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Nordwestmecklenburg Blühwiesen am Feldrand retten Insekten
Lokales Nordwestmecklenburg Blühwiesen am Feldrand retten Insekten
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08:41 04.06.2019
Landwirt Heiko Voß (45) mit der Blühwiese an seinem Hof in Zehmen, Nordwestmecklenburg. Quelle: Michael Prochnow
Zehmen/Grieben

Wer aus Richtung Menzendorf den Feldweg zum Hof der Familie Voß in Zehmen entlangfährt, der sieht neben den großen Weizenfeldern vor allem eines: Unzählige Farbtupfer entlang des malerisch gelegenen Hofes. Zwischen den Feldern und dem Garten des Familienunternehmens blüht es derzeit in allen erdenklichen Farben. Christa Voß, die Mutter von Landwirt Heiko Voß, der das Unternehmen mit rund 250 Hektar führt, freut sich über den Anblick, der in diesen Tagen besonders beeindruckend ist. Nur, die Aussicht ist dabei eher zweitrangig. „Denn eigentlich hat das Blumenmeer einen anderen Grund“, sagt der 45-jährige Heiko Voß. „Die Blühstreifen erfüllen eine wichtige Funktion für die Insekten.“ Und von denen gibt es immer weniger. Und nicht wenige geben der industriellen Landwirtschaft eine Mitschuld daran.

Vorurteile gegen die konventionelle Landwirtschaft

Wenn Heiko Voß nach Einbruch der Dunkelheit mit der sogenannten Spritze – das ist der Tankwagen mit den langen Auslegern, mit denen unter anderem Düngemittel und Insektizide verteilt werden – aufs Feld fährt, dann kommt es mitunter vor, dass er sich Vorwürfe anhören muss. „Da muss doch was faul sein, wenn der nachts fährt, heißt es dann. So etwas passiert schon. Dabei ist es genau umgekehrt.“ Denn der Raps muss gegen Schädlinge behandelt werden. Und um die Bienen nicht zu schädigen, fahren die Landwirte aufs Feld, wenn die Bienen nicht fliegen – und das ist nachts der Fall. „Wir sind ein konventioneller Betriebe, dazu stehe ich auch. Und deshalb müssen wir auch die Felder behandeln. Das gehört einfach dazu“, betont Heiko Voß. Genauso wie der Schutz der Umwelt und auch der Insekten. Denn die Landwirte leben von und mit der Natur, die Bio-Betriebe ebenso wie die konventionellen Unternehmen.

Zahl der Schädlinge bleibt seltsamerweise stabil

So gebe es viele Dinge, die die Menschen nicht sehen würden, die die Landwirte bereits längst umsetzen würden, um die Umwelt zu schonen. „Es ist eine Tatsache, dass es weniger Insekten gibt. Dummerweise nimmt aber die Zahl der Schädlinge nicht im gleichen Maß ab, und deshalb müssen wir reagieren“, erläutert der Unternehmer. Ansonsten würden die Regale in den Supermärkten leer bleiben. Denn allein mit Bio-Landwirtschaft ist der Bedarf nicht zu decken. Die Blühstreifen an den Feldern, die übrigens gefördert werden, sind mittlerweile an vielen Äckern zu sehen. Und es werden mehr. „Wir haben noch einige Streifen angesät, die noch gar nicht aufgegangen sind, so dass, wenn der Mohn verblüht ist, die Insekten andere Pflanzen finden.“ Dass die Blühstreifen vom Ministerium gefördert werden, das ist kein Geheimnis. Und auch notwendig, um wirtschaftlich agieren zu können.

Landwirtschaftsministerium fördert Blühstreifen

Gefördert werden durch das Ministerium ein- und mehrjährige Blühstreifen an den Feldrändern, die zwischen 5 und 30 Meter breit sein müssen. Erst im vergangenen Jahr hatte MV die Förderung deutlich erweitert, statt wie früher bis zu 5 können Landwirte seit 2018 bis zu 20 Hektar ihrer Fläche als Blühstreifen anlegen.

Die Aussaat erfolgt bis Ende Mai. Es müssen mindestes fünf verschiedene Arten in der Saat enthalten sein. Das sind zum Beispiel: Gelbsenf, Ölrettich, Sommerrübsen, Alexandrinerklee, Gelbklee,Inkarnatklee, Perserklee, Rotklee, Weißklee, Futtererbse, Seradella, Süßlupine, Zottelwicke, Öllein, Borretsch, Buchweizen, Dill, Futtermalve, Klatschmohn, Koriander, Kornblume, Mariendistel, Phacelia, Ringelblume, Sonnenblume, Stockrose. Gräserartige (Gräser und Getreide) dürfen maximal 10 Prozent der Saatgutmischung einnehmen.

Mehrjährige Arten (zwei- und mehrjährig) müssen mit mindestens 60 % in der Saatgutmischung enthalten sein. Für die Anlage von mehrjährigen Bühflächen ist regionales Saatgut mit einem Prozentanteil von mindestens 30 Prozent Saatgut (Saatgut das durch Besammlung von Wildpflanzen in einer bestimmten Region gewonnen wird, um später, in der Regel nach einer Zwischenvermehrung, in dieser Region wieder ausgebracht zu werden) mit Herkunft aus Norddeutschland einzusetzen. Quelle: Landwirtschaftsministerium MV

Imker kämpfen für Erhalt der Lebensräume für Insekten

Jemand, der die Entwicklung der Insekten seit Jahrzehnten beobachtet, ist Dietrich Schmoldt, Tierarzt aus Klütz. Zusammen mit Wolfgang Kaletta, der sich unter anderem etliche Jahre um den Schlosspark von Bothmer gekümmert hat, liegt ihnen vor allem das Wohl der Bienen am Herzen. Mit Sorge betrachten sie die Ausdehnung der großen Schläge in der Region, die Felder werden größer, die Fruchtfolge geringer und die Lebensräume für die Bienen verschwinden. Dabei brauchen die Insekten die Hecken mit ihren vielfältigen Pflanzen und die Blühstreifen zum Leben. Nur: Es gibt strenge Vorschriften, was in den Hecken und an den Feldrändern gepflanzt werden darf. Und da geraten die erfahrenden Umweltschützer immer wieder mit den Behörden und Verbänden aneinander. Denn viele Pflanzenarten, so Dietrich Schmidt, hätten sich längst angepasst und würden bei den heimischen Insekten zum festen Lebensraum gehören. Die Schneebeere ist so ein Fall. Das Gewächs wurde im 18. Jahrhundert im Park von Schloss Bothmer angepflanzt und hat sich in der Region verbreitet – gilt aber nach wir vor bei den Behörden als nicht einheimische Pflanze.

Ohne Insekten geht auch die Zahl der Vögel zurück

Dass Autofahrer aufgrund der sinkenden Zahl der Insekten sich durchaus die Hände reiben, da die blinkende Karosse im Sommer halbwegs sauber bleibt, ist die eine Seite. Die andere ist die, wovor Tier- und Umweltschützer seit Jahren warnen. Denn viele Vögel finden aufgrund der Entwicklung nicht mehr genügend Futter, da vor allem Insekten auf ihrem Speiseplan stehen – oder besser standen.

Michael Prochnow

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