflegefreien Gräbern des Friedhofs die Möglichkeit, die Wahlgräber von privaten Gärtnereien pflegen zu lassen.“ Auch die Dauergrabpflege, die eine würdevolle Pflege über den Tod hinaus gewährleistet, setzt sich laut Schaller-Uhl immer mehr durch.

Wer über den 22 Hektar großen Ost- und Westfriedhof in Wismar geht, wird bemerken, dass dort, wo früher Gräber waren, jetzt Rasen sprießt. Die Lücken fallen auf. Auch diese Stellen müssen von den neun angestellten Friedhofsgärtnern in Schuss gehalten werden. „An eine Verkleinerung des Friedhofs ist aber nicht gedacht“, betont Grit Schaller-Uhl. „Denn das Areal steht unter Denkmalschutz. Und man müsste warten, bis die Liegezeiten abgelaufen sind. Aber was soll dann mit den freien Flächen geschehen?“

70 Prozent aller Beisetzungen erfolgen anonym

529Beisetzungen gab es im vergangenen Jahr auf dem Wismarer Friedhof: 458 Urnen- und 71 Erdbestattungen, also in Särgen.

370Beerdigungen erfolgten anonym: 349 Urnen- und 21 Erdbestattungen. Trauernde sind bei der „stillen Beisetzung“ meist nicht anwesend. Auf einen Grabstein wird verzichtet.
Pflegefreie Grabmodelle gibt es mehrere. Die Kosten liegen zwischen 1030 Euro (für eine Urnenwahlgrabstätte in Baumgrabgemeinschaften, Ruhezeit: 20 Jahre) und 3990 Euro (Erdwahlgrabstätte in Rasen- oder Rabatten-Gemeinschaftsanlagen, Ruhezeit: 25 Jahre).

785 Euro kostet der Platz für ein einstelliges Erdwahlgrab auf dem Wismarer Friedhof. Nutzungsdauer: 25 Jahre. Für ein Urnenwahlgrab für 20 Jahre sind 442 Euro zu zahlen. Diese Gräber müssen von Hinterbliebenen oder einem beauftragten Friedhofsgärtner gepflegt werden. Eine anonyme Beisetzung kostet 885 Euro.

Norbert Wiaterek

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